Wo Sonne ist, findet sich Schatten – Born Ruffians‘ „Birthmarks“

born ruff

Von Rechts wegen könnten sich die Born Ruffians auch Luke Lalonde-Band nennen. Der Frontmann ist nicht nur der Songwriter-Potentat der von ihm gegründeten Band – er fungiert unter anderem auch als ihr Sänger, Gitarrist und Pressesprecher. Jetzt hat der Kanadier mit dem Lennon/McCartney-Ansatz das dritte Album seiner Band eingespielt.


Born Ruffians
Birthmarks

Yep Roc / Cargo Records
12. April 2013

7 / 10

Erhältlich bei:
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Um es gleich vorwegzunehmen – die laut Promo-Beilagenbrief ach so wichtigen   Begleitumstände (Band-WG auf dem Land, Proben-Holzhacken-Schlafen-Tage, etc.) hört man "Birthmarks" kaum an. Ganz im Gegenteil: so pastoral die Aufnahme-Atmosphäre gewesen sein mag, so urban klingt das Ergebnis. Und das gilt ohne Einschränkung auch für "Needle", der ersten Single des Albums. Als kommunikatives Vorzeichen von "Birthmarks" kommt der Nummer dabei eine besonders repräsentative Rolle zu: sie soll Anknüpfungspunkte an das bisherige Werk bieten, aber auch eine Art Weiterentwicklung vermitteln. Was klingt, wie auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, gelingt Luke Lalonde außergewöhnlich leichtfüßig.

"Needle" ist so eckig, eigen und enigmatisch wie bislang nur die besten Beiträge zur Band-Diskographie ("I Need A Life", "Hedonistic Me") – einerseits. Andererseits macht der Song über die Nadel im Heuhaufen unmissverständlich deutlich, an welchen zwei Stellschrauben die geborenen Rüpel und ihr neuer Produzent Roger Leavens erfolgreich gedreht haben: Sound und Pop-Appeal. So gestaltet sich das Klanggeschehen viel weniger muffig und damit deutlich transparenter als auf den Vorgänger-Alben. Sowohl wegen der beinahe aseptischen Drum-Sounds ("With Her Shadow", "Rage Flows"), als auch des Einflusses moderner Elektronika ("Permanent Hesitation", "Too Soaked To Break") erweisen sich Vergleiche mit Yeasayer, Alt-J und dem neuesten Album der Cold War Kids als durchaus sinnfällig. Lalondes äußerst variables und distinktes Organ ist daran natürlich auch nicht ganz unschuldig, wie man bei "Dancing On The Edge Of Our Graves" gut nachhören kann.

Problematisch an "Birthmarks" sind aus Sicht des Autors nur die regelrechten Aussetzer: Das aufgesetzte Grinsen von "Ocean’s Deep", die unerträgliche Weinerlichkeit von "Cold Pop" und die Mehr-Gewollt-Als-Gekonnt-Große-Geste "Golden Promises". Es ist nicht zu erkennen, wem die Band damit eine Freude wird machen können. Dass sich auf einem Album Material von unterschiedlicher Qualität findet, ist das eine. Dass die Songs eines Albums in punkto Güte derart voneinander abfallen, das muß man demnächst anders machen – sonst reicht eine EP.  

   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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