An Tagen wie diesen – Vom 15. – 17. Juni ist “Tag der Musik”

Juni 13, 2012

In aller Regel haben Tage 24 Stunden. Nicht so der Tag der Musik. 2009 begehrte er erstmals erfolgreich auf und dauert seither sage und schreibe 72 Stunden. Da Tage wie diese kalendarisch nicht berücksichtigt werden können, haben sich die Veranstalter darauf geeinigt, den Tag der Musik offiziell vom 15. – 17 Juni stattfinden zu lassen – dem 72-stündigen Tag der Musik soll’s recht sein. Er wird jede Minute davon für seine Sache zu nutzen wissen und der Musik – jeder Art von Musik – ein Podium geben.

Was denn für ein Podium, Musik ist doch schon überall und zu jeder Unzeit zu hören? – Obwohl auch nicht unrichtig, geht dieser Einwand auf den Tag der Musik bezogen am Ziel vorbei. Dass Musik inzwischen eine Omnipräsenz erreicht hat, der man seltener als es einem lieb ist, tatsächlich entkommt und noch der letzte Bauchladenverkäufer mit einem Satz Mini-Subwoofer ausgerüstet scheint – vollkommen richtig. Dass es aber gerade dieses Überangebot ist, welches in Vergessenheit geraten lässt, zumindest aber in den Hintergrund rückt, was der eigentliche Sinn und Zweck der Musik-Übung sein soll, wird dabei (nicht gern, aber) oft übersehen: Musik ist zu allererst Auslöser von und Ventil für Emotionen.

Und genau darum geht es beim Tag der Musik – nicht um Stars, Sternchen, Chart-Positionen und Formationstanz-Choreographien. Sondern darum, wie und dass Musik auf jeden einzelnen wirkt. Ob als Musiker oder Hörer, als Experte oder Laie. Folgerichtig ist der über allem liegende Gedanke auch ein olympischer: Um Musik erleben zu können, kommt es vor allem darauf an, dabei zu sein, mitzumachen, teilzunehmen. Gelegenheiten dazu gibt es reichlich. Auf Bundesebene erdacht vom Deutschen Musikrat, wird er seit 2009 föderal umgesetzt.

Und obwohl sich sämtliche Aktionen anlässlich dieses Ereignisses über die gesamte Republik verteilen, konzentriert sich der Löwenanteil in Hamburg: Ein Viertel aller unter dem Motto stehenden Events steigt in der Hansestadt. Allein in Hamburg werden 5.000 Musiker bei rund 300 Veranstaltungen aufspielen. Kein Genre wird ausgelassen, keine noch so zunächst abwegig erscheinende Location bleibt außen vor. Schließlich gilt die Präsentation von Musik an ungewöhnlichen Orten als wesentlich für das Konzept. Robin Kuchar, verantwortlich für den Tag der Musik Hamburg, fasst zusammen:

"Am Tag der Musik geht es vor allem darum, für möglichst viele Menschen offen zugängliche und unmittelbare Musikerlebnisse zu schaffen und sie mit den positiven Emotionen der Musik zu begeistern. Auf mehr und weniger konventionelle Art wird Livemusik erlebbar gemacht. Für alle Hamburgerinnen und Hamburger ist der Tag der Musik die einmalige Chance zu sehen, was in Ihrer Stadt neben Elbphilharmonie und König der Löwen noch so alles an Musik los ist."

So nehmen dann auch Konzerte in den Schalterhallen des Förderers Hamburger Sparkasse, inmitten des Hamburger Hauptbahnhofes oder ein kleines, aber lautes Stelldichein an einer Bushaltestelle des Vertrauens nicht Wunder. Das "abgefahrene" Konzerterlebnis ist allerdings kein Selbstzweck. Vielmehr sollen die ungewohnten Bühnensituationen helfen, das Besondere an und in der Musik herauszustellen und öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

Keine Frage, dass das auch bei der Hauptveranstaltung rund um die Hamburger Fischauktionshalle am 16. Juni gelingen wird. Zu den absoluten Höhepunkten dieses Highlights gehört der Auftritt des Hamburger Duos Clarence & Napoleon. Mit heftiger Spannung wird erwartet, wie sich die nächste große Hoffnung am deutschsprachigen Elektro-Pop-Himmel live präsentiert. Dass das Duo beim Hamburger Indie-Label ferryhouse productions unter Vertrag ist, macht die ganze Sache nicht nur vollständig rund, sondern spielt einem für die Programmplanung wesentlichen Punkt gekonnt in die Arme. Für die Musiker geht es nämlich am Tag der Musik auch um Vernetzung, um Kontakte zu Kollegen, Veranstaltern und anderen Musik-Insidern. Das gut organisierte musikalische Durch-, Neben- und Miteinander hilft den Aktiven, Scheuklappen abzulegen, und mit wortwörtlich offenen Ohren zu hören, wer und was sich in der Stadt sonst noch tut.

Das wird der Schirmherr der Hamburger Ausgabe des Tag der Musik, der amtierende Bürgermeister der freien und Hansestadt Olaf Scholz, vermutlich nicht anders halten. In seinem Grußwort zur Veranstaltung hebt er einen Aspekt hervor, den man nicht nur im Rahmen des Tag der Musik, keinesfalls überschätzen kann: Der musikalische Nachwuchs. Von den ganz individuellen Vorteilen, die musikbezogene Aktivitäten für jeden einzelnen bringen können, einmal abgesehen, sind die Kinder von heute das Publikum von morgen. Dazu beizutragen, dieses Publikum so begeisterungsfähig wie nur irgendmöglich werden zu lassen, daran haben mitnichten nur die Hamburger Bühnen ein hehres Interesse. Am Tag der Musik wird sich zeigen, wie effektiv dieses Ansinnen in die Tat umgesetzt werden kann. Wir halten es mit Edgar Selge, dem Banker aus Dietls "Rossini": "Ich hab’ ein gutes Gefühl".

Alle bundesweiten Programmpunkte auf einen Blick gibt es hier: http://www.tag-der-musik.de/
Die Übersicht über alle Hamburger Veranstaltungen findet man hier: http://tagdermusik-hamburg.de/

Posted by: Thomas
Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -
nach oben
x