Verhallt ohne Spuren – „Ego Death“ von The Internet

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Als Seitensprung-Projekt des damals noch intaken Odd Future Wolf Gang Kill Them All Kollektivs war The Internet schon eine amtliche Sache, als Tyler, The Creator und Earl Sweatshirt ihre Egos noch im Griff hatten. Jetzt gibt es OddFuture zwar nicht mehr, dafür veröffentlicht der The Internet Ableger mit "Ego Death" das inzwischen dritte Album.

The Internet
Ego Death
Odd Future
29. Juni 2018
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Mit den manchmal durchaus avantgardistischen Klangexperimenten der OddFuture-Wiege hat "Ego Death" so gar nichts zu schaffen – wie die beiden Vorgänger-Alben auch. Stattdessen servieren und Frontfrau Syd Tha Kid und ihre Kollegen lupenreinen Neo-Soul, der immer dann, wenn es sich anbietet, mit Hip Hop zu flirten scheint, nur um ihn – den Hip Hop – dann fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel. In "Palace/Curse", den streng genommen beiden letzten Titeln auf dem Album, darf Tyler, The Creator wenig mehr als "Don’t Drink And Drive" shouten – da ist sein Part schon vorbei. Auf "Go With It" versucht sich Vic Mensa, aber auch hier ist nach einer sehr, sehr kurzen Strophe alles vorüber.

Die expliziten, um nicht zu sagen teils derben Texte einmal außen vor - der Rest des "Ego Death" Albums changiert mal mehr und mal weniger gekonnt zwischen Jill Scott, Maxwell, Erykah Badu zu "Appletree"-Zeiten, und – auch das muss gesagt werden – Robin Thicke als er noch klang wie auf "Something Else" und "The Evolution of...": Zu den Songs, die das wohl am plastischsten verdeutlichen, gehören "Under Control", "Somthing’s Missing" und "Just Sayin/I Tried". "For The World", die Zusammenarbeit mit James Fauntleroy geht leider in nichtigem Wohlgefallen unter. Was man von der KAYTRANADA Produktion "Girl" so nicht sagen kann. Und das Beste an "Gabby", der Kollaboration mit Janelle Monáe, ist der Beat.

Die daraus zu ziehende Schlussfolgerung ist simpel: Allein bzw. ohne Gäste scheint The Internet viel eher und um Längen besser zu sich zu finden. Das grummelige "Special Affair", das hypnotische "Partners In Crime Part Three" sowie der fantastische Opener "Get Away" sind die schlagkräftigsten Beweise für diese Behauptung. Wobei die mit Abstand nicht so gelungenen Songs – "Under Control" und "Penthouse Cloud" (der nicht-instrumentale Part) – das natürlich gleich wieder in Frage stellen. Fazit: Hörenswert zwar, aber die akustische Erinnerung bleibt irgendwie schemenhaft.  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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