… und selten an Land – „The Seaside Stories“ von Finner

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Finner heißt Thorsten mit Vornamen und war früher bei Everlaunch. Nicht, dass er’s solo nicht würde krachen lassen können. Aber von dem Beine-Breit-2.-Liga-Stadion-Reicht-Auch-Rock ist wenig geblieben. Auf Finners Solo-Debüt "The Seaside Stories" dominiert stattdessen Akustik-Gitarren-Pop klassischen Zuschnitts.

Finner
The Seaside Stories
Greywood Records / Timezone
14. März 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Von einem Konzept-Album im strengen Sinne kann bei "The Seaside Stories" nicht wirklich die Rede sein. Einen gewissen, sagen wir: maritimen, Rahmen hat es dennoch. Dazu hätte es das Pressefoto im knallgelben Friesennerz gar nicht gebraucht. So wurde ein Großteil der Songs auf dem dänischen Eiland Fanø ersonnen. Das Wasser im Blick und die Brandung im Ohr werden ihren Teil zu Finners Inspiration beigetragen haben. Glen Hansard, Cass McCombs und The Late Call möglicherweise auch. Wenn auch kein einziger Titel auf "The Seaside Stories" nur annähernd das Verzweiflungsniveau von "Rhythm And Repose" erreicht, Experimente wie auf "Big Wheel and Other" komplett außen vor bleiben und Groove im Gesamtkonzept nicht die Rolle spielt wie auf "Pale Morning Light".

Und obwohl Songs à la "Into A Trap", "Brotherly Love" und "The Bearded Man" Vergleiche mit Crowded House und Co provozieren, und "Halfway" mit seinem 1970-er Al Stewart–Feeling ganz und gar gegen den Album-Strom schwimmt, ist es ein anderer deutscher Singer-Songwriter, der als relevanter Orientierungspfeiler taugt; Dirk Darmstaedter aka Me And Cassity erscheint angesichts von Titeln wie "Stormy Skies", "Barricade" und "Don’t Get Me Wrong" als sehr viel dankbarere klangliche Wahlverwandtschaft. Und weil Finners Timbre nicht selten an die Peter Freudenthalers erinnert, muss auch der Name Fools Garden an dieser Stelle noch einmal fallen.

Dass Thorsten Finner ebenso wenig wie Freudenthaler zu den Native Speakern zählt, ist nicht weiter schlimm. Aber eben doch hörbar. Am allermeisten aber verwundert den Autoren, dass die erste Single-Auskopplung und der Album-Opener "Lost In The Sea" sich so einfach und mit solch großem Abstand vom Rest des Albums ab – und an dessen Spitze setzt: dynamisch und dramaturgisch höchst effektvoll in Szene gesetzt, besticht es durch elegant arrangierte Streicher-Sätze und ist dank des Breaks in der Mitte mit einem wahrscheinlich vor allem live mächtig wirksamen Spannungsbogen ausgestattet.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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