„Hirnrissig, nicht alle Songs auf’s Album zu packen“ – Interview mit Shawn Lee

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Shawn Lee ist die lebende Anti-These zum 08/15-Amerikaner. Der Mann lebt und produziert seit Urzeiten in der englischen Hauptstadt und zeigt allein schon damit, dass er weder Angst vor Good Ol‘ Europe noch seiner Kultur hat. Ob er mit seinem Landsmann AM Singer/Songwriter Alben für das nächste Jahrtausend schafft, als Ping Pong Orchestra ein gefragter Lieferant für Soundtracks ist oder verantwortlich für die „Ape Breaks“-Veröffentlichungen zeichnet – Musik ist, was er kann. Jetzt hat der Mann mit der schlohweißen Mähne zusammen mit Andy Platts, dem Sänger und Gründer von Mama’s Gun, ein Album veröffentlicht, das seinesgleichen auch noch in Jahren vergeblich suchen wird. „West End Coast“ ist eine einzige Verbeugung vor den Akteuren, die ca. zwischen 1975 und 1981 das veröffentlichten, was heute in der Regel als Yacht Rock bezeichnet wird: Elegant groovende, harmonisch und melodisch anspruchsvolle Popmusik von absoluten Spitzenkönnern. Das rundum gelungene Werk hält auch Shawn Lee selber für ein echt gutes Weihnachtsgeschenk und ist im Interview hörbar stolz auf das, was er und sein Partner Andy so gut wie im Alleingang realisiert haben. Wie es überhaupt dazu kam, wann es mehr davon gibt und auf welche Tricks er bei den Aufnahmen zurückgegriffen hat, das erzählt Shawn Lee im Interview. 

JOINMUSIC: Lass mit etwas beginnen, das den Anschein erweckt, ich hätte recherchiert… In einer RBMA Lecture hat Stephen O’Malley von Sunn O))) behauptet, dass es, damit es zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Musikern bzw. Künstlern kommen kann, nicht so wichtig sei, wie sie ihr jeweiliges Zeug gegenseitig finden und beurteilen, sondern dass es darauf ankäme, überhaupt irgendeine gemeinsame Schnittmenge aka Common Ground zu finden. Ist der Blue Eyed Soul bzw. der Yacht Rock der späten 1970er Jahre die Schnittmenge, auf die Du und Andy sich einigen konnten?
SHAWN LEE: Ja, Ich glaube schon. Andy und ich teilen diese Vorliebe für klassische West Coast Pop- und Soul-Musik. Wir nehmen die Strömungen auf und mischen sie zusammen.

JM: Wie habt Ihr von den Vorlieben des jeweils anderen erfahren?
SL: Ich habe Andy schon vor vielen Jahren kennengelernt; rund um die Zeit, als er Mama’s Gun gründete. Er hat mich über Myspace kontaktiert und hatte zu dem Zeitpunkt erst eine Single veröffentlicht. Und ich dacht mir: Der Typ ist gut. Wieder ein paar Jahr später kam er auf mich zu, als es um die Produktion einen Mama’s Gun Album ging. Wir haben uns also verabredet, er kam zu mir ins Studio und wir haben ein paar Stücke zusammen geklimpert. An dem Punkt habe ich gemerkt, dass Andy einiges drauf hat in Sachen Melodische Pop Musik und gleichzeitig ein begnadeter Soul Musiker ist. Er kann wirklich beides und schon damals dachte ich mir, so ein Album müsstest Du eigentlich mit Andy machen. Nach dem Motto: Das ist mein Mann! Das Album ist etwas, was ich schon seit Ewigkeiten mal machen wollte, und aspekteweise in die Musik, die ich seit Jahren mache, habe mit einfliessen lassen. Am Ende aber nie zu 100% durchgezogen habe. Sollte ich jemals, dann nur mit Andy. Und wie das dann so ist: Wir haben drüber gesprochen. Passiert ist aber nichts. Dann und wann haben wir uns getroffen, aber es ist jede Menge Zeit vergangen, bevor wir eine Zusammenarbeit ernsthaft in Erwägung zogen. Und dann auf einmal, so ungefähr vor drei Jahren, haben wir damit angefangen, Tracks aufzunehmen. Und von Anfang an war klar, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Es war nur eine Frage der Umsetzung. Unmittelbar nachdem wir damit begonnen hatten, haben wir einen tollen Arbeitsrhythmus gefunden. Was Andy ablieferte, hat mich schlicht umgehauen. Ich habe ihm Sachen geschickt, und was er daraus gemacht hat, war besser, als ich es mir je hätte vorstellen können.

JM: Ich kann mir nicht vorstellen, wie man die Konzentration für ein derartiges Projekt über die Dauer von drei Jahren aufrecht erhalten kann. Erstens, weil es speziell was Young Gun Silver Fox angeht, ein paar sehr spezielle ästhetische und künstlerische Bedingungen gab, denen man sich beugen musste und zweitens, weil Du in diese drei Jahren an jeder Menge anderem Zeug gearbeitet hast. Wie schwierig war es, zwischen den Projekten hin- und her zu wechseln? Gab es einen bestimmten Kreativitäts-Auslöser, nach dem Motto: Und jetzt wieder zum Yacht-Rock?
SL: Interessante Frage. Die Aufnahmen haben wir in kleinen Abschnitten gemacht. Immer dann, wenn zwischen Live-Gigs ein paar Wochen frei waren. Andy war ja ständig unterwegs. Und hat dann eben von Korea aus geschrieben, oder aus Amsterdam. Er hatte immer irgendwas am Laufen. Und ich ja auch. Wann auch immer er mir andeutet, jetzt geht wieder was, war ich zur Stelle und dann haben wir ein an paar Nummern gearbeitet. Das andere Projekt, an dem ich während der Aufnahmen hauptsächlich parallel gearbeitet habe, war das AM Album. Manchmal sogar gleichzeitig an einem Tag. Aber ich bin daran gewöhnt, zwischen den Dingen hin- und her zu switchen. Die unterschiedlichen Parameter, die ästhetischen und musikalischen Optionen und Limitationen habe ich ständig im Kopf. Das hält Dich auf Trab. An etwas wie einem Album zu arbeiten und richtungsweisende Entscheidungen zu treffen, hilft Dir, fokussiert zu bleiben und ist gleichzeitig gut für Deine Kreativität. Weil Du einen Rahmen hast, innerhalb dessen Du arbeitest. Du weißt, wo der Boden, die Wände und die Decke sind – kannst innerhalb dieses Raumes aber so kreativ sein, wie Du willst. Das ist besser als ein unendlicher Raum, in dem alles und nichts möglich scheint. Nach den vielen vielen Alben, die ich in den vielen vielen Jahren gemacht habe, erscheint mir das konzeptionell als die höchste Stufe kreativen Arbeitens. Grenzen zu haben ist für Kreativität befreiend. Gezwungen zu sein, innerhalb bestimmter Parameter arbeiten zu müssen, ist eine gute Sache. Wenn Du Dich einmal daran gewöhnt hast, genießt Du viel Freiheit. Was wiederum dem Hin- und Her zwischen Projekten zu gute komm, weil Du im Kopf frisch bleibst. Natürlich findet da unterbewusst eine gegenseitige Beeinflussung statt. Aber diese gegenseitige Befruchtung ist eine gute Sache. Die Dinge bereichern und komplimentieren sich.

JM: Während der Hoch-Zeit der Yacht-Rock und Blue Eyed Soul Ära, warst Du ein Teenager, der sich in Richtung Adoleszenz bewegte – waren Ambrosia, die Doobie Brothers und Ned Doheny das, was Du damals gehört hast?
SL: Ja aber klar. Das war einfach die Musik, die im Radio lief. Ich habe alles Mögliche gehört, aber so klang damals moderne Pop-Musik. Ich habe auch Sachen gekauft, die nicht im Radio gespielt wurden, aber im die gleiche Richtung gingen. Alben und so. Diese Musik hat deshalb auch etwas sehr Nostalgisches. Sie strahlt eine gewisse Wärme aus. Sie nimmt mich mit, zurück zu meiner Kindheit und zu den Tagen, an denen ich zu dieser Musik im Radio taggeträumt habe. Das hat etwas grandios Beruhigendes. Keine Ahnung wieso, aber diese Musik ist einfach speziell. Die Vorteile, sich von hier und heut aus, wieder mit ihr, dieser Musik, zu befassen, liegen darin, dass man genau weiß, auf welche Minen man nicht treten darf. Du weißt, was ich meine – oder? Mit dem Abstand der Zeit waren wir in der Lage, das Schmonzettige, den Kitsch und das teilweise Exzessive dieser Musik auszumerzen, um zum Kern vorzudringen und sich nur auf das Gute an der Musik zu konzentrieren. Abgesehen davon habe ich das Gefühl, dass man diese Musik vergessen hat, bzw., sie zurückgelassen wurde. Und das, obwohl sich viele Leute mit ihr identifizieren können, sie Teil ihrer Kindheit war oder einfach nur an ihre Eltern erinnert, die so was gehört haben. Sie evoziert die guten alten Zeiten. Es ist positive und ziemlich relaxte Musik. Aber auch sehr musikalisch. Eine Kombination aus unglaublichem Musikertum, exzellentem Songwriting-Handwerk, herausragender Aufnahmetechnik, den besten Studio-Musiker, die es jemals gab und schlicht großartigem Gesang. Bestimmte Know-How-Puzzleteile, die zueinander finden wie omnipotente Super-Helden. Batman, Superman und all die anderen zusammen in einem Studio. Und jeder einzelne auf der Höhe seines Könnens. Sich heutzutage als Musiker damit auseinanderzusetzen ist deswegen auch eine ziemliche Herausforderung – jeder Song, jede Gesangsaufnahme, das Spielen, Aufnehmen und Mischen – das alles wurde schon mal gemacht. Und zwar in Perfektion. Es gibt keinen Raum für Unzulänglichkeiten, keinen Platz für halbgare Ideen. Andererseits ist es natürlich wahnsinnig befriedigend. So ein bisschen wie ins Tiefe springen und dann schwimmen zu müssen: Während man es tut, erinnerst DU Dich dran, wie’s geht: Ach ja, so geht das also. Nehmen wir nur einmal die Akkord-Folgen. Niemand schreibt mehr Songs mit derart vielen harmonischen Wechseln. Ich habe das schon als Kind sehr gemocht und mich damals auch voll reingekniet. Aber mit den Jahren sind viele Dinge minimaler geworden, stripped down, simpler, weniger ausgefuchst. Manchmal ist das ja auch eine gute Sache. Aber in diesem speziellen Fall war es genau andersrum. Zurückzugehen und zu verstehen, wie das damals alles funktioniert hat. Manchen dieser Akkord-Wechsel wohnt eine schwer zu beschreibende Magie inne. Sie lösen bestimmt Gefühle aus. Sie sind wie musikalische Motive – Du kannst Dich ihrer bedienen und sie sehr zielgenau einsetzen:  Manche machen Hörer glücklich, andere lösen sehr tiefgründige Gefühle aus. Akkorde und Melodiefolgen haben magische Kräfte – Rhythmus auch – nicht aber so emotional wie Akkorde und Noten. Je ausgefuchster die Akkorde, desto unterschiedlicher die Atmosphären, die man damit heraufbeschwören kann. Es ist eine sehr andere Art, Songs zu schreiben, fast wie eine andere musikalische Sprache. Lange Zeit war das die normalste Sache der Welt. Jetzt ist es das nicht mehr.

JM: Hast Du Dir die Sachen von damals noch einmal angehört um diese Sprache möglichst flüssig zu sprechen?
SL: Gute Frage: Ja, so ein bisschen. Aber eigentlich hat mich diese Musik immer begleitet. Und nie so richtig losgelassen. Sie hat einen tiefen Abdruck in meiner DNA hinterlassen.  Ich habe viele Songs aus dieser Zeit mit Bands gespielt. Als Kind habe ich jede Menge davon gehört. Ich habe sie einfach in mir drin. Sowohl als Person als auch als Musiker war ich nie wirklich weit entfernt von ihr. Natürlich habe ich auch mitbekommen, dass einiges aus der Zeit von damals hier und da ein Comeback feierte. Kleine aber feine Szenen rund um das Phänomen Yacht Rock und West Coast Pop. Da hat sich langsam was aufgebaut. Die Türen, die da eingerannt wurden, die standen bei mir also eh schon offen. Todd Rundgren hatte ich schon immer gehört. Aber ein paar andere Sachen habe ich mir tatsächlich noch einmal gekauft: „Minute By Minute“ und „Livin‘ On The Fault Line“ von den Doobie Brothers, Ambrosia und so was halt. Nachdem Andy und ich dann angefangen hatten, an der Platte zu haben, steckte ich so richtig schön drin in diesem Vibe und dann habe ich mir sogar noch mehr besorgt. Das „Young Gun Silver Fox“ Album ist ja auch ein wenig eine Hommage an eben diese Musik. Und trotzdem war mir klar, dass es eine moderne Platte werden würde. Einfach , weil wir sie heute und nicht vor 35 Jahren gemacht haben. Und auch mit einer ganz anderen Perspektive. Außerdem ist sie so gut wie vollständig übers Netz entstanden. Also ist es per definitionem ein modernes Album. Und weil das so ist, muss ich sagen, dass ich sehr zufrieden damit bin, wie dieses Album auf- und wahrgenommen wird – nämlich genauso wie ich es sehe und höre. Die Leute kapieren ganz genau, worum es geht und auch mit den Referenzen können sie etwas anfangen. Die wissen, dass die Platte authentisch ist. Ein modernes Album, das mit Liebe gemacht wurde.

JM: Das ist wahrscheinlich so, weil Ihr sie so verdammt gut hingekriegt habt. Eine Retro-Platte, die nicht retro klingt.
SL: Das trifft es. Ich hatte zudem das Gefühl, dass niemand anders dieses Album gemacht hätte. Ich musste es machen. Wenn ich mitbekommen habe, dass andere sich daran versuchen, da war da immer noch dieses leicht Süffisante, Ironische. Das kann cool sein, bedeutet aber auch, dass Du noch nicht bereit bist, den ganzen Weg zu gehen, dass Du nicht mit genügend Ernsthaftigkeit bei der Sache bist. Es stand zu befürchten, dass sich einige just auf jene Dinge kaprizieren, die ich ausgemerzt habe. Die Sachen, die es meiner Meinung nach nicht wert waren, dass man sie behält. Egal, am Ende ist ja eine Frage des Geschmacks. Und ich wollte einfach keine Slap-Bässe, Saxophon-Soli und Dinge in dieser Art. Wenn man es damit übertreibt kommt am Ende nur Comedy heraus. Und ich wollte mit dem Album keinen Witz machen. Sondern was richtiges, was Echtes. Lass uns einfach nur die besten Teile nehmen und mit denen arbeiten.

JM: Auch wenn Du keine Saxophon-Soli haben wolltest – Bläser sind trotzdem auf dem Album – hast Du die eingespielt?
SL: Nein. Die Spuren stammen von meinem Freund Ben Greenslade. Er spielt Trompete und Posaune. Das Meiste auf dem Album aber habe ich eingespielt. Von Andy stammen alle Vokal-Spuren. Nur bei ein paar Background-Sachen habe ich auch mitgemacht. So gesehen haben wir das Album also zu zweit aufgenommen. Terry Lewis, der Gitarrist von Mama’s Gun hat die Gitarre für „Long Way Back“ beigesteuert. Und das war’s.

JM: Was ist mit dem Mundharmonika-Part auf „So Bad“ – hatte Stevie Wonder keine Zeit?
SL: Nee-nee – das ist Andy.

JM: In fast jeder öffentlichen Stellungnahme hast Du betont, wie sehr du ein Album wie dieses schon immer hattest machen wollen, das aber irgendwie nie ging und jetzt ist tatsächlich doch passiert – heißt das, Du hakst das jetzt ab oder kommt da noch was aus dieser Richtung?
SL: Ja, ein Häkchen habe ich auf jeden Fall dahintergesetzt. Allerdings habe ich es geliebt, an dieser Platte zu arbeiten. Mit Vergnügen würde ich noch eine machen wollen. Aber es hängt natürlich auch davon ab, was Andy will, und wie der terminplan von allen anderen so aussieht. Es wird auch darauf ankommen, inwieweit wir mit dem Album Leute erreichen können. Wie klein oder groß der Erfolg auch ausfällt, danach wird sich alles Weitere richten müssen. Mit der richtigen Infra-Struktur und wenn alle Rädchen ineinander greifen – was gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist ganz nebenbei – wenn man das sicherstellen könnte und dann auch noch ein paar Gigs live spielen könnte, würde das mit Sicherheit einige Leute zum Weitermachen veranlassen. Musikalisch bin ich ja angefixt. Aber wie gesagt – Young Gun Silver Fox ist eine Partnerschaft zwischen mir und Andy. Je nachdem, was er anpeilt, hätte ich Lust noch heute Teil 2 anzufangen. Wir haben ja sogar noch vier oder fünf Songs auf Lager, die es nicht auf’s Album geschafft haben, weil wir uns konzeptionell auf nur 10 Songs geeinigt hatten. Eigentlich ist das total hirnrissig, dass wir sie nicht mit aufs Album gepackt haben. Sie sind so gut.

JM: Hast Du von dem Projekt Cool Uncle gehört, dass Bobby Caldwell und Jack Splash auf die Beine gestellt haben?
SL: Ja, Ich kenne zwar nur einen Track, aber ich mag Bobby. Und ich habe früher seine Alben gekauft. Ich habe sogar ein paar seiner Songs in Bands gecovert. Was die beiden machen, ist eine gute Idee und ein weiteres Beispiel dafür, wie man diese Musik reinterpretieren kann. Noch eine neue Perspektive. Genau wie die „Too Slow To Disco“– Compilations. Solche Sachen machen mir Mut. Sie bestätigen mich.

JM: Ich habe mir die Masters At Work Session angeschaut, wo Ihr eine Aufnahme innerhalb von zwei Stunden realisiert – habt Ihr so auch das Young Gun Silver Fox Album  aufgenommen?
SL: Ja, nur dass es nicht zwei Stunden gedauert hat. Was den Arbeitsprozess angeht, lief es aber ziemlich genau so ab.

JM: Auf Tonband?
SL: Ja.

JM: Mit Pierre als Ton-Ingenieur?
SL: Ja, mit Pierre. Und natürlich schnell. Bei den meisten Nummern habe ich zuerst die Drum eingespielt und zwar erst einmal auf Tonband. So wie es in dem Video gezeigt wird, haben wir es auch gemacht.

JM: In unterschiedlichen Zusammenhängen hast Du auf die Tatsache hingewiesen, dass ein Teil Deines Musik-Equipments verhältnismäßig günstig war. Und dass es Dir ein vergnügen, Leute darüber aufzuklären, die denken, Du hättest ausschließlich State of The Art High End Gear benutzt. Was davon ist auf „West End Coast“ zu hören?
SL: Da wäre einmal dieses Yamaha Keyboard namens PSS 380, ein Plastikding aus den 1980ern, das ich für rund 30 Pfund geshoppt habe. Ich liebe dieses Ding und habe auch Andy darauf angefixt. Das war sogar noch vor dem Young Gun Silver Fox Projekt. Also hat er sich auch eins besorgt. Das habe ich übrigens bei vielen Leuten gemacht – ihnen das PSS 380 aufzuschwatzen. Andy und ich haben es für die Aufnahmen von „West End Coast“ beide verwendet – Billigheimer an der Arbeit, wenn Du so willst. Wir reden hier von einem 80-ies Keyboard, das wir benutzt haben um Musik zu interpretieren, die im Jahrzehnt davor modern war. Das ist nicht nur per se cool, sehr unterschwellig bringt es auch etwas in die Musik rein, etwas, was die Original Musik von damals einfach nicht hatte, nicht haben konnte. Was das günstige Equipment angeht – damit haben wir sehr viel auf dem Album gemacht. Da gab es aber auch noch anderes. Zum Beispiel, der Bass, mit dem ich das meiste eingespielt habe, der war nicht teuer. 350 Pfund vielleicht, aber die Leute sagen, es würde sich anhören wie ein Vintage Fender Bass für das Zehnfache. Übrigens auch ein 1980er Produkt.

JM: Zeitlose 1970er Musik mit billigem 1980er Equipment machen.
SL: Absolut. Ich stehe auch auf mein Space Echo, das ebenfalls aus den 1980ern stammt. Die Snare ist aus den 1980ern. Definitiv mehr 80er Gerät als 70er Equipment.

JM: Danke für das Interview.

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