Untoter geht’s nicht – „Kill Me Sweety“ von Dead Hippies

dead hippies

Der bekennende Klangexperimentalist und Grenzüberschreiter Arnaud Fournier, seines Zeichens und seiner Zeit massgeblich treibender Kopf hinter Projekten wie Hint und La Phaze, ist auch mit seiner neuen Band Dead Hippies wieder zum fröhlichen Stilcrossover angetreten und vermengt hier naht- und reibungslos an verzerrten Gitarren geschultem IndieRock mit einer brutalst nach vorn treibenden Gemengelage aus ElectroHouse / EDM / ElectroPunk. Damit liegt er – unabhängig ob gesangslastig oder rein instrumental – hart richtig am Bewegungsnerv der Zeit und rockt sowohl kleine Kellerclubs als auch riesige Festivalbühnen und, obwohl dem Label nicht assoziiert, auch die örtliche Audiolith-Afterparty der Wahl. Die Dead Hippies bauen Wälle aus dreckigesten Distortionorgien, schlagen mutig gestandene Vertreter genannter Wall Of Sound in die Flucht und rocken - gelinde gesagt – die Scheisse fett. 

Dead Hippies
Kill Me Sweetie
Kshantu / Broken Silence
08. November 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ob sich nun der Opener "Ride Away" zwischen elektronischer Verzerrung und fast EBM-artigem DüsterRock bewegt, "Just A Noisy Dance" knarzende Basslines und Schrammelgitarren mit überaus positiv gestimmter Melodieführung und im Abgang fast trancigen Flächen verwebt  oder mit "Write in Black" zum Mitsingen animierende Töne angeschlagen werden -  die Dead Hippies kennen nur einen Weg: nach vorn. 

Das gilt ebenso für das zweifelsfrei an englischer Bassmusik geschulte Instrumentalstück "Kill Me Sweety", das blubbernde Basslines mit hart metallischen Riffs kreuzt, und auch die gewagte, trotz enormem Noise-Anteils fast Folk-orientiert wirkende und durchaus gelungene Neuinterpretation des Velvet Underground-Klassikers "Venus In Furs" macht trotz durch Abwesenheit glänzende Vocals keine Gefangenen sondern überrascht durch das Herausstellen neuer Aspekte des von Vielen heiss-geliebten Alltime-Favorites. Auch wenn sich über die Notwendigkeit von Banjos in dieser Art von Hybridmusik vorzüglich streiten liesse, ist selbst dem partiell fragwürdigen "Django Dance" eine unglaubliche Funktionalität nicht abzusprechen und spätestens mit dem im Anschluss folgenden DesertRock vs. Elektronik-Verschnitt "Orange Eyes", der an dieser Stelle auch allen Fans des derzeitigen Trentemøller-Sounds ans Herz gelegt sei, ist auch dieser kleine Fauxpas schnell vergessen. 

Mit "The Death Of A Hippie" beginnt das letzte Drittel des Albums schliesslich noch einmal melancholisch, bevor sich mit "Remember" noch ein ernstzunehmender Ohrwurm in Hirnwindungen der Fangemeinde schleicht und das "Morning Amazement" für einen versöhnlichen, fast ambienten Ausklang dieses stilistisch vielschichtigen Debuts verantwortlich zeichnet. In dieser Form eine beachtliche Leistung binnen knapp 50 Minuten Laufzeit. 

Foto: P. Laffont

 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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