Wir Brauchen Bass – Neues aus dem Reich der Tieftöne

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"Bass, Bass. Wir brauchen Bass" sang einst Das Bo auf seiner Hitsingle "Türlich, türlich" und es scheint, als wurde sein Ruf nach tieffrequentem Wellengang erhört. Der Bass regiert – im Dubstep, im zu Recht verhassten EDM amerikanischer Prägung und überhaupt ist er der ungekrönte König der Tanzfläche. Grund genug, sich mit zwei – durchaus gegensätzlichen – Variationen der Bassmusik zu beschäftigen, die dieser Tage in Albumform auf Entdeckung warten.


The Glitch Mob
Love Death Immortality

 

Glass Air / Alive
14. Februar 2014

 

Erhältlich bei:
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Einst als Running Gag zwischen in Los Angeles und San Francisco beheimateten DJs / Musikern formiert, haben sich The Glitch Mob im letzten Halbjahrzehnt zu einer festen Grösse  im weltweiten Bassgeschehen gemausert. Mit "Love Death Immortality" legte das Kollektiv im Februar seinen zweiten offiziellen Longplayer vor, mit dem es den rettenden Schirm aus Bass weiter aufspannt als jemals zuvor. Der massive Ohrwurm "I Need My Memory Back (feat. Aja Volkman)" ist dem geneigten Leser erst kürzlich auf JOINMUSIC begegnet und lieferte einen Vorgeschmack auf das, was nun als Album folgt.

Mit dem durchaus kritischen Text von "Our Demons" zeichnet Aja Volkman für einen weiteren Hit ähnlicher Prägung verantwortlich, während der "Skullclub" sich als ultimativer Hybrid aus treibendem ElectroHouse / NuRave, hymnischen ItaloSnippets, kitschigen Melodien und brutalstmöglich komprimierten Wobble-Basslines erweist, die jede Festivalcrowd binnen Sekunden in einen ekstatisch tobenden Mob verwandeln. Die Betonung liegt hier bewusst auf dem Terminus Festival, denn es gibt hierzulande keinen Club, der auch nur annähernd für diese Art von Exzess dimensioniert wäre. Dank ruhiger, ätherischer Passagen fast zartfühlend kommt dagegen das hymnischen "Becoming Harmonius (feat. Metal Mother)" daher, dessen heftiger Dubstep-Sound jedoch immer noch viele andere Produktionen weit in den Schatten stellt, während "Can't Kill Us" mit  seinen hart verzerrten Bässen und DesertRock-Athmosphären schon fast als präzise tödliches PowerMetal-Substitut auf elektronischer Basis gelten darf.

Mit "Skytoucher" liefern The Glitch Mob ein weiteres, überaus dick aufgetragenes Stadium Dubstep-Derivat mit einer an Trance erinnernde Melodieführung und pathetischem Schlussteil, um im direkten Anschluss unter dem Titel "Fly By Night Only (feat. Yaarrohs)" eine Blaupause für den 23rd Century PopSound abzuliefern, während das finale "Beauty Of The Unhidden Heart (feat. Sister Crayon)" überraschend noch einmal balladesk-zarte Klänge ertönen lässt. Abwechslungsreicher geht’s fast nicht. Dicke 8/10 Punkten

 


Downliners Sekt
Ailent Ascent

 

InFiné / rough trade
7. April 2014

 

Erhältlich bei:
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Einen anderen, wenn auch durchaus nicht weniger spannenden, Weg der Bassinterpretation  wählt das katalanische Duo Downliners Sekt auf seinem für den 7. April angekündigten Album "Silent Ascent",  dessen Titeltrack es schon jetzt als Teaser via Soundcloud auf die Ohren gibt. Schon seit mehr als einem halben Jahr angekündigt zeichnet das französische Label inFine für das Signing des aussergewöhnlichen und schwer fassbaren Produzentengespanns verantwortlich, das sich konsequent jeder Einordnung in ein spezifisches Genrekorsett zu entziehen weiss. Statt dessen verschmelzen Elemente von nebulösem PostStep im Burial'schen Sinne mit Future Garage, DubTechno, dezenten Ambient-Skizzen, verrauschtem DubTechno, skelettierten Echos von Dubstep und natürlich dem als BrokenTechno klassifizierten Stilgewerk, das in Teilen so unterschiedliche Produzenten wie James Ruskin und Deadbeat mit ihren Werken jenseits des geraden 4-2-the-Floor unter einem Dach vereint. Doch auch Freunde des vor allem von Shackleton und seinem inzwischen eingestellten Skull Disco-Label geprägten MythStep kommen ebenso auf ihre Kosten, wie die nach purem, alles umfliessendem Groove verlangende Crowd in den späten und allerspätesten Nachtstunden, in denen Aufregung nicht mehr geboten,  sondern das Schwimmen und sich Verlieren im Klangbad das wichtigste Gebot der Stunde ist: 9/10 Punkte.

Foto: Neil Krug

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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