Yippie – „We Set Out In The Naked Dawn“ von Wolf in Loveland

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Frau Antje kocht jetzt auch Spezialitäten aus der Cajun-Küche. Und das scheint ganz allein am Rotterdamer Grad-Mal-Twen Jan Minnaard zu liegen. Dessen Band, Wolf In Loveland, hat mit "We Set Out In The Naked Dawn" gerade eines der Country-Pop-Rock Alben des Jahres vorgelegt.

Wolf In Loveland
We Set Out In The Naked Dawn
We Are Elevate / V2 BeNeLux
19. September 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

In einem früheren Leben muss Jan Minnaard Roadie erst bei Buffalo Springfield und später bei The Grateful Dead gewesen sein. Wie sonst sollte ein Jungspund aus der europäischen Hafenstadt Rotterdam jener DNA habhaft geworden sein, die sein musikalisches Schaffen seit nun mehr dreieinhalb Alben durchwirkt und auszeichnet? – Niederländische Wurzeln jedenfalls lassen sich auf "We Set Out In The Naked Dawn" nirgendwo ausmachen. Dazu ist die Aneignung dieses holländischen Genre-Imports einfach zu perfekt.

Und das gilt keineswegs nur für die großartig gelungenen Kompositionen, allen voran "La Brugère", "Killer Whales of Eden", "Year Of The Wolf" und natürlich "The Devil Has No Home". Ganz im Sinne der Tradition, reimt Minnaard nicht einfach nur die Enden diverser Textzeilen so, dass es schon irgendwie passt. Jeder der insgesamt ein Dutzend Songs erzählt eine in sich geschlossene (Kurz-)Geschichte. Sie handeln von Liebe, Arbeit, Träumen, die nie wahr werden und von Fahrerflucht. Kurz: Vom Alltag jener Dinge, mit denen auch wir etwas anfangen können, ob emotional oder anders-weltlich. Und selbst für die Fälle, in denen sich die Nachvollziehbarkeit in Grenzen hält (glatzköpfige Adler oder Killer-Wale im Garten Eden), machen es einem Minnaard und seine beiden großartigen Mitsängerinnen Merel Moelker und Janine mit ihren noch großartigeren Mehrstimmen-Arrangements (CSNY, The Roches und The Elected – ick hör Euch trapsen) verdammt einfach. Welch Wunder: die Töne machen auch hier die Musik.

Angesichts der leichtfüßigen Selbstverständlichkeit, mit der in Rotterdam musiziert wird, als wäre es ein Fettauge im Speckgürtel Nashvilles, bleibt eigentlich nur die Frage, warum Ähnliches nicht auch schon aus Rostock, Wismar, Kiel, Hamburg und Bremen zu vernehmen war – Wasser, Werften und Wahnsinn gibt es auch dort. Wer weiß – vielleicht fängt der wilde Westen doch erst hinter Maschen an. Und ob nun mit oder ohne NSA – dank Wolf in Loveland gehört Rotterdam inzwischen zum amerikanischen Herzland. Und Frau Antje lernt jetzt auch Square-Dance.  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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