Schmalzlocke mit End-Pop – „When The Night“ von St. Lucia

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Internationalität, um nicht zu sagen Weltbürgertum, ist für St. Lucia aka Jean-Philip Grobler seit Kindesbeinen kein Thema. Und diese Art von Vereinte Nationen-Globalität hört man dem neuesten Werk des in Johannesburg gebürtigen Wahlbrooklyniten auch an. "When The Night" ist  musikalisch so bunt wie sein Cover.

St. Lucia
When The Night
Columbia / Sony
8. Oktober 2013
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Sind St. Lucia nun eine One-Man-Show mit Live-Begleitung oder doch eher so etwas wie ein Klangkollektiv? – So schwierig die Beantwortung dieser Frage scheint, so müßig ist sie auch. Egal, welche Freiheitsgrade Grobler seinen vier Adlaten zubilligt, das letzte Wort dürfte wohl er haben. Auf "When The Night" hat er sich offensichtlich für mehr Klangmoderne, opulentere Arrangements und ein voluminöseres Sounddesign ausgesprochen zu haben. Im Vergleich zum selbstbetitelten Minialbum aus dem Jahre 2012 jedenfalls, wirkt das aktuelle Machwerk wie ein Schritt mit Sieben-Meilen-Stiefeln. Und zwar in die richtige Richtung.

Aus die Maus für die muffeligen 1990-er Sounds, weg mit dem Euro-Dance-Geflirte und bloß die Finger von Down-Tempo-Beats lassen. Mit dickem Pinsel aber malen St. Lucia immer noch. Die gebrauchten Digital-Drums poltern wie zwischen "In The Air Tonight" und "Jack & Diane". Das Pop-Pathos ist auf M83-Level. Und dann sind da noch diese Gloria Estefan-esken Bläser ("Elevate"), von den Candy Dulfer Saxophon-Reminiszenzen ganz zu schweigen. Understatement im klanglichen Sinne, sucht man auf "When The Night" tatsächlich vergebens. Aber wer braucht das schon, wenn alles andere derart leichtfüßig auf’s Trommelfell wirkt wie die vorab veröffentlichte "September EP"?

Nun gehört nicht alles, was in den Gehörgang passt, dort auch rein. Was St. Lucia in ihren besten Momenten anders, wiedererkennbar und einzigartig macht? – Schwer zu sagen. Ihnen fehlt die ideologische Agenda von Austra, das discoide Moment ist viel weniger ausgeprägt als bei zum Beispiel Anoraak, und im Gegensatz zu Chvrches klingen sie einfach viel zu sehr nach "richtiger Band" – was auch immer das sein soll. Es ist, als hätten Jens Lekman und GusGus für ein One-Off-Projekt zusammengefunden. Und es funktioniert. Das ist die Hauptsache!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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