(Zu) Vielschichtig – „Tiny Rewards“ von Admiral Fallow

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Die Rezensentin muss zugeben, dass das schottische Quintett und die ersten beiden Alben heimlich an ihr vorbeigezogen sind und "Tiny Rewards" somit die erste musikalische Begegnung mit Admiral Fallow ist. Der Einstieg mit dem Albumopener "As easy as breathing" ist überzeugend, das Interesse an der Band geweckt und das gemütliche Anhören eines modernen Alternative-Folk-Albums kann beginnen.

Admiral Fallow
Tiny Rewards
Nettwerk / Soulfood Music Distribution
07. August 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | Amazon | iTunes

Dachte sie sich und wurde eines Besseren belehrt, denn so ganz warm konnte sie mit "Tiny Rewards" nicht werden; entsprechend wenig gemütlich war das Zuhören. Dabei haben die zwölf Tracks viel zu bieten. Nur ist bekanntlich weniger manchmal mehr. Laut Biografie gab es viele Veränderung und viele Erlebnisse, die die Band prägten, viel also, über das musiziert werden konnte. So verwundert diese Vielfältigkeit an sich nicht. Geschaffen wurde das Album überwiegend auf Keyboards und die sonst für die Band wohl so typischen akustischen Instrumente eher in den Hintergrund gestellt. Anders als sonst begann das Album als instrumentales Werk der gesamten Band und nicht wie sonst, mit der Arbeit an den Songs, die Frontmann und Texter Louis Abbout bereits geschrieben hatte. Klingt ja erst einmal nicht verkehrt, aber womöglich kamen am Ende dann doch zu viele Ideen zusammen. Und das leider nicht nur bei den zwölf Songs im Allgemeinen, sondern leider bei fast jedem Song im Einzelnen. Ein Leitmotiv war nicht geplant, aber wenn es eins gäbe, dann wäre es, so der Beipackzettel, der Meilenstein, dreißig zu werden, Bilanz zu ziehen darüber, was die Band bereits erreicht hat, und das Wundern darüber, was die Zukunft für sie bereithält. Ja, das sind mal Themen, die es so meistens nicht in die Musik schaffen. Wer weiß, warum.

 

Dennoch: wer Lust auf reichhaltige Texturen und verschiedenste Melodien im Synthie-Pop-Folk-Genre hat, vielleicht grade den 30. Geburtstag feiert und das jetzt-so-richtig-erwachsen-werden fröhlich begrüßt, der wird dem Album auf alle Fälle etwas abgewinnen können. Der Albumopener "Easy as Breathing" ist mit seiner Folk-Orientierung, dem Rhythmus, der fast orchestralen Klangfülle und dem Aufbau sofort überzeugend. Laut Louis Abbot geht es in dem Song um Begierde, oder "die Betrachtung von attraktiven Menschen". Ja, ein bisschen kann man das hören und das dürfte doch verlockend sein. "Evangeline", die offizielle Single, schließt etwas ruhiger an, vielleicht auch der Thematik wegen, geht es in dem Song doch darum, wie es wohl sein könnte, eines Tages selbst Kinder zu haben und dass das Elternsein auch ganz schön aufregend und angsteinflößend sein kann. Wie schön, dass hier der Gesang von Abbott mit dem seiner Bandkollegin Sarah Hayes gut miteinander harmonisiert, ganz so, als würden sie ein ausgeglichenes Elternpaar darstellen. Ansonsten tut sich die Rezensentin mit dem gemeinsamen Gesang leider etwas schwer. Vielleicht hätte sich Hayes einfach etwas öfter nur auf ihre Instrumente konzentrieren können. Diese spielt sie bei Weitem nicht schlecht und das sollte doch musikalisches Können zur Genüge beweisen. Wie auch immer. Eine interessante Thematik bietet auch der Song "Good Luck", der von dem schlechten Zustand handelt, in der die Welt für die nächste Generation hinterlassen wird. Entsprechend wirkt der Song treibend, fast ein wenig dramatisch und die Synthesizer sorgen für den passenden Future-Sound. Schön daher kommen auch "Building as Foreign" mit einem entspannten Einstieg, viel Percussion-Sound und wenigen Soundverstrickungen – zumindest und immerhin bis kurz vor Schluss – und "Salt". Das ungewöhnlich beruhigende Stück wirkt wie ein Interlude und dürfte ein wenig an Sufjan Stevens erinnern. Und auch die beiden letzten Stücke "Carousel" und die musikalischen Wendungen und "Seeds", das wie ein musikalisches Theaterstück klingt, überzeugen.

Und somit stellt die Rezensentin fest: geht doch. Alles in allem kann man sich das Album auf jeden Fall anhören, vielleicht braucht es einfach nur ein wenig Eingewöhnungszeit. So ist es mit dem Altern ja schließlich auch. Es besteht also Hoffnung für "Tiny Rewards" und für alle die, die stramm auf die 30 zugehen.

Wer sich live einen Eindruck von der Band verschaffen möchte, der hat in nächster Zeit die Gelegenheit:

16.09.15 D-Berlin @ Magnet
17.09.15 D-Hamburg @ Molotow
21.09.15 D-Köln @ YUCA
22.09.15 D-München @ Kranhalle
23.09.15 CH-Zürich @ Eldorado

Foto: Euan Robertson

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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