Wie nennt man das am Besten? – „Yellow Memories“ von Fatima

fatima press pic

Wie das ist, wenn einem die Worte fehlen – und zwar nicht, weil man über die Maßen überwältigt ist, sondern weil es einem schlicht am Vokabular mangelt, all die auseinander- und sich widerstrebenden Einflüsse begrifflich unter einen Hut zu kriegen? – Fatimas "Yellow Memories" ist ein ideales Versuchsobjekt.

Fatima
Yellow Memories
Eglo Records / Groove Attack
30. Mai 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Omar, Courtney Pine, Dee Dee Bridgwater, Soul II Soul und Jill Scott sind keineswegs ungünstig platzierte Klangkoordinaten, um Fatimas Sound-Kosmos einzugrenzen. Allein:  sie reichen noch lange nicht - ein Ferrari ist mit "Sportwagen, Zweisitzer und aus Italien" ebenso wenig hinreichend beschrieben. Aus Vermittlersicht doppelt und dreifach unangenehm gestaltet sich die Tatsache, dass Fatima und ihre Mitstreiter das musikalische Potpourri nicht nur mit genre-sprengenden Zutaten würzen, sondern darüber hinaus Akustisches und Elektronisches in einer sämigen Farce unteilbar miteinander verschmelzen lassen.

Fest steht aber auch: Die eierlegende Wollmilchsau ist nicht nur außerhalb der Musik ein Ding der Unmöglichkeit. Und so birgt das Mantra vom "Alles Muss Rein" immer auch die Gefahr, dass nichts halbwegs Wiedererkennbares dabei übrig bleibt und die Soße nach allem und nichts schmeckt, statt ein unverwechselbares Aroma zu entwickeln. So sehr Fatima sich auch müht – vollkommen frei ist "Yellow Memories" von genau diesen Gefahren/Risiken nicht. "Circle","Ridin Round Sky High", das nebulöse "Underwater" sowie die beiden Acapella-Interludes "Sun, Star, Solar" und "Rest In Peace" sprechen eine einigermaßen deutliche Sprache: Um Kompliziertes unkompliziert, aber eben nicht banal wirken lassen können, muss Einiges zusammenkommen. Und dann auch noch alles stimmen.

Gut, dass "Yellow Memories" auch noch Songs à la "Do Better", "Family" und "Talk" zu bieten hat. Bei ihnen zeigt sich Fatimas einzigartige Merkwürdigkeit von der charmantesten und auch zugänglichsten Seite. Weil das Beste aber fast immer zum Schluss kommt, durfte das Über-Stück des Albums vorher auch keine Erwähnung finden: "La Neta", mit seiner Schlaflied-Melodie, dem außergewöhnlichen Gitarre/Xylophon-Duo und erst recht dem ab einer Minute und zehn einsetzenden Stolper-Rhythmus gehört schon jetzt zu den eindrücklichsten Klangwerken 2014. Kann ich das auch mal von Kelis hören?

Foto: Sebastian Hallqvist  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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