Zuckerguss & Schierlingsbecher – „Pray For Rain“ von Pure Bathing Culture

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Ist das überhaupt denkbar: "Apocalypse Now" mit der "Königin Der Nacht" aus Mozarts Zauberflöte statt dem Walkürenritt Wagners? – Schwerlich. Die Faust aufs Auge geht anders. Auf dem aktuellen Pure Bathing Culture Album "Pray For Rain" funktioniert die Gegenüberstellung von existentialistischen Texten und Silver Lining Pop allerdings ziemlich gut.

Pure Bathing Culture
Pray For Rain
Partisan Records / Memphis Industries / Indigo
23. Oktober 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | Partisan Records Shop

Für Sarah Versprille und Daniel Hindman ist "Pray For Rain" bereits das zweite Album als Pure Bathing Culture. Das Duo, das parallel auch Teil der Band Vetiver ist, hat in den zwei Jahren, die seit der Veröffentlichung ihres Debüts "Moon Tides" vergangen sind, nicht nur neue Songs komponiert, sondern auch an der ein- oder anderen Klangstellschraube gedreht. Der leicht hemdsärmelige DIY-Charme des "Pray For Rain"-Vorgängers ist immer noch gut hörbar: Manches klingt nach wie vor absichtsvoll unausgewogen, un-balanciert. Und doch wurde das allgemeine Sounddesign einer gewissen Raffination unterzogen.

Abgesehen davon, dass die unwiderstehliche Melodiesoße sich jetzt noch sehr viel schneller und wendiger durch den Hörkanal ergießt, wie man zum Beispiel auf "Tower" gut nachhören kann, vergrößert sich dank der Sound-Optimierung auch die Kluft zwischen den hocheingängigen Instrumental-Anlagen der Songs einer- und den alles andere als nur gut gelaunten Texten andererseits. Nicht, dass Sarah Versprille ein außergewöhnlich morbider Mensch wäre.  Aber es ist auffällig, dass Pure Bathing Culture die an Summer Heart und Washed Out erinnernde Pastelligkeit ihrer relaxten Sommer-Sounds mit Texten kreuzen, die sich an Themen wie Kommunikationsabbruch ("The Tower"), Selbstzweifeln ("The Singer") und Identifikationsproblemen ("Palest Pearl") abarbeiten.

Das manchmal ätherische Timbre Versprilles kann genauso wenig darüber hinwegtäuschen, dass das, worüber sie singt, am Ende ziemlich ernste Angelegenheiten sind. Stimmlich irgendwo zwischen Tracy Thorn, Lauren Mayberry und Susanna Hoffs pendelnd, trägt ihre schnörkellose Gesangs-Performance Wesentliches zu dem nur scheinbar unbeschwerten Balearic-Pop bei. Und ein ums andere Mal wird es dem Autoren dann deswegen auch zu bunt: Selbst wenn Versprille bei "Darling, Save Us" und "I Trace Your Symbol" Kannibalen-Rezepte rezitieren würde – im Ohr hängen bliebe nur: "Och – eigentlich doch ganz schön". Ein paar Liter weniger Zuckersaft dürften beim nächsten Streich dann schon sein....

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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