YES, HE KHAN – „1992 EP“ von Ben Khan

ben Khan

Ben Khan ist 21. Also Jahre alt. Aufgewachsen im Geburtsland der Popmusik, wird ihm kaum entgangen sein, welche Wirkung Dinge wie X Factor, Pop Idol und Personen vom Format eines Simon Cowell auf den Rest der Welt haben. Diesen Tatsachen wie zum Trotz, erscheint mit der "1992 EP" jetzt seine erste offizielle Veröffentlichung - ohne, dass Khan je an einer TV-Casting.Show teilgenommen hätte (oder doch?!). 

Ban Khan
1992 EP
Blessed Vice / Dirty Hity
5. Mai 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Warum die Musik-Retorten-Fabrik, mit der Khan so gar nichts am Hut hat, in der Einführung derart prominent Erwähnung findet? – Weil Ben Kahn der lebendige und vor allem derbe gut klingende Beweis dafür ist, dass ein telegenes Bennetton-Gesicht und entsprechend trainierte Stimmbänder eben nicht zwangsläufig zum Kotau vor so genannten Experten-Juroren führen muss, die lediglich nachplappern, was ihre Mental-, Image- und Food-Berater ihnen den lieben langen Tag ins Ohr flüstern. Im Gegenteil: Musiker wie Ben Kahn degradieren und disqualifizieren sämtliche Casting-Kandidaten zu stiefelleckenden Hupfdohlen und zeigen diese angeblichen Unterhaltungsformate als das, was sie wirklich sind: Casting-Couch-Shows.

Zurück zur Musik. Khans "1992 EP" könnte kaum ein typischeres Bedroom-Producer-Project sein. Von Haus aus vor allem Gitarrist, versieht er die vier Songs auf seinem Debüt samt und sonders mit mächtigen Mid-Tempo-Beats – Marke Big Dada zwischen 2002 und 2006 – als stabiles Fundament. Die Ästhetik des Holperns und Stolperns hat er sich dabei wohl von Dilla, Madlib und Co abgeschaut. Die fragmentarischen Klangschnipsel, die für sich genommen eher wie Geräusch-Collagen, denn musikalische Töne klingen, könnte man – wenn auch anders – von seinem Landsmann Jai Paul kennen. Allerdings verfügt Khan über die eindeutig besseren stimmlichen Fähigkeiten. Zwischen schlicht hoher Männerstimme und amtlichen Falsett hin- und her schwankend, ähnelt er dem Paul Carrack zu Mike & The Mechanics Zeiten doch ziemlich.

Obwohl "Eden" das Rennen um die EP-Meisterschaft klar für sich entscheiden kann – auch dem ersten unter Gleichen fehlt, was man gemeinhin als Wiedererkennungsfaktor bezeichnet: Ein Hook, der im Gedächtnis bleibt, eine Zeile, die einem in den Sinn kommt, wenn man gar nicht damit rechnet. Das gilt für die restlichen drei Songs übrigens auch. Khans Werke definieren sich vorrangig über diesen kopfnicker-mäßig ansteckenden Beat und die stark effektierten Gitarren-Licks – noch. Zum Mitsingen und Sich-Dran-Erinnern ist das nix - noch.     

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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