„Es muss nicht immer alles so bleiben, wie früher, weißte?!“ – Suff Daddy im Interview

Foto: Robert Winter

SUFF DADDY! – In Sachen Namens-Verhohnepiepelungen rangiert das von David Borman erdachte Künstler-Pseudonym noch immer unter den Top 10. Dass aber auch der Warsteiner der aloholisierten Wortspiele („Gnac“, „Suff Sells“, „Suff Refills“) nicht mehr auf Deibel komm raus auf den Grund einer Flasche hinabtauchen muss, um seinen Werken den richtigen Titel zu verpassen, macht sich spätestens beim neuen Album bemerkbar: „Birdsongs“ markiert allerdings mehr als nur ein neues Betitelungs-Kapitel. Über gleich mehrere gefühlte Neu-Anfänge – neues Label, ungewohnte Sounds, Live-Band-Pläne und die Liebe zu des Menschen besten Freund – sprach ich mit einem äußerst optimistisch und in sich selbst zu ruhen scheinenden Suff Daddy.

JOINMUSIC: Wir ziehen das Ding mal von hinten auf: Im Press-Release von „Suff Sells“ – und das ist ja nun schon was her – steht, Du hättest vor, nach Sydney, Australien auszureisen – hast Du das wirklich gemacht?
SUFF DADDY: Ja, das hab ich gemacht. Und da war ich dann auch ein Jahr. Und nach einem Jahr habe ich einfach festgestellt, dass Sydney für mich ne Scheiss-Stadt ist. Und dann bin ich wieder nach Berlin gegangen. Aber es war halt so: Ich bin nach Sydney gegangen, weil meine Freundin da ein Job-Angebot hatte und ich als Musiker ja relativ frei bin und mir gedacht hab: Ey, ich kann irgendwo auf der Welt was machen. Lass das doch mal ausprobieren. Und deshalb waren wir halt nen Stück weit an Sydney gebunden. Und Sydney ist eine superteure Finanzstadt ohne krasse Musikszene – also genau das Gegenteil von Berlin. Und bis auf das Wetter war das alles nix. Aber es war trotzdem ne tolle Erfahrung. Aber ich war auch froh, als ich wieder zurück in Berlin war.

JM: Konntest Du denn trotz der nicht vorhandenen Szene Kontakte knüpfen und aufrecht erhalten?
SD: Ja so’n ein bisschen schon. Aber es war nichts, was irgendwelche Früchte getragen hätte. Ich hab so ein paar Leute aus Neuseeland kennengelernt, die heißen Home-Brew. Das ist so coolste und geilste Rap-Band Neuseelands und mit denen bin ich noch in Kontakt. Und dann gibt’s da noch diesen Musiker Spicy P, das ist eigentlich ein Engländer, der seit 20 Jahren in Sydney wohnt. Der macht aber irgendwas zwischen Drum’n’Bass und Reggae, und was weiß ich. Da sind wir auch gar nicht zusammengekommen. Es sind wohl mehr die persönlichen Kontakte, die da geblieben sind.

JM: Nun also Back in Berlin. Und mit neuem Album am Start. Von all Deinen u.a. auf Bandcamp zur Verfügung stehenden Veröffentlichungen, kommt mir Dein neuester Wurf „Birdsongs“ am eigenständigsten vor – sowohl im Vergleich mit den anderen Alben als auch im Hinblick auf ein spezielles und sehr einheitliches homogenes Sound-Design. Siehst Du das auch so?
SD: Irgendwie schon. Weil: Meine alten Solo-Alben sind ja jetzt schon ziemlich lang her. „Suff Sells“ ist vier Jahre alt und in diesen vier Jahren ist natürlich auch einiges passiert. Vor vier Jahren war ich noch ein ganzes Stück unreifer und unüberlegter – weißte?! Ich hab da einfach alles frei nach Schnauze gemacht. Und das macht sich auf „Birdsongs“ einfach bemerkbar. Und ich weiß nicht, ob Du auch Sachen von den Betty Ford Boys gehört hast, meine Crew irgendwie, mit der ich in den letzten Jahren zwei Alben gemacht hab. Und das ist hat ein bisschen brachialer und mehr Auf-Die-Fresse. Und so. Und wenn ich solo Musik mache, habe ich einfach Bock darauf, sehr schöne, entspannte und ruhige Musik zu machen. Und das hat sich bei „Birdsongs“ halt ausgedrückt. Unter anderem weil ich einfach keine Lust hatte, irgendwas für Parties und Clubs und so zu produzieren. Sondern einfach nur für mich. Was ich halt gern zu Hause hören würde.

JM: Das passt zu einer Beschreibung, die jemand schon vor ein paar Jahren von Dir und Deiner Musik gemacht hat: Du bist kein Beat-Maker, sondern ein Musik-Produzent. Das kann man auf keiner Deiner Veröffentlichungen so gut hören, wie auf „Birdsongs“. Das gilt auch für die Machart der Tracks: Auf das klassische Zwei-Vier-oder-was-weiß-ich-wieviel-Takte-Sample, hast Du ja so gut wie komplett verzichtet. Dafür sind ganz viele Synthies dabei und andere Klangelemente, die eher in Richtung frühe 1980er verweisen als in Richtung Boom-Bap. Wenn Du das nicht abstreitest, lautet meine Frage: War das ein bewusster, künstlerischer Move, Kindheitserinnerungen oder was genau hat Dich an diesen Klängen fasziniert?
SD: Also zum Einen hatte ich keine Lust mehr, so ein reines Hip Hop Beat Album zu machen. Habe ich auch schon öfter gemacht. Und ich wollte mich noch so gern noch mal wiederholen. Auf der anderen Seite, mache ich mir immer relativ wenig Gedanken. Ich setz mich nicht vorher hin und überlege mir, wie das Album nun werden soll. Ich mach eigentlich erstmal nur Musik und irgendwann später, stell’ ich das Album zusammen. Die Musik, die einfach aus mir rauskommt, die kommt einfach aus mir raus, dagegen kann ich eigentlich gar nichts machen. Was ich halt im Moment total langweilig finde: da gibt’s irgendwie so viele Beatmacher und die machen so ihre Beat-Tapes, aber die Beats langweilen mich dann auf der ganzen Spielzeit, wenn da eben nicht so viel passiert. Bei mir ist früher eben auch nicht so viel passiert, da hatte ich halt auch keinen krassen Arrangement oder so verschiedene Parts und so – und das wollte ich diesmal ändern, weißte? Früher habe ich zum Beispiel Beats gemacht, da ist immer alles sofort losgegangen. Dann ging das zwei Minuten und dann war’s vorbei. Und diesmal hatte ich halt mehr Bock auf ein richtiges Arrangement. Und darauf, das alles so ein bisschen mehr erwachsener zu machen.

JM: Ich finde, das ist hervorragend gelungen.
SD: Dankeschön.

JM: Die Songs wirken strukturierter, durchdachter und nicht zuletzt deswegen auch länger. Aber wo wir grad von Länge sprechen: Mit 35 Minuten Spielzeit ist das doch ein ziemlich kurzes Album….
SD: Ja, aber das ist ja auch der Tatsache geschuldet, dass wir die Veröffentlichungen immer auf Vinyl machen. Mir ist sie jedenfalls am Wichtigsten. Und nachdem ich mein letztes Album als Doppelalbum rausgebracht hab, hab ich mir geschworen, das mach ich nie wieder. Das war so scheiße zum Durchhören: 29 Songs und nicht mal der Hauch von einem roten Faden dadurch. Aber damals wollte ich halt unbedingt alles raushauen. Ich hatte voll viel Material und hab mir gedacht, ey, das muss alles da drauf. Und diesmal wollte ich es halt anders machen. Und damit der Sound auf einer Vinyl nicht schlecht wird, darf man halt nicht mehr als 18 Minuten pro Seite draufmachen.

JM: Stimmt.
SD: Genau. Und deswegen war das halt von vornherein so limitiert. Klar, 36 Minuten ist relativ kurz für ein Album, aber ich find das auch okay, weißte?! Aber dann mach ich halt bald wieder ein Album, weißte?! Es war mir halt wichtig, dass es da so einen roten Faden gibt, der auch auf eine Vinyl passt.

JM: Weißt Du, warum ich auf dieses Thema Länge so anspiele?
SD: Nee.

JM: Seit Neuestem werden auch Daten der Streaming-Plattformen à la Spotify für die Erhebung von Album-Chart-Platzierungen herangezogen: Jeder einzelne gestreamte Album-Track geht in die Auswertung des Albums als Ganzes ein: Von zwei Alben mit der gleichen Gesamt-Spielzeit und gleichen Streaming-Zugriffszahlen wird dasjenige wahrscheinlicher in den Charts auftauchen, auf dem sich mehr Tracks finden. Das soll unter anderem auch der Grund sein, warum Drakes „Views“ auf eine Spiellänge von knapp 82 Minuten kommt.
SD: Ja. Naja. Es ist schon cool, wenn Du es schaffst, ein geiles Album über 86 Minuten zu machen. Das ist wirklich cool. Aber soviel Material hatte ich dann doch nicht. Und Chartplatzierungen…

JM: …ja?
SD: Ich war noch nie in den Charts und mir ist das auch wurscht, ob ich da rein komm oder nicht. Ich glaube auch wirklich nicht, dass – wenn ich das Album länger gemacht hätte – dann in die Charts gekommen wäre… Dieser Aspekt jedenfalls hat bei all den Überlegungen jedenfalls nie ein Rolle gespielt. Das Hauptargument für mich ist in jedem Fall das Vinyl-Ding.

JM: Alles klar. Wo wir gerade bei Vinyl sind – auf Deinem Boilerrom-Auftritt legst Du aber mit Serato auf, oder?
SD: Ja?!

JM: Ähm…
SD: Aber guck ma: Das ist ja vor allem der Tatsache geschuldet, dass ich seit den 1990er Jahren als DJ unterwegs bin. Und ich hab das alles gemacht mit Plattentasche und Vinyl und was weiß ich. Aber ich muss sagen, dass ich zum Serato DJ geworden bin, weil es zum einen so geil bequem ist: Du hast einfach immer alles dabei, was Du spielen möchtest. Und auf der anderen Seite: Auf dem Boilerroom Gig habe ich ja nur meine eigenen Produktionen gespielt und die hab ich ja gar nicht alle auf Vinyl. Es ist einfach praktisch, alle möglichen Skizzen und auch die neuen Sachen so spielen zu können. Ab und zu lege ich auch noch mit Vinyl auf und das ist dann immer auch eine gute Übung. Aber ich arbeite inzwischen eben auch super-gern mit Cue-Points und Loops und dies und das. Und das geht mit Nur-Vinyl nicht. Außerdem bin ich voll gegen Dogmen. Mir ist das schon vorgeworfen worden. So: Ach, der legt ja gar nicht mit Vinyl auf. Aber weißte, wenn jemand so kommt, mit dem will ich gar nicht weiter diskutieren. Mir ist doch völlig wurscht, womit jemand seine Musik abspielt, Hauptsache, die Musik ist gut. Und wenn jemand mit CDs oder so nem komischen Controller auflegt- so lange die Musik gut ist, finde ich das cool. Es muss nicht immer alles so bleiben, wie früher, weißte…

JM: Seh ich ganz genauso. Hätten wir also auch geklärt. Jetzt mal zu was anderem. Wie kam’s denn eigentlich zu der Zusammenarbeit mit Mayer Hawthorne?
SD: Oh – Da muss ich kurz ausholen.

JM: Nur zu,
SD: Also: Da gibt es ja diesen Typen namens Robert Winter.

JM: Dein Cover-Designer.
SD: Genau: Der macht alle meine Cover. Der macht auch alle meine Pressefotos, der hat auch ein paar Videos gemacht und ist über die Jahre auch ein sehr guter freund von mir geworden. Kennengelernt haben wir uns durch MPM. Und der hat mal vor ein paar Jahren Mayer Hawthorne in Kalifornien fotografiert. Und dann hat Stones Throw seine Fotos irgendwann genommen und die einfach für irgendwas benutzt. Für ein Plakat oder so was. Und ohne Robert zu fragen.

JM: Owei
SD: Naja. Robert fühlt sich da schon irgendwie geschmeichelt, und hat denen auch mal ne Mail geschrieben, so ist ja schön und gut, dass Ihr das macht, aber: Fragen solltet Ihr trotzdem. Und dadurch ist der Kontakt zwischen Robert und Mayer entstanden. Und immer wenn Mayer jetzt in Köln ist, ruft er Robert an und dann hängen die beiden rum. Und vor zwei Jahren waren wir mit den Betty Ford Boys auf Tour und Mayer ruft Robert an: „Ey, bist Du in Köln?“ und Robert: „Nee, ich bin mit Suff Daddy auf Tour“. Und er so: „Wie, Suff Daddy? Und der ist deutsch? Was geht ab?!“ Und dabei hat sich rausgestellt, dass er Fan ist. Und meine Sachen kennt.

JM: Cool
SD: Und seitdem sind wir so ein bisschen in Kontakt. Wir schreiben halt ab und an Emails und dann hat der mir damals auch so einen Remix-Auftrag zugeschustert. Für sein vorletztes Album und seinen Song mit Kendrick Lamar. Dafür hab ich einen Remix gemacht und war auch voll happy, dass die mich gefragt haben. Und als ich jetzt am Abschluss von „Birdsongs“ saß, habe ich mir ´gedacht, ey, ich frag ihn einfach mal, ob er Bock hätte. Und dann meinte Mayer, ey, ich bin super busy, hab eigentlich keine Zeit, aber schick mal den Song rüber. Und dann hab ich ihm den Beat geschickt und vier Tage später hat er den fertigen Song zurückgeschickt.

JM: Wahnsinn.
SD: Und der Typ ist halt super cool und auf dem Boden geblieben. Ich hab den mal hier in Berlin getroffen. Und der zum Beispiel ist voll der krasse Vinyl-Digger. Egal, wo der hingeht, der kauft nur Vinyl. Und als ich ihn neulich getroffen hab, da hatte der alle Platten dabei, die ich jemals auf Vinyl rausgebracht hab. Total verrückt. Und deswegen hab ich auch so gefreut, dass das geklappt hat. Es ist ja auch der einzige Song auf „Birdsongs“, der ein bißchen in ne andere Richtung geht. Quasi die einzige Uptempo-Nummer.

JM: Ein andere Produktion von Dir, die mich heftig beeindruckt hat, war Dein „Wonder Woman“ Remix für Lion Babe. Wie kam das zustande und noch viel wichtiger – hast Du Frau Lion Babe auch mal getroffen?
SD: Nee, leider nicht. Ich find die ja voll geil. Und damals kam auch dieses Lied raus, das ist jetzt schon ein paar Jahre her, „Treat Me Like Fire“. Und das hat mich so dermaßen beeindruckt, für mich eines der schönsten Stücke seit Jahren. Und ein Freund von mir arbeitet bei Universal und hat gesagt: Ey hier, Wir machen jetzt die neue Lion Babe Wonder Woman Scheibe und hast Du nicht Bock, einen Remix zu machen. Und die haben auch offiziell nach Remixen gesucht, und ich hab den gesagt, da hätte ich Bock drauf und dann meinten die aber: Ey, Suff Daddy Remix wollen wir nicht haben. Tja, und dann hab ich den einfach nur für mich gemacht Scheißegal, ob die den haben wollen, oder nicht. Tja, und da muss einfach auch mal sagen: Es ist eine meiner besten Remix-Arbeiten aller Zeiten geworden. Und danach haben die den halt auch gefeiert, weißte?

JM: Super
SD: Aber das war jetzt nicht auf der Single offiziell drauf. Aber das war auch wurscht, weil es einfach voll Spaß gemacht hat. Und weil das so gut lief hatte ich auch noch auf ein Feature für mein Album gehofft, aber dann hat sich das mit dem Kontakt doch irgendwie verlaufen. Und dann ist da nix draus geworden. Ist aber auch nicht so schlimm. Und das war halt die Story dazu.

JM: Beim hin- und herswitchen zwischen Sachen, die Du nur für Dich produzierst und Auftragsarbeiten wie Remix zum Beispiel, hast Du da ein anderes Setting im Kopf? Gehst Du an diese Sachen unterschiedlich ran?
SD: Nö. Es muss eigentlich nur ein Song sein, den ich selber gut finde. Und wo ich denke, dass ich was besser machen könnte. Es gibt ja auch Songs, da denke ich: Die Sind perfekt Was soll ich da jetzt noch machen? An so was würde ich mich auch nie ran-trauen. Also zum Beispiel der Wonder Woman Original Song – den fand ich eigentlich überhaupt nicht stark. Und den Original-Beat, den finde ich eigentlich voll scheiße. Und den Pharrell-Part habe ich auch komplett rausgelassen, weil ich mir gedacht hab: Ey, was hat der Typ denn da gemacht? Und ey – ich bin voll der krasse Pharrell Fan, das ist immerhin einer der krassesten Musik-Produzenten unserer Zeit. Aber das – das fand ich überhaupt nicht gut.

JM: Auf Deinem Facebook Stream hast Du ein Foto gepostet von Deinem neuen Studio.
SD: Ja

JM: In dem Raum machst Du Deine Mucke?
SD: Ähm, also noch nicht, ja?! Ey, der Raum sieht ja auch noch super ungemütlich aus. Ich bin da grad erst eingezogen, aber es ist zum ersten Mal so, dass ich jetzt mein ganz eigenes Studio hab. Davor hab ich immer irgendwie zuhause Musik gemacht, Also „Birdsongs“ ist komplett in meiner Wohnung entstanden, durch die ich hier gerade laufe. In so einer kleinen Rumpelkammer, da hab ich das alles gemacht. Und dann habe ich mir aber auch gesagt: Ey, der Raum ist so klein, ich brauch mehr Space. Und dann hat sich hier bei mir um die Ecke was ergeben, aber das muss ich jetzt erstmal gemütlich machen. Und der große Nachteil daran ist, das neue Studio hat keine Fenster. Das ist so ne Art Bunker. Im Winter ist das bestimmt ganz cool und so, aber so jetzt im Sommer häng ich da ehrlich gesagt überhaupt nicht rum. Ich muss das erstmal gemütlich machen, geile Lampen rein, vielleicht mach ich da sogar Tapeten rein oder was weiß ich. Aber so was angeht, bin ich sehr langsam, das kann noch ein bissel dauern. Aber: Im Herbst geh ich ja auch auf Tour mit meiner Live-Band, und für die nutzen wir das Studio als Proberaum. Es ist einfach gut, so einen Raum zu haben. Auch wenn ich grad merke, das mit den Fenstern, die nicht da sind, das ist irgendwie suboptimal. Dann brauch ich wahrscheinlich so’ne UV-Sonnen-Imitations-Birne.

JM: Haha.
SD: Ich mein das ernst.

JM: Ich auch. Aber ein Fenster bräuchte ich eher zum Lüften. Rauchst Du beim Produzieren?
SD: Ja, aber also ich rauch keine Zigaretten mehr. Schon seit zweieinhalb Jahren nicht. Und hier und da rauch ich halt nen Tourjoint, aber eigentlich vaporize ich. Und ne Lüftung für Frischluft ist in dem Studio ja drin. Also man könnte da sicherlich auch Kippen rauchen, Aber das will ich irgendwie nicht mehr. Das stinkt mir zu sehr ab.

JM: Du hast grad was von Live-Band erzählt. Wieso geht der Produzent Suff Daddy jetzt mit einer Live-Band auf Tour?
SD: Ich konnte nie nen Live-Set anbieten. Weil meine Art und Weise zu arbeiten – allein mit einer Mouse vor’m Computerbildschirm rumprobieren – das nicht zulässt. Aber als wir letztens mit den Betty Ford Boys so eine Session hatten, wie krass Bock das macht, zu dritt einfach zu jamen und Improvisation zuzulassen. Und da hab ich gemerkt: Das macht ja eigentlich noch viel mehr Spaß als dieses Produzieren allein. Und dann haben wir uns überlegt, was machen wir zur Tour und zum Album. Und na klar könnt ich einfach wieder eine DJ-Tour machen. Aber zum einen ich hab jetzt mal Bock, was Neues auszuprobieren. Und zum anderen denk ich mir, ist es ne coole Möglichkeit, vor allem auch die älteren Sachen von mir, neu darzubieten und zu präsentieren. Und weil ich das zum ersten Mal mache, ist das auch so ne Art Experiment. Und wenn’s gut läuft, dann ist der Plan, im nächsten Jahr auch ein paar Festivals zu spielen. Persönlich und beruflich ist das einfach ne coole Option der Weiterentwicklung.

JM: Welches Instrument würdest Du dann spielen?
SD: Ich kümmer mich schon darum, welche Elemente jetzt wann laufen, aber eigentlich spiel ich Bass bzw Basslines. Das ist ja quasi so mein Ding, was mir auch beim Produzieren immer am meisten Spaß gemacht hat und ich spiel den Lead-Synth. Dazu kommt dann noch ein Keyboarder, ein Drummer und ein bisschen was kommt eben auch aus dem Computer. Bisschen Percussion wär eigentlich auch noch geil.

JM: Apropos Weiterentwicklung: Slowly but surely gehst Du ja auch auf die Jenseits-Der-30 zu. Das Thema Suff Daddys Alkohol-Wortspiele scheint aber zeitlos zu sein, siehe auch „Pagne“ von„Birdsongs“, das vom Wortspiel-Charakter doch ziemlich nah an „Gnac“ rankommt. Ist das so was wie ein Running Gag?
SD: Naja, guck ma. Es war ja eigentlich immer so ein Running Gag, dass ich alles immer so nach Alkohol benannt habe. Und das war auch immer lustig. Aber mittlerweile, Du hast das schon angesprochen, werde auch ich immer älter. Und mit inzwischen 37 fühle ich mich dem Suff Daddy Ding schon ein wenig entwachsen. Aber auf der anderen Seite habe ich jetzt aber diesen Namen und den werde ich jetzt sicherlich nicht einfach ändern. Erstens habe ich keine andere Idee. Zweitens ist es gewachsen und auch irgendwie cool. Damals hätte ich ja nie gedacht, dass sich das alles hier aus einer Bierlaune entwickelt. Aber so ist das nun. Früher hatte ich ja auch immer ganz viele Vocal-Referenzen in meinen Songs, also über Alkohol, Marijuana dies und das. Und der Name und dieses Wortspiel mit „Pagne“ ist mittlerweile das einzige Überbleibsel. Und außerdem habe ich letzte Zeit ziemlich viel Champagner getrunken und ich steh auf Champagner und deswegen hab ich das halt gemacht.

JM: Kann ich Dir nachfühlen. Je mehr und öfter ich Schampus trink, desto besser schmeckt er mir.
SD: Die Wirkung ist auch super. Also die mag ich auch.

JM: Was trinkst Du denn bei Temperaturen wie diesen am liebsten? Was kannst Du empfehlen?
SD: Ehrlich gesagt: Super viel Wasser. Paar Kaffee am Tag oder ansonsten Bier. Oder Champagner.

JM: Bier oder Champagner?!
SD: Also ich trink auf jeden Fall keine Soft-Drinks. Ich hasse Soft-Drinks. Also, was so super süß ist. Es sei denn, ich misch mir so einen Gin Tonic, mit Ginger Ale oder Tonic Water. Das kann man natürlich machen. Aber auch das ist bei mir so ein bissel zurückgegangen. Ich trink immer noch gerne, aber den ganzen Hart-Alkohol, den lass ich weg. Ich trink eigentlich nur Bier. Oder Champagener.

JM: Was außer Beats bauen, Vinyl-Diggen und Bier oder Chamapgner trinken, fixst Dich sonst noch an? Gibt’s da was?
SD: Ja, ehrlich gesagt, ich habe seit zwei Jahren einen Hund. Der ist mein bester Buddy geworden. Und mit dem bin ich jeden Tag stundenlang draußen in der Natur. Und das ist, was mich im Augenblick am meisten befriedigt, einfach nur so voll viel in der Natur rumlaufen. Spazieren gehen. Es klingt voll langweilig. Aber es ist halt voll geil. Die ganzen Jahre war ich immer nur zuhause, immer nur vorm Computer, und der Hund hat mich da so krass vom Couch Potatoe zu einer fiesen Outdoor-Person gewandelt. Und früher war’s für mich auch immer ganz schlimm, mal nicht Musik zu machen. Und mittlerweile mach ich manchmal ein paar Monate lang keine Musik. Und wenn ich dann ins Studio komm, dann strömt’s nur so aus mir raus. Außerdem habe ich so ein Faible für Video spiele, ich kauf mir auch immer noch alles, aber zum Spielen komm ich nicht so richtig. Irgendwie habe ich dann doch keinen Zeit für so’n Scheiß. Dann denke ich mir immer, ach voll die Zeitverschwendung, wenn ich denn mal davor sitze. Das war jedenfalls früher immer mein Zeitvertreib. Aber am liebsten häng ich eigentlich mit meinem Hund oder Freunden ab. Das ist, was ich am liebsten mache.

JM: Danke für das Interview.

Foto: Robert Winter

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