Vier Für Ein Halleluja – Bloc Party’s „Four“

Vier Briten nehmen ihr viertes Album auf und geben ihm den Titel Four. Die Vier steht in der biblischen Zahlensymbolik unter anderem für das "Tor zur Welt" und das "Weibliche". Sehr vierversprechend. Und da aller guten Dinge bekanntlich vier sind, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Man darf also hohe Erwartungen an die vierte Runde der Bloc Party haben. Ob ihnen die Quadratur des Kreises tatsächlich gelingt, kann im Folgenden nachgelesen werden...


Bloc Party Four

 

Cooperative Music / Universal 24. August 2012

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Nach einigen Unsicherheiten und Solo-Abenteuern haben sich die Bloc-Rocker wieder zusammengerauft, um ihr viertes Album aufzunehmen. Versuchten sie, auf den Vorgängern A Weekend in the City und Intimacy dem Schatten des selbsterschaffenen Debütgiganten zu entfliehen, versucht Four ganz eindeutig, wieder an die alte Rockigkeit anzuschließen. Und ganz in diesem Sinne gibt sich Four gänzlich garagenmäßig: immer wieder hört man Stimmen aus dem Proberaum oder Studio, ganz pappig und "authentisch". Offensichtlich suchen die vier wieder Bodenhaftung. Und so gelingt ihnen auch ein schönes Rockalbum, mit viel Wucht und Abwechslung.

Neben den perkussiven und den verhallten Gitarrensounds, die Silent Alarm zu großem Ruhm verholfen haben, gesellen sich auf Four ultradreckige New-Metal-Sounds dazu. Und ein Angus Young Zitat. Und eine Dobro und ein einsames Banjo! Was ebenso gut Platituden hätten sein können, ist hier so gut inszeniert, das einem das Herz aufgeht. Großer Effekt ohne Effekthascherei! Alex Newport macht seine Arbeit als Produzent so gut, dass es wundert, dass Kettling und Coliseum klanglich so aus der Rolle fallen. Der Bruch im Sound wird allerdings durch die bestechende Wucht gerne verziehen... Schade ist allerdings, dass zugunsten eines "realen" Proberaumsounds das Schlagzeug so weichgezeichnet ist. Auf Silent Alarm spielt Schlagzeuger Mtt Tong nicht nur die Hauptrolle, sondern schreibt Musikgeschichte. Tolle Technik, toller Sound, tolle Aufnahmen und dann diese immer wieder ausbrechende Gewalt... Wo ist das alles hin? Das sind doch Rock'n'Roll-Tugenden!

In die Bresche springt da allerdings Gordon Moakes, dessen Bass Sound vielmehr Raum beansprucht, als zuvor. Das passt, das muss. Bleibt nur noch: Kele Okereke. Der Sänger präsentiert sich auf Four mit Höhen und Tiefen. Zuweilen zeigt sich da mehr Intention, also Qualität. Das stinkt nach Selbstüberschätzung und übertriebener Sinnhaftigkeit. Kurz: Midlife-Crisis - so alt ist der doch noch garnicht. Zum Glück aber gibt es immer wieder starke Momente. Und Songs wie Day Four machen schnell wieder klar, warum er aus der Bloc Party nicht wegzudenken ist.

Letzterer Track, zusammen mit Team A und Truth sind die großen Nummern auf Four. Eine der großen Stärken des Albums ist, dass sich eben diese Kracher nicht am Anfang befinden. Die Liedauswahl und die Anordnung sorgen dafür, dass niemals Langeweile aufkommt. Dadurch wird Four zu einem richtigen Album, und nicht zu einer wahllosen Sammlung aktueller Stücke. Schade, dass der Klang der Stücke derart inhomogen ist. So gut jedes einzelne Stück auch für sich klingt, das Ganze scheint nicht aus einem Guss zu sein. Und das beißt sich dann wiederum ganz gewaltig mit der selbstauferlegten Proberaumästhetik.

Das Gefühl, dass da zusammen gesessen, geschrieben, getrunken und eben vor allem geprobt wurde, will einfach nicht aufkommen. Nach einem Lehrstück in Sachen Tightness, wie es Silent Alarm war, darf sowas nicht passieren. Oder, wenn man den vielleicht müßigen Vergleich vermeiden will: Als Debütalbum hätte Four nicht funktioniert. Nun ist es aber kein Debütalbum. Bloc Party hat sich ihren Platz in den Herzen der Liebhaber progressiver Musik längst gesichert. Und alles in allem zeigt Four, wieviel Potential da noch ist. In die Zukunft darf man also in freudiger Erwartung blicken. Und solange reicht es, dass Four ein geiles Stück Rockmusik ist!

Gebürtiger Lübecker mit Wohnsitz in Hamburg. Zu jung für Schlager, zu alt für Jumpstyle. Dennoch zweifelhafter Musikgeschmack mit Hang zu Sprunghaftigkeit. Ergo: Schreiberling im Hauptfach Randbezirkige Musik.

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