Walk A Mile In His Blues – „Claim“ von Jesper Munk

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München, Munk und - eigentlich müsste jetzt Gomma kommen. Aber nicht mit Jesper. Der Early-Twen sorgt dafür, dass auf "München" und "Munk" in der Assoziationskette "Blues" folgt. Erst recht mit seinem neuen, inzwischen zweiten Album "Claim".

Jesper Munk
Claim
Warner Music International
6. März 2015
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Jesper Munk, der singende Deutsch-Däne, vereint scheinbar Gegensätzliches. Die doppelte Staatsbürgerschaft gehört zwar nicht dazu. Aber bei dem Versuch den optischen Eindruck mit dem akustischen in Übereinstimmung zu bringen, müssen sich nicht nur die Vorurteile des Autors ganz schön strecken, um an die entsprechende Schublade zu gelangen: Ein schelmisch-blondes Buben-Antlitz, das von den Härten eines Lebens röhrt, das unmöglich sein eigenes sein kann; ein bayrischer Abiturient, der seine Vorliebe für Rockergeschmeide, Toursaufen und After-Hour-Jams eloquent zu begründen vermag; ein 22-jähriger Noch-Pubertierender, dessen Vater in der eigenen Live-Band Bass gespielt hat.

Soviel zum Geschenkpapier. Ist das einmal fort, entpuppt sich Munks zweites Album "Claim" nicht nur als logisch-konsequente und vor allem auch klangtechnisch erfolgreiche Weiterentwicklung des Erstlings "For In My Way It Lies". Sowohl beim Songwriting als auch bei der Interpretation des neuen Materials legte Munk noch mindestens zwei Schippen drauf; das Eindringliche "Soldiers of Words", die Semi-Ballade "Cold Waters" und das fast unverhältnismäßig beschwingte "Ya Don’t Have To Say Goodbye" belegen diese Entwicklung am besten; die Songs sind konzise, besser und direkter auf den Punkt. Munk traut sich mehr zu, dippt seine Stimmbänder auch in Genres, die augenscheinlich nichts mit Blues am Hut haben. Und kann so elegant verhindern, dass sich 14 Songs nach ein und demselben Blues-Schema gestrickt anhören. Sondern von jener Vielseitigkeit zeugen, die schon Cream, Graham Bond und John Mayall ausgezeichnet haben.

Dass "Claim" allerdings so klingt, wie "Claim" klingt, dürfte zu einem nicht unerheblichen Teil den an diesem Album beteiligten Produzenten geschuldet sein: Vom Münchener Blumentopf und Homie Sepalot, über den James Franco der musikalischen Indie-Szene Mocky, bis zur quietsch-lebendigen Blues-Legende Jon Spencer. Den Garagensound des Debüts pimpten sie so lange, bis sich luzide Vollmundigkeit und rohe Derbheit die Waage hielten. Und man einen Track wie "101 Proof" für den besten Song halten kann, den ZZ Top und die Arctic Monkeys nie schreiben werden.

Genau. Und dann war da noch das Randy Newman Cover. Die Beichte des amerikanischen Gesellschaftschronisten, die nicht nur Schuldbekenntnis, sondern auch Abrechnung ist. Munk interpretiert sie fast so nackt wie das Original, nur dass er die 88 Tasten durch sechs Saiten ersetzt. Bleibt die spannende Frage: Warum diese Nummer? Egal welche Leiche Munk als Antwort aus dem Keller zieht – dank "Claim" könnte er einfach auch sagen: "Darum".  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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