Wer die Zukunft bringt – „10 Futures“ von Aqualung

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Newcomer bzw. Nachwuchs-Künstler, die der Welt ein Begriff werden, weil und nur weil ihre Musik der Soundtrack einer Weltkonzern-Werbekampagne war? – Gibt es einige.  Anteil derjenigen, die sich nach einem Jethro Tull Album benannt haben? – Schon weniger. Anzahl derer, die auch zwölf Jahre später nicht an dieser ihrer Initiation zu Grunde gegangen sind und weiterhin großartigen Zeitgenossen-Pop entstehen lassen? – Da bleibt wohl nur Aqualung aka Matt Hales, der mit "10 Futures" sein inzwischen siebentes Album vorlegt.

Aqualung
10 Futures
Golden Section / BMG
21. Januar 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Obwohl ganze fünf Jahre seit der letzten Aqualung Album-Veröffentlichung "Magnetic North" vergangen sind, überrascht "10 Futures" mit unerwarteten Anknüpfungspunkten. Nie hatte Hales mit mehr musikalischen Gästen gearbeitet, als auf dem "10 Futures"-Vorgänger. Und ganz offensichtlich auch nie besser. Kein Wunder, dass sich der Anteil der Songs mit ausgezeichneter Beteiligung namhafter Kollaborateure nur noch vergrößert hat: Bei sieben von den zehn Songs auf "10 Futures" hat sich Hales aka Aqualung von Kollegen, darunter Lianne La Havas, Josef Salvat, Kina Grannis und Prides, unter die Arme greifen lassen.

Gerade weil ganze fünf Jahre seit der letzten Aqualung Album-Veröffentlichung "Magnetic North" vergangen sind, überrascht es kaum, dass sich die Ereignisse, Entwicklungen und Erfahrungen dieser Zeit auch klanglich manifestieren; dass sich "10 Futures" mit seinem elaborierten Sound-Design als das wohl reifste Album aus dem Hause Hales empfiehlt. Die Beck’sche, kindische DIY-Naivität, die so ziemlich alle vorangegangenen Veröffentlichung kennzeichnet, ist einem im positiven Sinne seriösen, vom Spielen um des Spielens Willen befreiten und ästhetisch zielgerichteten Spieltrieb gewichen. Die Balance zwischen analog-instrumentalem Muckertum und dem digitalen Baukästchen-Setzen ist zum ersten Mal auf einer Aqualung Veröffentlichung derartig ausgeglichen, dass an keiner Stelle der Eindruck entsteht, eines würde sich auf Kosten des jeweils anderen profilieren. Das Ergebnis ist ein ebenso aufregendes wie schnörkelloses Pop-Produkt mit biologisch abbaubaren Ohrwürmern ("Eggshells", "Be Beautiful", "New Low"), Schüttelfrost-Balladen ("To The Wonder") und cleveren Zitaten ("Tape 2 Tape").

Abgesehen von der für ein Album lächerlichen Spiellänge von gerade mal 37 Minuten, gibt es tatsächlich erstaunlich wenig, woraus man Aqualung bzw. Hales für "10 Futures" einen Strick drehen könnte. Das Artwork? – Schlimmer geht immer. Und ist wirklich wichtig, ob der Flügel grau-blau gestreift ist oder transparent? Dass Hales auf der zweiten Hälfte seines neuen Langspielers dazu neigt, sich dem dramatischen Impuls mehr hinzugeben, als möglicherweise notwendig – vielleicht. Wegen der großartigen ersten Hälfte allerdings, drücken wir ein Ohr zu und sagen: Ja, so ist Zucker nun einmal: Süß!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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