Waidmanns-Seelen-Heil – „Jagd und Hund“ von Love A

LoveA_Juh_Presse_04

Was’n hier los? – Schrammel-Gitarren und deutschsprachige Texte jenseits von "Fickt das System"-Schlachtrufen und bonbonfarbener Gesellschaftskritik? - Ja, das geht. Und natürlich nicht erst seit gestern. Aber Messer, Die Nerven und Feine Sahne Fisch Filet haben Augen und Ohren für Brüder und Schwester im musikalischen Geiste geöffnet. Und zu denen gehören definitiv auch Love A, die mit ihrem inzwischen dritten Album "Jagd und Hund" zu den Szene-Seniors zählen.

Love A
Jagd und Hund
Rookie Records / Cargo Records
27. März 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Zwölf  Titel, allesamt diesseits der Vier-Minuten-Marke, und irgendwie immer zwischen tief-persönlicher Nabelschau und Einhornkotze über gesamtgesellschaftliche Missstände. Gottseidank nahezu komplett frei von Selbstmitleid, Larmoyanz und erigiertem Zeigefinger. Jörkk Mechenbier denkt eben, bevor er schreit. Und wenn er dabei klingt, als würde er "Hilfe" rufen, dann dürfte man in den meisten Fällen richtig gehört haben.

Was Love A auf "Jagd und Hund" thematisieren, das ist die große zweifelnde Unsicherheit. Unter der die mittlerweile nur noch vier Bandmitglieder selbstverständlich genauso ächzen wie alle, die auf Songs wie "Lose Your Illusion", "Toter Winkel", "100.000 Stühle leer" und "Augenringe" ihr Fett weg kriegen. Nicht, dass die Mitglieder von Love A keine starken Meinungen hätten. Aber sie sind weit davon entfernt, diese als alternativ-lose und einzig gültige Lösungen feilzubieten. Stattdessen kontern sie mit Komik. Und vereinen so zum Beispiel auf "Der Beste Club Der Welt" und "Modern" Häme, Spott und "Ich-weiß-es-doch-auch-nicht-besser". 

Klanglich setzen Love A auf ein übersichtliches, dafür aber wirkmächtiges Sound-Design: Kein Garagen-Charme, sondern amtlich produzierter Wohlklang. Karl Brausch trommelt gradaus wie ein Highway in Montana, während Stefan Weyer zwischen gefühlvollen Pizzicato-Geplucke, atmosphärischem Western-Twang und amtlichem Geschreddere changiert und Dominik Mercier sich freut, der wahrscheinlich agilste und wichtigste Bassist seit Matt Freeman zu sein. Das klingt gut, macht Spass und ist ein rundes Paket. Bei aller Affirmation jedoch keine zehn von zehn Punkte wert. Denn bisweilen klingt die Aufnahme so gut, dass man glatt übersehen könnte, dass sich mit "Stagnation", "Ein Gebet" oder "Regen Auf Rügen" eben auch mediokres Material auf "Jagd und Hund" findet: Die Songs zu ähnlich, die gesangliche Darbietung immer nach demselben Muster. Als wäre die freiwillige Beschränkung der Gestaltungsmittel hier eher Problem als Kreativitätszünder. Weil aber der Rest einigermaßen bedingungslos überzeugt, muss sich damit keiner aufhalten. Und kann stattdessen drüber grübeln, was, wenn schon nicht "Spießerhälse umdreh’n" denn sonst noch helfen könnte. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.