Vielgesichtig & Mehrköpfig – „War Room Stories“ von Breton

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Multimedia-Kollektiv? – Kreativ-Zelle aus besetzten Häusern im Süden Londons? – Art pour l’art?  - Alles Schmarrn. Breton sind zwar eine Band wie keine andere. Gute Musik ohne doppelten Boden machen sie trotzdem.

Breton
War Room Stories
Cut Tooth / Believe / Soulfood
7. Februar 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Um gleich einmal mit der Tür ins Haus zu fallen: Segen und Fluch dieses Londoner Fünfers, der mit seinem Debüt Album "Other People’s Problems" weltweit für Flimmerhärchen-Gänsehaut sorgte, ist seine Vielseitigkeit. Was sich schon auf ihrem Debüt erahnen ließ, bestätigt das Quintett auf "War Room Stories" mit unmissverständlicher Deutlichkeit. Was die Wort-Klauberei bedeuten soll? "War Room Stories" klingt alles in allem weniger nach dem Album einer Band, als vielmehr nach diverse EPs und Maxis von jeweils verschiedenen Interpreten.

Wobei "Envy", "Closed Category", "Search Party" und "Fifteen Minutes" am ehesten den Eindruck erwecken, aus einem Ensemble-Guss zu sein. Im Vordergrund stehen hier cleveres Songwriting, jede Menge Pop-Feingefühl und Ohrwurmigkeit. Dass Breton gerade für diese Tracks ein laut Waschzettel Philharmonisches Orchester aus Mazedonien engagiert hat (die Berliner hatten gerade keine Zeit) spielt dabei eher keine Rolle. Im Album-Kontext wesentlich relevanter ist, dass diese Kompositionen zu dem grandios-majestätischen "S4" (Hallo Audi?!), der Zeitlupen-Hektik von "National Grid" und dem außerweltlichen "Brothers" so gut wie beziehungslos stehen. Und nur mit einer gehörigen Portion Wohlwollen lässt sich Roman Rappaks Vokal-Apparat als brückenschlagender Missing Link interpretieren. So hehr das Ziel, so zwiespältig das Ergebnis.

Das gilt erst recht für den mit Abstand besten, weil imposantesten Song des Albums "Got Well Soon". Der disparate Eindruck, den dieser singulärer Banger hinterlässt, kann man eigentlich nur mit Lionel Messi vergleichen, der bei Rot-Weiss-Essen im Sturm spielt. Nicht, dass die restlichen neun Songs Viert-Liga-Niveau hätten – aber "Got Well Soon" belegt mit großem Abstand den ersten, zweiten und dritten Platz auf einmal. Die außergewöhnlichen Bewegt-Bilder des dazugehörigen Videos sagen mehr als jedes dieser Worte. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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