Zuckerbrot und Peitsche – „Art Official Age“ von Prince

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"Was soll ich Euch noch erzählen, was Ihr nicht selber wisst?" – Als hätte Dendemann geahnt, dass Ihre Majestät, Prince Roger Nelson, seinem Spätwerk ein Noch-Späteres nach dem anderen würde folgen lassen. Der Meister aus Minneapolis hat es mal wieder getan: "Art Official Age" ist draußen.

Prince
Art Official Age
Warner Bros. Records
26. September 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Der King of Pop streunert nun schon seit ein paar Jahren durch die ewigen Jagdgründe, die Thronfolge aber bleibt ein heikles Thema. Und Prince weiß es einfach besser. Er will nicht Kalif anstelle des Kalifen werden - Gaddafi war auch immer "nur" Oberst. Mister Nelsons Dasein als Gratwanderer zwischen hintergründigem Strippenziehertum und vordergründigem Entertainment-Weltstar kommt das sowieso zupass. Von den Big 5 des Pop-Jahrhunderts war Prince schon immer der größte Geheimniskrämer. Der von allen anderen denkbaren Entwicklungen Unabhängigste aber auch. Was ihn im Umkehrschluss mit einer Narrenfreiheit ausstattet, die eine – sagen wir - Madonna schlichtweg überfordern würden.

Weswegen auch niemanden wirklich verwundert, dass "Art Official Age" lediglich eine Hälfte des aktuellen Nelson’schen Machwerks darstellt. Die andere, das "Plectrumelectrum" Album dreier seiner fähigsten weiblichen Protegés, die der Musik-Magier 3rd Eye Girl getauft hat, erscheint zeitgleich mit dem Longplayer unter eigenem Namen. Selbstverständlich auf dem Major-Label Warner, von dem sich die wandelnden anderthalb Meter vor knapp 20 Jahren unter riesigem öffentlichen Furor losgesagt hatte. Der mit Abstand wohl musikalischste aller Pop-Superstars seit Jimi Hendrix darf das.

Apropos: Dass der 1958 geborene Ausnahmekünstler stetig in Richtung 60 marschiert, hört man "Art Official Age" nicht an. Dass es ein Prince-Album ist, und zwar sein 33., schon. Es ist ein Muster, das Prince-Platten seit dem Debüt aus dem Jahr 1978 kennzeichnet und das heißt Zuckerbrot und Peitsche. Songs, die sich schon beim ersten Hördurchgang als unangreifbare Hits zu erkennen geben ("Clouds" & "Breakfast Can Wait") stehen dort auf einer Linie mit Kompositionen, die selbst nach drei Jahren als Guantanamo-Soundtrack keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen ("The Gold Standard" & "Way Back Home"). Die Polarisierung ist mitnichten das Einzige, was die Echtheit von "Art Official Age" als ein Prince Roger Nelson Klangprodukt beweist: Noch der süßstoffigste Pop-Balladen-Kitsch ("This Could Be Us" & "Time") legt größten Wert auf amtlichen Groove; wer Bass spielen kann, hat bei Prince praktisch schon gewonnen; das Falsett gurrt noch immer wie das eines Balz-Weltmeisters; und dabei ist wie auch schon immer egal, ob der Text von phänomenalem Beischlaf oder zivilisatorischen Fehlentwicklungen handelt.

Alles in allem: Ein echter Prince. Aber eben auch nicht mehr. Soundtechnisch mag sich der Herr ein ums andere von den britischen Bass-Matadoren der Neuzeit abgeschaut haben. Den charakteristischen Nachhall der 1980er/1990er Jahre, mithin der Zeit seiner größten und maßgeblichsten Erfolge, wird er in diesem Leben nicht mehr los. Die New Power Generation ist seine Generation. Und jede hat ja bekanntlich its own disease. Prince Roger kann das egal sein. Ist's eh. Wir schließen mit Wowereit: "Und das ist auch gut so!".

Foto: WMG

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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