„Ich bin echt ein absoluter Live-Mensch“ – AVEC im Interview

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Auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival durften wir uns nicht nur wunderbare Musiker live anhören, sondern diese auch noch treffen und mit Fragen löchern. So kam es, dass wir an einem sonnigen Mittag auch mit der sympathischen, jungen, österreichischen Dame AVEC zusammen saßen und mit ihr über Vieles quatschten, natürlich auch über ihren Auftritt beim Reeperbahn Festival und über ihr erst einen Tag zuvor erschienenes Album „What If We Never Forget“:

JOINMUSIC: Hier neben mir liegt ja auch schon Dein Flyer mit den Terminen und dem Album… Gestern ist es ja nun endlich erschienen, Dein Debutalbum „What If We Never Forget“. Erst einmal: herzlichen Glückwunsch! Aber wie fühlt sich das denn jetzt an?
AVEC: Danke, danke! Ja, großartig. Also wirklich einfach superschön. Es war einfach so viel Arbeit und entsprechend schön ist es, dass es jetzt endlich da ist.

JOINMUSIC: Wie lange hast Du denn am Ende jetzt an dem Album gearbeitet?
AVEC: Wir haben glaube ich wirklich 1,5 Jahre daran gearbeitet. Es war auf jeden Fall ein ganzes Stück Arbeit.

JM: Und dann hält man’s irgendwann endlich in den Händen.
AVEC: Ja, ganz genau, das ist echt das schönste Gefühl.

JM: Freust Du Dich denn auch, das Album jetzt auch direkt live präsentieren zu können?
AVEC: Auf jeden Fall. Und grade jetzt hier auf dem Reeperbahn Festival, das ist echt Wahnsinn.

JM: Was bedeutet das denn für Dich, live zu spielen? Auch hier auf dem Reeperbahn Festival?
AVEC: Ja, also ich bin echt ein absoluter Live-Mensch. Ich bin keine Studio-Musikerin, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Ich liebe es einfach, live zu spielen und dann jetzt auch mit der Tour und jetzt auf dem Reeperbahn Festival, das ist wirklich so toll.

JM: Ich habe auf Facebook gelesen, dass Du als Deine Einflüsse „my youth“ angegeben hast.
AVEC: So ist es.

JM: Was bedeutet das denn genau? Hast Du Dir gedacht, dass es darum geht, was Du erlebt hast, oder geht es da um Deine musikalischen Einflüsse, oder was genau steckt dahinter?
AVEC: Ja, es ist schon so, dass meine Familie sehr musikalisch ist. Ich habe sehr bald, also mit 6 Jahren, angefangen Geige zu lernen. Und dann Gitarre. Und ja, ich schreibe tatsächlich grundsätzlich über meine Jugend. Über meine Kindheit, was so alles passiert ist. Aber auch andere Einflüsse, wie zum Beispiel die Natur, die verschiedenen Stimmungen. Ich liebe es, draußen zu sein und auch draußen zu schreiben. Also da fließt am Ende dann auch ganz, ganz viel rein.

JM: Es gibt ja auch diesen Song, der „Youth“ heißt, geht es dann da also auch um Deine Jugend?
AVEC: Auf jeden Fall, ja. Der Song handelt davon, dass ich meine Kindheit, meine Jugend Revue passieren lasse. Ich habe den Song im Auto geschrieben, als Beifahrerin und da sind wir von einem Konzert nach Hause gefahren. Und die erste Zeile von dem Song ist ja „as a child I thought the moon was walking beside me“. Und es war wirklich so, der Mond war am Himmel und wir sind da so mit dem Auto langgefahren und als Kind denkt man sich halt immer, der Mond geht mit einem mit. Und deswegen war das dann so der Start für den Song.

JM: Wie cool. Ich wollte Dich jetzt fragen, wie Deine Songs so entstehen, ein bisschen was hast Du ja jetzt schon erzählt, wovon Du Dich inspirieren lässt und worum es geht und so.
AVEC: Meine Texte sind auf jeden Fall alle autobiographisch. Und ich schreibe echt immer an ganz unterschiedlichen Orten. Wie gesagt, im Auto, oder im Zug, oder draußen. Beim Spazierengehen, auf eine Parkbank. Oder auch mal zu Hause in meinem Zimmer mit meiner Gitarre. Und der Song entsteht dann einfach irgendwie so. Und das ist auch immer total schön. So, den Entstehungsprozess von Songs, den mag ich echt gerne, das ist echt schön. Und am Ende fängt aber immer alles mit der Akustikgitarre an. Akustikgitarre und Text, das ist immer so das basic Ding. Und von da aus geht es dann weiter in die Demoproduktion und dann halt schlussendlich ins Studio.

JM: Schreibst Du denn immer oder viel alleine, oder vielleicht auch mal mit den Leuten aus Deiner Band, oder vielleicht auch mit Freunden oder so?
AVEC: Nene, das geht bei mir irgendwie gar nicht. Also wir haben das echt mal probiert, mit der Band zusammen zu schreiben, aber das funktioniert nicht. Ich schreibe nur alleine und dann brauche ich auch wirklich meine Ruhe. Das funktioniert dann auch nicht, wenn meine Mum ins Zimmer kommt und dann sagt: „Kannst Du staubsaugen?“, oder so [lacht]. Also da brauche ich dann wirklich meine Ruhe.

JM: Verständlich. Du hast ja grade schon erzählt, Du hast erst angefangen, Geige zu spielen, dann hast Du Gitarre gelernt, aber wann hast Du denn gemerkt, dass Du auch gerne Deine eigenen Songs schreiben würdest?
AVEC: Das Texten habe ich so mit 12 Jahren begonnen, so Gedichte, oder dann ein bisschen was auf Englisch, aber dann noch ohne Begleitung von irgendeinem Instrument. Und mit 14 Jahren habe ich mir dann das Gitarrespielen beigebracht, mit Akkorden, weil ich keine Noten lesen konnte.

JM: Und, immer noch nicht?
AVEC: [lacht] Nein… Und ja, so ist das Ganze dann entstanden. Dann habe ich die Songs irgendwann auf Soundcloud hochgeladen und dann auch immer auf Feedback gehofft, dass mir jemand sagt, das ist ganz cool oder so. Was dann ja auch so war. Und irgendwann kam dann auch der Gedanke, dass man ja auch mal live spielen könnte. Und so hat sich das dann alles ergeben.

JM: Und wie war dann Dein erster Live-Auftritt, wo war das, kannst Du Dich noch erinnern?
AVEC: Ja, also, ich habe vorher auch schon im Theater, in der Schule gesungen und so. Aber wirklich live mit meinem Projekt, was früher noch ein Duo-Projekt war, bin ich dann das erste Mal im Vöcklabruck auf einem kleinen Festival aufgetreten. Ja, und das war echt cool, wir haben da zu zweit gespielt und es waren auch echt relativ viele Leute da und die haben das super aufgenommen und das war dann einfach echt cool.

JM: Und da hast Du dann auch schon auf Englisch gesungen?
AVEC: Jaja, auf jeden Fall. Es sind auch sehr viele Songs, die jetzt auf dem Album sind, von damals.

JM: Wow, beeindruckend.
AVEC: Also das sind dann echt teilweise Songs, die ich mit 16 so geschrieben habe. Oder mit 17 und ja, jetzt sind sie auf diesem Album.

JM: Toll, wirklich. Und Du sagst, Du hast als Duo angefangen, und jetzt hast Du ja auch eine Band, aber Du spielst ja auch sehr viel alleine, oder?
AVEC: Ja, auf jeden Fall. Also grade so Sessions und so habe ich in letzter Zeit jetzt viel solo gemacht, was auch immer cool ist. Und dann heute, den Gig auf dem Reeperbus, den machen wir dann als Duo – back to the roots. Und heute Abend in der Großen Freiheit, da spielen wir dann zu viert.

JM: Und wenn Du dann alleine auf der Bühne stehst, wie ist das Gefühl für Dich? Ist das wie beim Schreiben, dass Du sagst, das ist eigentlich echt perfekt, das sind nur ich und die Musik, oder ist es mit Band auch ein schönes Gefühl zu wissen, ach, da ist ja noch wer?
AVEC: Ja, ja… Es hat halt so seine Vor- und Nachteile. Dadurch, dass ich ja zumindest immer meine Gitarre dabeihabe, fühlt man sich dann nicht ganz so alleine. Aber mit Band, klar, da hat man dann diesen Rückhalt und Du weißt, dass hinter Dir jemand ist und neben Dir und das ist dann ein anderes Gefühl. Auf jeden Fall ist beides wahnsinnig schön!

JM: Und wie genau ist Deine Band entstanden, sind das Freunde von Dir, kanntet Ihr Euch schon vorher?
AVEC: Ja, mit dem Andi bin ich in die Schule gegangen. Und Lukas, der Schlagzeuger, wir haben zusammen in so einer Schulband gespielt und Ross, der Bassist, der ist jetzt ganz frisch dabei.

JM: Na, sehr cool. Und, das Reeperbahn Festival, hast Du schon ein bisschen was mitbekommen?
AVEC: Naja, also wir sind gestern angekommen. Also vorher waren wir noch in Berlin und dann von Berlin nach Hamburg und dann sind wir hier ins Hotel und dann noch mal ganz kurz auf die Reeperbahn, haben was gegessen, was getrunken und sind dann aber auch direkt wieder zurück ins Hotel. Und dann heute Morgen direkt die erste Session um 10. Und ja, so habe ich eigentlich noch nicht so wirklich viel vom Festival mitbekommen.

JM: Und gehst Du denn privat auch schon mal auf Festivals oder Konzerte? Mit Sicherheit, oder?
AVEC: Auf jeden Fall. Ich gehe echt total gerne auf Festivals und auf Konzerte. Mal, um zu schauen, ok, wie machen die das… Zum Beispiel bei den Moderationen. Ich bin nämlich eigentlich nicht so der Typ, der viel zwischen den Songs redet bei Konzerten. Und so kann man sich dann doch auch mal was abschauen.

JM: Und Thema Idole… Ich habe gelesen, dass Du früher Taylos Swift ganz gut fandst – oder findest Du vielleicht auch immer noch.
AVEC: Nein. [lacht] Ja, also das war so mit 14, als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, da habe ich ihr erstes Album, das so Country-Musik war, Musik, die ich echt gerne mag, viel gehört. Und heute ist das ja echt kein Country mehr, was sie macht. Und naja, wegen ihr habe ich dann mit dem Gitarrespielen angefangen, weil mir das wirklich so gut gefallen hat, wie sie das macht. Und ja, nun, heute hat sie sich halt ganz schön verändert.

JM: Und was sind dann heute so Deine Einflüsse, oder wie hat sich Dein Sound überhaupt zu dem entwickelt, was er jetzt ist? Weil das ist ja auf jeden Fall auch kein Country oder Taylor Swift, also wird es sicherlich noch andere Einflüsse geben.
AVEC: Auf jeden Fall. Ich liebe auch Jazz und Blues. Oder John Mayer, B.B. King, Eric Clapton und so weiter. Und meine absolute Lieblingsband ist Kings of Leon, was man jetzt so vielleicht nicht sofort sagen würde. Und dann aber auch Singer/Songwriter, also all sowas durch die Bank durch.

JM: Interessant. Und wie genau hat sich dann Dein Sound entwickelt? Weil man hört ja auch viele verschiedene Elemente bei Dir. Da ist ja auch mal was Elektronischeres dabei und so.
AVEC: Ja, total. Also die elektronischen Elemente haben wir echt ganz bewusst gewählt. Wir haben gesagt, Singer/Songwriter gibt’s ja nun wirklich schon sehr, sehr viele und auch sehr, sehr gute und wir haben dann gesagt, wir wollen dann so einen Touch von den elektronischen Elementen mit reinnehmen, damit es dann ein bisschen anders ist. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.

JM: Ja, total. Das Album ist echt super, ich hab’s jetzt echt schon öfter durchgehört.
AVEC: Dankeschön!

JM: Lass uns doch direkt mal noch ein bisschen über die Songs quatschen. „Granny“ war ja so Deine erste offizielle Single, warum genau hast Du Dich denn für diesen Song entschieden?
AVEC: Ach, irgendwie kam das so. Wir haben an der EP gearbeitet und irgendwann kommt man an den Punkt, da muss man sich entscheiden, ok, welchen Song haut man jetzt raus und ja. Mit „Granny“ waren wir alle echt happy und der ist ja dann auch wirklich gut angekommen.

JM: Ja, total. Und danach kam dann ja „DeadD als nächste Single. Und das ist ja schon ein Song mit einem schwierigeren Thema, aber auch mit einem wirklich tollen Video. Wie kam es denn zu diesem Song und dann natürlich auch zu der Videoidee?
AVEC: Ja, also der Song ist tatsächlich auch schon älter. Den habe ich echt auch schon vor ein paar Jahren geschrieben. Und wenn man den Song jetzt mal mit „Granny“ vergleicht, dann ist das ja ein sehr ernster Song. Und da geht es um die innere Leere. Also sich einfach wirklich total leer zu fühlen und total am Boden zu sein. Weil ich mir gedacht habe, dieses Gefühl kennt doch eigentlich jeder. Man hat halt nicht immer einen guten Tag und man fühlt sich einfach nicht immer gut und deswegen. Darum geht’s eigentlich. Und die Idee zu dem Video ist so entstanden, dass wir auf jeden Fall die Natur mit einbinden wollten. Auch einfach, weil ich ein ganz, ganz naturverbundener Mensch bin. Also ich wohne auch bewusst nicht in Wien oder in einer Großstadt, ich wohne noch auf dem Land, ich wohne noch zu Hause – und ich liebe es einfach. Und ich möchte auch eigentlich gar nicht in die Stadt ziehen. Und ja, deshalb dachte ich mir, dieses Element will ich unbedingt in dem Video mit drin haben.

JM: Tolle Idee, ich finde, das passt echt hervorragend und vermittelt den Song auch echt in einer schönen Weise. Und der Song „Darling“, was hat es denn damit auf sich? Mir gefällt der richtig gut.
AVEC: Jaaa, in dem Song geht es um die Liebe, „Darling“, natürlich. Es geht ums wirklich sehr, sehr doll Verliebtsein. Also darum, wenn man eine Person einfach nicht aus dem Kopf bekommen kann. Egal wo man ist, was man macht, sogar im Schlaf. Und genau das wollte ich durch diesen Song vermitteln. Weil das ist ja auch so ein Gefühl, das kennt man irgendwie, das hat ja auch bestimmt schon jeder mal erlebt.

JM: Echt spannend. Also auch, wenn Du erzählst, dass es ja irgendwie sehr persönliche Sachen sind und dann ist es ja doch so, dass es ein Gefühl ist, was jeder kennt. Und das macht Musik ja auch aus.
AVEC: Ja, ich find’s auch schön, wenn man sich selbst in Musik hineinversetzen kann.

JM: Jetzt spielst Du ja heute erst einmal auf dem Reeperbahn Festival, aber dann folgt ja auch direkt eine sehr große Tour. Ja, Du freust Dich wahrscheinlich, die Frage kann ich mir wohl sparen, aber wie ist denn das Tourleben für Dich? Warst Du schon einmal so lange auf Tour?
AVEC: Ne, also so lange jetzt nicht. Aber wir waren als Support schon mal mit auf Tour bei Julian le Play, so ungefähr zwei Wochen lang. Und ich liebe es, wirklich! Es ist einfach so super, wenn man sich mit der Band versteht, so wie wir es haben, wir kennen uns ja auch schon sehr lange. Und dann ist es quasi so, wie eine kleine Familie. Und ja, das ist so schön. Und dann das Live-Spielen. Aus dem Studio raus und dann so eine Tour, das kann man sich echt nur wünschen.

JM: Ja, super, dann bleibt mir ja nur, Dir da und auch heute Abend ganz viel Spaß zu wünschen!
AVEC: Dankeschön. Und danke fürs Interview.

JM: Dank Dir!

Foto (c) Max Parovsky

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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