Verschlägt andern die Sprache – „Don’t Be A Stranger“ von Mark Eitzel

MarkEitzel1-web

Mark Eitzel? – Zumindestens dem Namen nach könnte der auch Sohn eines hessischen Solar-Ingenieurs sein. Nur wenige Takte in sein aktuelles Album "Don't Be A Stranger" hineingehört, verflüchtigt sich dieser Eindruck aber wie Nagellackentferner an der frischen Luft. Der Taunus singt und klingt anders.

Mark Eitzel
Don
Decor / Indigo
24. September 2012
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Wenn Mark Eitzel nicht unter dem Sternzeichen Liedermacher geboren ist und als prototypischer Singer/Songwriter alle entsprechenden Klischees bestätigt – sogar die unwahren und unfairen - dann wohl niemand. Ein feinfühliger, vor allem aber mit sich selbst und seinen Dämonen beschäftigter Barde, ausgestattet mit einer phänomenalen Beobachtungsgabe und einer samtenen, vollkommen unexaltierten Stimme. Nicht erst seit "Don’t Be Stranger" komponiert Eitzel leise und behutsame Kleinode, deren inhaltlicher Sprengstoff zu 100% in den Texten verortet ist.

Tatsächlich stehen die wiegenliedtauglichen, instrumentalen Arrangements der Eitzel-Songs im krassen Gegensatz zu ihren Texten. Das sind sie nicht nur, weil Eitzel lieber autobiografisch aufrichtig ist als fiktional erfolgreich dichtet. Mit dem Laufe der Jahre klingt Eitzels nicht unbedingt radikale aber konsequente Kompromisslosigkeit immer häufiger (zynisch) nach Verbitterung. Das kann wie bei "Why Are You With Me" zum Schmunzeln anregen, führt aber häufiger dazu, dass einem das sorglose Grinsen im Gesicht gefriert. So zum Beispiel bei "Costumed Characters Face Dangers While At The Workplace" und "Mercy".

Dass Eitzel erst Lyriker und dann Musiker ist, hört man "Don’t Be Stranger" genau so an wie dem guten Dutzend Alben, das er zuvor unter seinem Namen veröffentlicht hat. Bei gleichbleibender Güte der Text-Komponente schwankt die Qualität der Songs untereinander einigermaßen massiv. Das reicht von tatsächlichen Lückenfüllern wie "Lament for Bobo", über einfach nicht ganz so gute Nummern wie "I Know The Bill Is Due" bis zu den zwei besonders herausragenden Songs auf dem Album "Your Waiting" und "Why Are You With Me". Ein weiteres Indiz für diese Speech-over-Sound-Dominanz ist Eitzels unaufgeregter Gesang. Seine Stimme benutzt der Musiker in erster Linie, um die Text-Botschaft zu transportieren, nicht aber als Instrument. Dennoch wäre es grob fahrlässig, "Dont Be A Stranger" für einen Beitrag aus der Spoken Word-Ecke zu halten. Eitzel ist einfach ein Sänger, für den der gesungene Text wichtiger ist als die Noten.

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.