Wonniges Wummern – „1977“ von Kölsch

kölsch

Ob die im Waschzettel angebotene Geschichte hinter dem für einen Dänen auch in einer globalisierten Welt recht ungewöhnlichen Namen Kölsch Non- oder ganz viel -Fiction, also eher Märchen oder Tatsachenbericht war, ist total schnuppe. "1977", der Titel des Kölsch Album-Debüts, meint schließlich auch nicht sein Geburtsjahr, sondern die Kredit-Karten-PIN.

Kölsch
1977
Kompakt / Rough Trade
21. Juni 2018
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Obwohl er selbst ein 1979er Jahrgang ist, machte Rune Reilly Kolsch schon seit guten 20 Jahren Musik. Projektnamen und Produktionspseudonyme hat er dabei verschlissen, wie Rafael Nadal Tennisschläger. Noch aufsehenerregender ist eigentlich nur, dass es ihm auf diese Weise gelungen ist, selbst von miteinander inkompatiblen Hörer-Gruppen als kredibel, authentisch und wahrhaftig wahrgenommen zu werden. Was Guetta, Avicii und der Swedish House Mafia scheinbar nie wichtig genug war, dürfte Kolsch ein wesentliches Anliegen sein. Dass er sich nach Hunderttausendfach-Verkäufen und Millionen-Klicks als global gefeierte Club- und Elektronik-Marke für ein Artist-Album auf Kompakt entscheidet, zeugt von seiner diesbezüglichen Unabhängigkeit.

Bei aller Basis-Haftung kann nicht darüber hinweggesehen werden, dass Kolsch kaum zu den Feingeister zu zählen ist – noch nicht einmal, wenn man dafür zwei Augen bzw, Ohren zudrückt. Verglichen mit dem Label-Kollegen wie DJ Koze, Robag Wruhme oder Michael Mayer stampfen Kolsch-Tracks geradezu grobschlächtig daher. Kein Wunder, dass "Opa", "Der Alte" und "Loreley", die als Einzelveröffentlichungen schon bis zu zwei Jahre vor dem Album erschienen sind, auf Speicher, der Hooligan-Kompakt-Schwester herauskamen.

Auf "1977" wummert, rummst und knallt es mächtig gewaltig und vor allem großraumdissentauglich. Trotzdem sind die erwartbaren Breaks, die kalkulierte Monotonie und das Synthie-Erlösungs-Versprechen vergleichsweise subtiler Natur. Da stört noch nicht einmal, dass "1977" kein Album im klassischen Sinn ist, also mit dem Konzept Album im Hinterkopf geschaffen wurde. Wahrscheinlich muss man Kölsch sogar dankbar dafür sein, dass es nicht unter seiner Würde gewesen zu sein scheint, veröffentlichte und unveröffentlichte Single kurzerhand zu einem Bundle aka Album zusammenzufassen. Mit Ergebnis: alles Knüller, keine Füller.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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