Lecker Schmalz – „Wishes“ von Rhodes

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Nicht nur London liegt südlicher als Berlin. Auch das kleine Örtchen Baldock ist näher am Mittelmeer dran als Rave-Hausen. Ob das den mediterranen Hauch, der "Wishes" durchzieht, erklären hilft? – David Rhodes aka Rhodes lässt die Frage unbeantwortet und dafür seine Musik sprechen.

Rhodes
Wishes
B1 Recordings / Sony Music
18. September 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Und davon gibt es auf dem Debüt-Album des Südengländers aus dem Norden von London reichlich. Mit insgesamt 18 Titeln kommt "Wishes" auf eine Gesamtspielzeit von 72 Minuten! Da können sich andere gleich mal drei Scheiben abschneiden. Selbst dann, wenn die Kreativ-Quellen bei ihnen nicht so sprudeln wie bei dem jungen Singer/Songwriter. Denkbar ist natürlich auch, dass Rhodes angesichts der vergangenen anderthalb Jahre einem Inspirations-Sturm ausgesetzt war, von dem andere ein Leben bzw. eine Karriere lang träumen: Nach der Veröffentlichung seiner Debüt-EP tourte er bereits mit u.a. Rufus Wainwright, mit Hilfe des im Anschluss veröffentlichte Mini Albums "Morning" verkaufte er seine erste Tour unter eigenem Namen aus. London Grammar und Sam Smith bestanden auf ihn in ihrem Vorprogramm.

Statt sich von einem solchen Pensum einschüchtern zu lassen, nutze Rhodes das Momentum und stürzte sich ins Songwriting. Für "Let It All Go" suchte er sich Birdy als kreativen Sparringspartner und gemeinsam entstand wohl einer der Schlüsselsongs des Albums. Schlüsselsong nicht nur, weil er Rhodes' balladesken Songwriting-Ansatz, garniert mit spärlicher Percussion, verhalten verhallender Elektronik und reichlich Streicher-Einheiten beinahe vorbildlich repräsentiert, sondern auch, weil "Let It All Go" dem Sänger Rhodes so ziemlich alles abverlangt: Vom intimen Säuseln bis zum lautstarken und emotionalen Frontal-Angriff.   

Dabei ist das Klavier als Hauptinstrument ein essentielles Element. Auch bei Songs wie "Close Your Eyes", "Somebody" und "Your Soul" sowie dem Taylor Swift Cover "Blanc Space". Und das, obwohl gut die Hälfte der Songs eine gewisse Akustik-Klampfen-Lagerfeuer-Romantik nicht abschütteln können; darunter "Raise Your Love", "You & I" und der Titelsong "Wishes". Dass David auch ganz anders kann, belegt der vergleichsweise rhythmus-intensive Ausreißer "Turning Back Around". Selbstredend erweist sich auch der spätestens beim Refrain als lupenreiner Rhodes-Erguss: Melodiebögen vom Ausmaß der Ponte Vasco da Gama, dramatisch große Gesten und ein Tennisarm vom Schwingen des breiten Gefühls-Pinsels. Zwischen den Zeilen heißt das natürlich auch, dass es gerade dieser sich immer im roten Bereich befindliche Theatralik-Faktor ist, der (insbesondere) über die Länge von weit mehr als einer Stunde zu einem Ermüdungsbruch am Ohr führen kann. Dennoch: Beim Hören immer die Taschentücher in Reichweite haben.

Foto: Eliot Lee Hazel

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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