„Ein riesiger Knall wird passieren!“ – Frittenbude im Interview

Frittenbude_ Paul Aidan Perry

Am kommenden Freitag erscheint das neue Album „Küken des Orion“ von Frittenbude. Es ist das mittlerweile vierte Album des Trios. Wir trafen Johannes, Jakob und Martin zum Interview. Es ging um das neue Album, um die Tour, ums Skaten und unumgänglich auch um Bier. 

JOINMUSIC: Ihr steht jetzt kurz vor der Veröffentlichung Eures vierten Albums „Küken des Orion“.  
Wie aufgeregt seid ihr so kurz vor der Album-VÖ? Sitzt ihr dann Freitag alle zusammen und wartet auf das Feedback der Fans? Sitzt Ihr vor Facebook? Oder wie läuft das bei Euch so ab?

Jakob: Ich glaube es wird niemals aufhören, dass man auch ein wenig nervös ist, wenn das Album dann endlich rauskommt. Vor Facebook werden wir nicht sitzen, wir sind ja dann auf Tour. Da glaube ich grade in Österreich auf dem Frequency.

Johannes: Wir werden das auf jeden Fall gebührend feiern. Es sind schon Leute eingeladen, die in der Nähe leben, Freunde und Bekannte von uns. Und auch andere Bands, die wir kennen, die an dem Tag auf dem Frequency spielen. Die werden auf jeden Fall das eine oder andere Gläschen erheben.

JOINMUSIC: Also so eine kleine Release-Party macht Ihr dann schon intern?

Johannes: Ja, auf jeden Fall.

JOINMUSIC: An dem Album habt Ihr jetzt rund zwei Jahre gearbeitet, richtig? Wie sah die Zeit so aus? Wie oft ward Ihr im Studio und wie sind die Songs überhaupt entstanden?

Jakob: Wir haben uns ein Studio in Berlin gebaut. Immer noch der gute, alte Orang Utan. Anfangs war das dann mehr so blockweise, dass wir da waren. Und zum Schluss waren wir dann auch echt regelmäßig drin ums auch fertig zu kriegen. Und dort haben wir die Songs dann zusammen entstehen lassen. Und da hat jeder Mal Ideen von außen mit reingebracht, aber es war immer ein gemeinsamer Prozess und wir alle zusammen.

JOINMUSIC: Und wie einigt Ihr Euch da so? Seid Ihr Euch immer einig?

Johannes: Ne, einig sind wir uns bestimmt nicht immer. Aber wir sind dann da kommunistisch unterwegs: wenn einer dagegen ist, dann können wir das nicht machen. Aber es gibt manchmal dann schon echt lange, lange Diskussionen und dann sieht man manchmal Dinge ein, oder der andere sieht Dinge ein oder man sagt auch manchmal „Scheiß drauf, dann machen wir das jetzt halt so!“
Jakob: Kuhhandel eben.

JOINMUSIC: Aber am Ende werdet Ihr Euch immer irgendwie einig?

Johannes: Ja, aber wir sprechen dann nicht mehr miteinander.

JOINMUSIC: Ihr habt in letzter Zeit ja schon einige Festivals gespielt und z.B. auf dem Hurricane dann auch schon neues Material. Wie kamen die Songs Eurer Meinung nach an? Und wie aufgeregt ist man, wenn man die Songs zum ersten Mal live präsentiert?

Jakob: Wir haben vorm Hurricane fast zwei Jahre lang kein großes Konzert gespielt. Also kein Riesenfestival oder so. Und dann hat eigentlich dieser Moment, dass wir vor so einer rieseigen Menge spielen werden alles überschattet. Dass wir dann auch noch neue Songs spielen werden, stand dann eher hinten an. Und dann war das in dem Moment eher so: „Ach, jetzt kommt ja ein neuer Song!“. Und das lustige war, wir haben zwei neue Songs gespielt und der eine kam bei der Partymeute vorne besser an und der andere eher hinten, da, wo dann eher so die ruhigeren Gemüter stehen.

JOINMUSIC: Das werdet Ihr sicherlich ziemlich häufig gefragt, aber was hat es mit Eurem Faible für Tiere auf sich? 

Jakob: Die schmecken lecker.

JOINMUSIC: Gut, hätten wir das.

Jakob: Ne, das verraten wir nicht. Das bleibt ein Mysterium.
Martin: Gut, wir können sagen, dass wir alle nebenbei Tierforscher sind.
Johannes und Jakob: Jetzt hast Du aber eigentlich schon zu viel verraten.
Johannes: Also wir publizieren auch Bücher und Texte zu dem Thema.

JOINMUSIC: Und das Alpaka da auf dem Cover… ? Das ist doch ein Alpaka, oder?

Jakob: Ja, Alpaka, das erkennt man an den kurzen spitzen Ohren. Und an der schönen Wolle.
Johannes: Wir haben auch eine echt große Entdeckung gemacht. Ein altes Alpaka sieht nämlich aus wie ein Babylama.
Jakob: Mit Schnurrbart.
Johannes: Also wenn man die nebeneinander stellt, dann gibt es keinen sonderlich großen Unterschied. Höchstens die Größe.

JOINMUSIC: Habt Ihr das Alpaka denn kennenlernen dürfen?

Jakob: Ja, na klar, wir haben die Fotos auch selber gemacht. Und das ist Annie.
Johannes: Das ist das älteste Alpaka auf dem Nieplitz-Hof bei Berlin. Und sie ist auch glaube ich so ein bisschen das Maskottchen von dem Hof. Weil sie irgendwie so anders ist.

JOINMUSIC: Und was heißt alt? Wie alt werden so Alpakas denn?

Johannes: 85.
Jakob: In Alpaka-Jahren. Also ich glaube so zwischen 15 und 20 Jahren. Also wenn ich mich recht erinnere, was der Bauer gesagt hat. Aber vielleicht liege ich auch komplett daneben und es sind 300 Jahre.

JOINMUSIC: Und Ihr habt Euch gut verstanden mit Annie?

Johannes: Ja, aber Annie ist schon so ein bisschen reserviert. Neppie auf diesem Hof, der ist mit der Flasche aufgezogen worden und sieht sich selbst auch glaube ich mehr als Mensch. Mit dem kann man auch schmusen. Und Selfies machen.
Jakob: Aber an sich sind Alpakas echt sehr ruhige und empfindliche Tiere, die ein echt gutes Gespür haben für den Moment so. Es war somit auch echt schwer, dieses Foto zu schießen. Und wenn man dann gestresst oder unruhig ist, dann rennen die auch weg.

JOINMUSIC: Aber am Ende hat’s ja geklappt und Ihr habt Euch ja dann auch entschieden, dass Annie auf das Skateboard-Deck kommt. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen? Seid Ihr selber Skater? 

Johannes: Das ist ja noch die alte Tradition. Wir haben bei „Delfinarium“ damit begonnen, unsere Albumcover auch als Skateboard herauszubringen. Und somit war das eigentlich von Vornerein klar, dass Annie dort auch drauf kommt. Wir haben jetzt auch unser erstes Sponsoring. Also wir haben einen Skater, der von uns gesponsert wird. André Wittmann heißt der, kommt aus Lübeck.
Jakob: Wir waren natürlich früher auch alle Skater. Der eine besser, der andere schlechter. Ich war eher ein schlechterer, Martin ist ziemlich gut gefahren.
Johannes: Das Ding bei Skatern ist: man war entweder nie Skater oder man ist Skater.

JOINMUSIC: Also seid Ihr noch Skater?

Johannes: So schlecht mittlerweile. Ich bin letztes Wochenende erst gefahren. Und ich konnte grade mal noch drei Tricks.
Jakob: Ne, dann war ich nie Skater. Ich habe dann irgendwann mit Musik angefangen, weil das nicht so wehtut, wenn man hinfällt.
Martin: Aber wenn man in so einem kleinen Kaff aufwächst, dann ist das auf jeden Fall, ein gutes Ventil und auch ein gutes Mittel, um sich abzugrenzen von der ländlichen Feuerwehr- und Dorfjugend. Und das war auf jeden Fall sehr wichtig so für mich.
Johannes: Und man hat auch immer gleich noch eine kleine Waffe dabei.

JOINMUSIC: Ich finde den Song „Michael Jackson hatte Recht“ zum Albumfinale super. Dann will man natürlich wissen, ob’s irgendeine Story rund um den Song gibt. Gibt’s die?

Johannes: Das ist immer… hmm… gibt’s eine? Lass mich kurz überlegen. Martin hat mir den Beat vorgespielt quasi. Wir waren zu zweit im Studio und waren grade aus dem Urlaub zurück, wenn ich mich nicht täusche. Und Martin hat ein paar Beats vorgespielt und da war der eben auch dabei und Martin hat ja nebenbei noch eine andere Band, pandoras.box, und ich dachte halt, das wäre eine Beat, den er für pandoras.box gemacht hat. Und dann war ich schon so ein bisschen traurig. Und ich so vorsichtig: „Was ist mit dem Beat hier?“ Und er so:“ Gefällt er dir?“ Und ich: „Ja, der ist echt super!“ Und er meinte, er dachte, der würde mir gar nicht gefallen, und hat ihn einfach so vorgespielt. Ja, und dann hat das doch gleich gefunzt. Wir haben dann auch direkt den Text dazu geschrieben und aufgenommen.
Martin: Ich habe in der Zeit auf jeden Fall sehr viel Psychedelic-Rock gehört. Und die Musik ist auf jeden Fall davon inspiriert. Und, hast Du den Kinderchor auch rausgehört? Den haben wir in Berlin aufgenommen mit den Löwenkindern, ein integrativer Kinderchor. Und das war echt eine schöne Erfahrung. Naja, und Wir Sind Helden wird zitiert und es ist eine Zither drin. Also, da steckt schon ganz viel drin. Aber ist doch am Ende ein schlüssiger, runder Song. Und schließt das Album halt echt gut ab.
Johannes: Das war auch echt von Anfang an so. Als wir den Song hatten, wussten wir, das wird der letzte Song des Albums. Man hätte den natürlich auch weiter vorne platzieren können, weil dann wird er schneller gehört und findet auch schnell Gehör… Aber, das war auch so wie damals mit „Bilder mit Katze“, den haben wir auch bewusst ans Ende vom Album gepackt. Damit man damit halt abschließt und die Leute nochmal mit so einer Welle überrollt.
Martin: Beim Albumprozess gibt es immer so Songs, an denen man wirklich lange arbeitet bis die dann wirklich gut werden. Aber manchmal spürt man halt gleich die Magie und dann ist gleich klar, wo die Reise hinführt.
Johannes: Wobei der Kinderchor ja ganz, ganz lange nur die Idee in unserem Kopf war: Da muss dieser Kinderchor hin.
Martin: Und dann war das echt einer der letzten Aufnahmetakes vom Album. Und wir waren dann mit bei denen in der Schulaula. Die treffen sich da immer jeden Freitag und die hatten mega viel Spaß.
Johannes: Ja, die waren echt super.

JOINMUSIC: „Frittenbude sind nicht immer dagegen, aber selten dafür“. Also wogegen und wofür?

Johannes: Jaa… die altbekannten Dinge halt, gegen die wir uns einsetzen. Ne, für die wir uns einsetzen und gegen die wir sind.
Jakob: Für das Leben.
Johannes: Gegen die Engstirnigkeit. Gegen den ewigen Strom, in den man reinspringen kann. Dass man sich einfach ab und zu auch mal treiben lässt. Was ja auch gut ist, damit man am Ende bemerkt, was wie funktioniert und was wie nicht funktionieren darf. Prinzipiell halt immer gegen Nazis.
Jakob: Gegen Ungerechtigkeit.
Martin: Gegen die deutsche Flüchtlingspolitik.
Jakob: Für Liebe!

JOINMUSIC: Super, das können wir so stehen lassen!
„Man muss das Leben schon spüren“ – wie schafft ihr das?

Johannes: Das Leben spüren, das können schöne Momente sein, das kann aber auch das auf-die-Fresse-Fliegen sein. Auch das vor-Schmerzen-Schreien und vor Trauer und so weiter und so fort. Das ist halt einfach alles. Das Leben ist jeder schöne und jeder schlechte Moment. Hauptsache man erlebt ihn halt irgendwie. Und sieht ihn nicht nur oder bildet sich ihn ein, wie es ja heutzutage häufig passiert. Bei manchen Menschen denkt man ja auch die erleben total viel, was aber eigentlich nur ist, dass sie viel vorm Computer sitzen und viele Bilder hochladen. Das ist halt schade. 
Jakob: Wenn man sich jetzt so entscheiden könnte, also, eigentlich kann man sich ja entscheiden, wie man sein Leben leben möchte, dann sollte man das gerne intensiv tun. Möglichst so viel erleben, wie’s geht. Dass es einem auch mal schlecht geht, dass es einem mal gut geht. Dass man mal arm ist oder dass man mal reich ist. Wichtig ist, dass man das alles mal erlebt hat.
Martin: Man muss sich halt treiben lassen. Einfach auch nicht immer so verbissen sein. Weil, das habe ich zum Beispiel gelernt, dass das nichts bringt. Wenn man sich mal treiben lässt, dann passieren viel eher so Dinge.
Johannes: Man muss auch tausend Mal auf die Schnauze fallen und tausend Mal alles falsch machen, damit man dieses Feiern, wenn dann was Gutes passiert, damit man das dann auch so richtig genießen kann. Dann weiß man das auch richtig zu schätzen.

JOINMUSIC: Ostsee oder Kalifornien?

Johannes: Ostsee.
Martin und Jakob: Kalifornien.

JOINMUSIC: Und warum?

Martin: Ich war noch nie da und habe Bock, da mal hinzufahren. So San Francisco, L.A..
Johannes: Also ich war schon mal da und habe Bock, da noch mal hinzufahren.
Jakob: San Francisco wäre schon mal geil.

JOINMUSIC: The Streets oder Die Ärzte?

Alle: The Streets!

JOINMUSIC: Welchen Eurer Songs verbindet Ihr mit einem ganz bestimmten Erlebnis und mit welchem?

Jakob: Gibt’s, aber möchte ich nicht drüber reden.
Johannes: Jeder unserer Songs hat etwas Erlebtes an sich. Und eigentlich möchte ich da auch gar nichts zu sagen. Das ist mir eigentlich schon zu viel dadurch, dass ich die Texte schreibe. Und die dann auf die CD oder LP von Frittenbude mit draufpacke ist mir schon zu viel preisgegeben.
Jakob: Aber über die Jahre verbindet man natürlich ganz viel Ereignisse mit unseren Songs. „Mindestens in 1000 Jahren“ mit den ganzen Liveshows, wo die Leute immer so verdammt abgegangen sind. Oder bei „Bilder mit Katze“ habe ich immer eine Geschichte vor Augen, wie Captain Gips mir mal erzählt hat, dass er beim Konzert… ach nee, das war gar nicht bei „Bilder mit Katze“. Das wäre eine Lüge gewesen. Jetzt kann ich das gar nicht erzählen.
Johannes: Bei „Superschnitzel Lovesong“: uns haben mal zwei Fans einen selbstgebastelten Superschnitzel-König und eine Superschnitzel-Queen geschenkt. Das waren so kleine Schnitzel mit Augen aus so Stoff gefüllt mit Wolle. Mit so kleinen Krönchen, Augen und auch ein Kleid. 
Martin: Ich verbinde „Stürzende Helden“ mit einer Nacht im Berghain. Und „Alles wird Staub“ mit einem Mexiko-Urlaub.
Johannes: Aber welche Nacht im Berghain das war, das weißt du nicht mehr, was?
Martin: Doch, doch, ich weiß das noch ganz genau. Da ist viel passiert. Gute Dinge.
Johannes: Und war das eine Nacht, oder gleich mehrere?
Martin: Das war eine ganz lange Nacht.
Johannes: Eine klassische Berghain-Nacht.

JOINMUSIC: Gestern kam ja das neue Video zu „Die Möglichkeiten eines Lamas“ heraus. So einen Roadtrip, wie ihn die Mädels im Video machen, habt Ihr das auch mal zusammen unternommen? So oder so ähnlich?

Johannes: Leider nein. Aber ich würde gerne mal einen Roadtrip durch die USA machen. Und vielleicht mache ich das auch nächstes Jahr.
Jakob: Ich habe sowas mal gemacht. Mit zwei Freunden, also zu dritt waren wir. Nach Kroatien. Spontan los. Einfach, weil wir Zeit hatten.
Johannes: Und kein Geld.
Jakob: Und kein Geld. Man muss das eigentlich von vorne erzählen. Dass wir auf einem Festival waren und ich den Autoschlüssel verloren hatte und dann mussten wir eine Nacht länger bleiben. Dann saßen wir da und haben einfach alles aufgesammelt, was es gab. Und saßen dann vor einem riesigen Berg Maggisuppen und Dosennudeln. Und dann haben wir gedacht: was machen wir denn jetzt damit? Und dann haben wir uns gedacht, lasst uns doch einfach eine Woche nach Kroatien damit fahren. Wir haben was zu essen, haben uns dann Sprit von meiner Oma geklaut. Und sind da einfach runter gefahren. Zufälligerweise dann an den Kroatiens berühmtesten FKK-Schwulen-Strand. Ja, es war echt schön.
Martin: Roadtrip… Ich habe Interrail gemacht. Das Ganze mit dem Zug quasi. Das war echt auch unvergesslich.

JOINMUSIC: Also reist Ihr allgemein schon gerne?

Martin: Zu wenig. Wir sind nicht so die krassen Travel-Freaks, aber wir würden schon gerne in Zukunft alle mehr reisen. Das ist natürlich bisher auch einfach immer sehr kurz gekommen. Wenn man unter anderem den ganzen Sommer auf Festivals unterwegs ist. 
Johannes: Also wir sind auch Restaurantkritiker und Restauranttester. Man kann uns also auch auf alle Fälle dafür engagieren.
Jakob: Nach diesem Roadtrip, das war so 2003, oder 2004, habe ich dann auch fast 9 oder 10 Jahre keinen Urlaub mehr gemacht.
Johannes: Weil die Oma den Sprit weggesperrt hat.
Jakob: Ja, stimmt, das hat sie gemacht. Aber ich war dann auch einfach zu sehr hiermit, mit der Musik beschäftigt. Wenn dann alle Leute mal Zeit hatten, nicht arbeiten oder in der Schule waren, dann sind wir halt hiergeblieben und haben Musik gemacht.

JOINMUSIC: Aber so von den Klängen her, möchte man denken, Ihr seid schon sonst wo gewesen. Die Einflüsse sind ja schon irgendwie so orientalisch, oder?

Jakob: Ja, da gibt’s durchaus sowas zu hören.
Johannes: Das ist ja schon bei Katzengold entstanden. Wir waren in so einem Ashram-Tempel, so einem Lichttempel, da, wo Jakob früher gewohnt hat. Und da haben wir damals schon begonnen, die Instrumente zu benutzen, die er von seinen Hippie-Sessions da rumstehen hatte. Und da hat sich das dann schon in unsere Hirne gezimmert. Aber perfektioniert wurde das erst jetzt zu „Küken des Orion“.

JOINMUSIC: Wollt Ihr denn mal da so in Richtung Orient reisen?

Johannes: Auf jeden Fall, ja!
Martin: Ich war mal in Marrakesch. Das ist ja auch schon so ein bisschen Orient.
Johannes: Ich war mal in Ägypten und in Israel.
Martin: Also ich will auf jeden Fall in den nächsten paar Jahren eine Indien-Reise machen.
Jakob: Aber ich glaube, das stellt man sich jetzt auch so romantisch vor, dass man dahin kommt, seinen Guru findet, aber ich glaube, diese Zeiten sind vorbei.
Johannes: Genauso wird’s sein!
Martin: Man braucht seine Träume!

JOINMUSIC: Habt Ihr Euch schon für eine Vorband für Eure Tour entschieden?

Johannes: Ja, es wird drei Vorbands geben. Kann man glaube ich langsam mal sagen…
Jakob: Ja, kann man sagen, oder? Oder wir nehmen eine? Oder alle?
Johannes: Ach, ich frage einfach mal eben kurz nach. – Telefoniert kurz. – Okay, können wir sagen.
Jakob: Also zum einen haben wir Fuck Art Let’s Dance dabei. Die haben auch damals schon im Orang Utan ihr Debütalbum mit mir zusammen aufgenommen. Und ja, das passt ganz gut. Dann ist Uns noch dabei.
Johannes: Drei Familienväter aus Berlin. Machen coole, tanzbare Mucke. Sind sehr nett. Die habe ich richtig kennengelernt, als sie mich mal mit nach Hamburg genommen haben. Und dann haben sie hier gespielt, im Molotow. Und ich habe mit Kevin für mein Nebenprojekt geprobt und dann haben die mich mitgenommen. Und unsere Freundin Gina bookt die auch. Und es bleibt dann halt alles irgendwie in der Familie.
Jakob: Gut trainiert soll der Sänger auch sein, also vielleicht kann man sich da dann ein paar so Moves abschauen.
Johannes: Der Sänger hat die Bosstransformation von Kollegah gemacht. Und sind auch mit ClickClickDecker befreundet, also es ist alles eine große Familie. Und das dritte ist Finna, so‘n MC aus Hamburg.

JOINMUSIC: Die ihr wahrscheinlich auch kennt?

Johannes: Ne, leider noch nicht. Das hat sich auch unser Booker gewünscht, dass sie mitkommt. Und das machen wir jetzt auch sehr gerne. Und zum zweiten Teil der Tour, da haben wir uns noch nicht entschieden. Vielleicht ja jemand aus Übersee. Wer weiß.

JOINMUSIC: Auf Tour nehmt Ihr ja jetzt auch Eure neuen Bandmitglieder, Moritz und Philipp mit. Wie kam’s dazu, dass Ihr die beiden sozusagen mit in die Live-Band genommen habt?

Martin: Also Moritz, Moped, das ist der Drummer von Bonaparte. Und den haben wir so vor vier Jahren kennengelernt und da war das damals schon echt ziemlich cool irgendwie. Und dann kam die Idee, doch mal mit einem Drummer zu spielen und ich hatte das immer ein bisschen so im Hinterkopf, den mal zu fragen.
Jakob: Und dann hat er uns gefragt, als wir einen gesucht haben.
Martin: Nein, gar nicht.
Jakob: Doch, du meintest, der hat angerufen. 
Martin: Nein, nein, ich habe den schon zuerst gefragt. Und nicht umgekehrt.
Johannes: Können wir die Geschichte vielleicht so belassen, dass er auf uns zukam? 
Jakob und Johannes: Du hast das doch auch so erzählt.

JOINMUSIC: Ok, das könnt Ihr ja sonst auch nachher noch ausdiskutieren.

Martin: Ja, ist ja auch egal jetzt.

JOINMUSIC: Auf jeden Fall passen die beiden gut zu Euch?!

Martin: Absolut. Philipp ist ein alter Freund von uns. Den kennen wir alle schon 15, 20 Jahre so. Auch Skater damals, einer der besten.
Jakob: Der beste Skater!
Johannes: Kann aber mittlerweile auch nur noch drei Tricks.
Martin: In Bayern, ja. Und hat dann auch mal Bass gespielt. Und dann in seiner Studienzeit in Würzburg immer mehr Keyboard gespielt und so. Und ja, dann haben wir den gefragt. Er ist an Board. Ich wohne jetzt auch mit ihm zusammen.
Jakob: Also die neuen Songs hätte man auch gar nicht ohne Band live spielen können. Das hätte einfach nicht gepasst, das wäre nicht gut gegangen.

JOINMUSIC: Ihr habt ja alle nebenbei auch noch andere Projekte? Seid Ihr mit Frittenbude noch nicht genug ausgelastet?

Jakob: Wir machen ja schon alle immer auch Musik neben Frittenbude. Und wir sind auch einfach viel zu sehr getrieben von dieser Leidenschaft. Und manchmal war da auch ein bisschen Zeit, also, ganz wenig nur, aber da war Zeit, sich auch mal ein bisschen anders zu verwirklichen. Und Frittenbude sind ja am Ende immer wir Drei und aus diesem Prozess heraus entsteht unsere Musik. Und manche Sachen kann man einfach nicht so mit Frittenbude umsetzen, die man aber gerne mal machen würde. Das ist dann eine tolle Chance, mal das zu verwirklichen, was man schon immer mal machen wollte, und dann kann man sich auch wieder gut auf Frittenbude einlassen. Man ist dann ausgeglichen und kann zufrieden wieder zusammen Musik machen.

JOINMUSIC: Und sind das alles Musikprojekte, oder macht Ihr auch noch andere Sachen nebenbei?

Martin: Fotos.
Jakob: Fotos. Instagram. Facebook.
Johannes: Ich bin halt leidenschaftlicher Restaurantester.

JOINMUSIC: Um das hier noch mal zu erwähnen.

Johannes: Ja, natürlich, wir machen viele Sachen nebenbei, aber das ist dann Privatleben.
Jakob: Ich tue viel löten, Schach spielen. Aber leider immer nur mit mir. Ich würde mir jemanden wünschen, der so ungefähr auf dem gleichen Level wäre wie ich, aber dann so ein kleines bisschen schlechter, dass er so ab und an harte Fehler macht. So kann ich gewinnen, aber es macht trotzdem Spaß.
Johannes: Also ich trinke ja voll gerne Bier in meiner Freizeit.

Martin stöhnt auf.

Johannes: Ja, ich habe eigentlich ein Bier-Content-Verbot, weil ich Martin immer zu viel über Bier spreche. Aber ich habe entdeckt, dass Schöfferhofer Weizen ein ganz leckeres Weißbier ist. Wir, da wir ja aus Bayern stammen, dürfen sowas eigentlich gar nicht sagen, dass auch jemand anderes gutes Weißbier kann.

JOINMUSIC: Ich durfte letztlich Bamberger Rauchschinken Bier probieren.

Johannes: Bah, ne, das ist doch kein Bier.

JOINMUSIC: Themawechsel: Ihr habt doch bald 10-jähriges Jubiläum, oder? Wird das gefeiert?

Jakob: Nächstes Jahr.
Johannes: Da wird was passieren, ein riesiger Knall wird passieren.
Martin: Top secret aber auf jeden Fall. Aber wir werden das gebührend feiern.
Johannes: Mit Bier.
Martin: Die Zeit ist so schnell vorbei gegangen und dann muss man irgendwie nochmal rekapitulieren. Was da alles so verloren ging in diversen schwarzen Löchern.

JOINMUSIC: Also kann man sich nächstes Jahr auf jeden Fall auf was gefasst machen?

Johannes: Vielleicht bringen wir ein Bier raus, das nach Pommes schmeckt. Oder Pommes, die nach Bier schmecken. Ach, egal.

JOINMUSIC: Okay, dann kommen wir auch zur letzten Frage: habt Ihr einen Musiktipp für uns – welche Platten hört Ihr momentan rauf und runter?

Martin: Undergroundshit.
Jakob: Ich würde mir das AAAA-Album, was im Mai auf Antime erschienen ist, zu Gemüte führen. Der ist aus Mexiko und macht schöne analoge Synthesizer-Drogenmusik.
Martin: Abdullah Rashim. Experimenteller Techno. Sehr brisant.
Johannes: Ich würde „Sender Karlshorst“ von Rummelsnuff empfehlen. Das ist so Seemanns-Polka-Techno-Musik. Oder ne, sagen wir Seemanns-Musik. Arbeitermusik.
Jakob: Und natürlich die ganze Musik, die wir so machen.

JOINMUSIC: Vielen Dank für das Interview.

Foto: Paul Aidan Perry

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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