Fair Gewinnt – Content Aggregator & Vertrieb recordJet

„It can be done but only I can do it“ – Omar-S und Jorin Zschiesche sind gar nicht soweit entfernt davon, Brüder im Geiste zu sein. Wichtig ist ja nicht, was, sondern dass man’s macht. Und während der ehemalige Bandarbeiter aus Detroit inzwischen nicht mehr Autoteile, sondern House-Beats verschraubt, gründet der HipHop-Afficionado aus Stuttgart den Digital-Vertrieb recordJet.

So banal und quasi unverfilmbar sich manche Geschichte anhört, als so wahr entpuppt sie sich dann oft auch. Zusammen mit Freunden war Jorin Zschiesche auf der Suche nach Möglichkeiten, ein Album zu veröffentlichen. „Jedoch haben mir die existierenden Angebote nicht gefallen.“ Zu teuer, zu undurchsichtig, zu wenig auf die Bedürfnisse der Künstler zugeschnitten. Und was macht jemand wie Zschiesche? Es selbst. Zwei Dinge lagen DIY-Zschiesche dabei vor allem am Herzen: fair sollte das Angebot sein, das er anderen Musikern machen wollte, und transparent. Mit dem, was man landläufig unter künstlerische Entscheidungsprozesse subsumiert, wollte er allerdings so wenig wie nur möglich in Berührung kommen. Ein eigenes Musiklabel im klassischen Sinne konnte und sollte es also nicht werden.

 

Der nächste logische Schritt innerhalb der musikwirtschaftlichen Verwertungskette aber ist der Vertrieb und Content Aggregator. Noch in Dresden beheimatet, machte Zschiesche folgerichtig Nägel mit Köpfen und gründete recordJet. Zwei Jahre, hunderte zufriedener Künstler und einen Umzug nach Berlin später zeigt sich, dass der Gründer mit seinem unerschütterlichen Glauben an „das Potenzial im Musikmarkt“ Recht behalten hat. Zschiesche sieht sich allerdings auch in anderer Hinsicht mehr als bestätigt. Die Tatsache, dass der Flaschenhals Vertrieb spätestens seit der Digitalisierung seinen Status als Privileg der Großen eingebüßt hat, machte er zur Grundlage eines Geschäftsmodells, das auf ein langfristiges Miteinander, statt auf ein kurzfristiges Nebeneinander setzt.

Dass der Gründer und Geschäftsführer kein Interesse am Aufbau einer karitativen Einrichtung hat, darf darüber nicht hinwegtäuschen. Die Entscheidung, sich die angebotenen Services nicht über eine Verkaufsbeteiligung vergüten zu lassen, sondern Künstlern und Labels diese für eine einmalige Gebühr zur Verfügung zu stellen, hat dennoch nicht nur ökonomische Gründe. „Verkaufsbeteiligungen haben meiner Meinung nach nur diejenigen verdient, die wirklich aktiv etwas für den Verkauf und die Verkaufssteigerung tun. Es kann nicht fair sein, wenn man ohne großes Zutun an jedem Verkauf und Stream unverhältnismäßig hoch beteiligt ist.“ Deshalb war es ihm auch ein besonderes Anliegen, die Kette derjenigen, die mitverdienen, so klein wie möglich zu halten und recordJet als Kombination aus Vertrieb und Content Aggregator mit zusätzlichen Labeldienstleistungen aufzustellen. „Nur so ist es möglich, dass tatsächlich 100% der gezahlten Einnahmen vom Store auch beim Künstler oder Label ankommen.“

Selbstredend muss sich diese moralisch begrüßenswerte Einstellung natürlich auch rechnen. „Sonst würden wir das nicht machen.“ Wer aber Musikern die weltweite Veröffentlichung und den digitalen Vertrieb eines Albums zum Preis eines Fast-Food-Menüs plus Herrenhandtasche anbieten kann, dem darf ökonomische Sorgfältigkeit ruhig unterstellt werden. Digital ist aber längst nicht alles, was recordJet anbietet und kann. Traditionelle, also physische Vertriebswege, können mit Hilfe der inzwischen in Berlin ansässigen Firma ebenso realisiert werden, wie Promotion und Videoproduktion.

Über den Wolken jedoch schwebt bei recordJet jedoch keiner. Zum Glück. Und trotz des beständigen Wachstums, der bislang zu immerhin einem halben dutzend Angestellter geführt hat. Nicht unentscheidend dabei war und ist Zschiesches ansteckende Bodenständigkeit. Sie gipfelt in dem simplen Grundsatz: Je besser recordJet dafür sorgen kann, dass am Ende mehr Geld bei den Künstlern ankommt, desto eher und natürlich mehr lohnt es sich auch für den Überflieger recordJet. In diesem Sinne: ready for take-off.

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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