Wahlverwandte – „Cool Uncle“ von Bobby Caldwell & Jack Splash

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Bobby wer? – Dass Caldwells Name den Groschen nicht zum Fallen bringt – ebenso wenig wie der des zweiten Mannes um Bunde – Jack Splash – muss niemanden bekümmern. Caldwell ist quasi ein Michael McDonald ohne Doobie Brothers Vergangenheit. Wie bei dem Blue Eyed Soul Kollegen auch, verdankt Caldwell einen entscheidenden Anteil seiner Popularität der Tatsache, dass sein größter Hit "What You Won’t Do For Love" Eingang in den Hip Hop Sample Kanon gefunden hat. Zusammen mit dem gleichwertig eigentlich nur Insidern bekannten, immerhin aber schon Grammy dekorierten Sound-Sozius Splash hat Caldwell als Cool Uncle das Album "Cool Uncle" aufgenommen.

Bobby Caldwell & Jack Splash
Cool Uncle
Fresh Young Minds / Empire
13. November 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC
 

Nicht, dass man den beiden Absicht vorwerfen könnte, aber nach nur einem Hördurchgang wird klar: Das Album zerfällt in zwei Teile. In den coolen. Und in den onkeligen. Beginnen wir mir Letzteren – dann haben wir’s hinter uns. "Mercy", "Destiny", "My Beloved", "Lonely" und "The Cat Came Back" sind die fünf Songs auf dem insgesamt 13 Tracks starken Album, die ihre Provenienz aus der Jetzt-Zeit am wenigsten verschleiern. Ob können oder wollen, lässt sich so genau nicht sagen. Fakt ist: Die Fusions-Pläne von modernem R’n’B mit traditionellem Adult Oriented Blue Eyed Soul, die dem gesamten Album als Fundament dienen, gehen bei ihnen am wenigsten auf. Über Maschinen-Synkopen und Plug-In Bässen klingt Caldwell einfach nur fehl und fahl am Platz. Die unerträgliche "Mercy"-Schmonzette mit dem mittlerweile nichts-sagenden Cee-Lo Green bildet dabei die geschmackstechnische Talsohle.

Hat man die durchschritten, darf man sich auf ein großartig groovendes und gekonnt herz-schmerzendes, kurz: cooles Rest-Album freuen. Angefangen bei der Mayer Hawthorne Koop "Game Over", auf der sich der DJ-Turned-Singer als würdiger Träger des Blue Eyed Soul Staffelstabes präsentiert. Über die "Breaking Up" und "Break Away" Duette, auf denen Caldwell mit 1980er Kollegin Deniece Williams und der zeitgenössischen R’n’B-Amazone Jessie Ware respektive um den Einzug in Gehörgang und Schlafzimmer wetteifert. Bis hin zu der Toto-Hommage "Miami Nights", auf der eben nicht nur "Africa" durchschimmert, sondern quasi eine ganze musikalische Ära. Ob man das nun Yacht Rock oder Toastbrot-Soul schimpft – Cool Uncle evozieren zwischen Ambrosia, Ned Doheny und Rupert Holmes so ziemlich alles, was sich auch auf dem "Too Slow To Disco" Sampler von Marcus Liesenfeld  alias DJ Supermarkt findet.

Dass genau das aber eine zumindest zeitweise zwiespältige Angelegenheit sein kann, exemplifiziert kein Song gekonnter als "Embrace The Night". Ohne Frage hätte diese überbordend emotionale und derart unangenehm auf die Tränendrüse drückende Nummer auch auf ein Michael Franks Album von 1978 gepasst. Und wäre darauf mit Sicherheit von den einzigen zwei anderen guten Songs derbe in den Schatten gestellt worden. Die Frage ist: Warum revitalisieren Caldwell und Splash dann diesen Loser? Dass sich diese Frage selbstredend auch den oben genannten, onkeligen Songs stellt, versteht sich von selbst. Und dass dabei am Ende keine Bestwertung mehr rauskommen kann, ja wohl auch...

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