„Ich habe einfach richtig viel Glück grade“ – Finna im Interview

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Vor zwei Wochen erschien Finnas Song „Musik ist Politik“ auf Vinyl. Auf der Audiolith Splitsingle #8. Das war Finnas erste Veröffentlichung. Denn so richtig los ging es eigentlich erst Anfang des Jahres. Es ist also viel passiert und das sollte uns Finna doch mal im persönlichen Gespräch genauer erzählen: 

JOINMUSIC: Ich habe gedacht, irgendwie bist Du ja noch so ein kleines Mysterium, so lange gibt’s Dich als Musikerin Finna ja auch noch gar nicht – vielleicht fangen wir damit an, dass Du einfach mal so ein bisschen was über Dich erzählst. Was Du so machst, Deine Musik, das Drumherum.

Finna: Ja, ich bin Finna, ich mache seit Januar HipHop mit Klavier und singe dann dazu und bastle Beats. Und versuche mich gegen sexistische Kackscheiße auszudrücken. Und dann kommen manchmal noch Gedichte dazu. Joa. Und so richtig los ging das ja eigentlich alles als ich mich dieses Jahr bei Krach & Getöse beworben und dann da bei Rockcity e.V. den Preis gewonnen habe. Das ist ein ganz tolles Musiker/innen-Netzwerk und die helfen mir natürlich durch ein Jahr Newcomer-Förderung wie eine zweite Familie.

JM: Wahnsinn, also ganz schön was los bei Dir. In dem Pressetext über Dich steht, dass Du Frau, Mann, Kind und Köter bist. Wieso das? Was macht Dich zum Mann, zum Kind, zum Köter?

Finna: Also auf jeden Fall bin ich verspielt… Und der Name Finna alleine: das ist eine Kombination aus Finn und Jana. Mein bürgerlicher Name ist Jana und Finn ist der Name, den meine Mutter mir gegeben hätte, wenn ich ein Junge geworden wäre. Und mir gefiel die Mischung aus beidem, weil ich mich auch selber eher so in der Mitte sehe. Denn ich mag einen Tag total aufgeballert sein bis zum geht nicht mehr, Schminke drauf und alles was geht und den nächsten Tag dann Baggies, gar nicht geschminkt und einfach raus aus dem Bett… Und Köter, weil auch manchmal sehr hässlich und reudig. Wie ein Mensch eben ist. Es macht mich also nicht einzigartig in der Art, aber ja, auf jeden Fall lebe ich alles sehr aus.

JM: Dann steht da auch noch Totalverweigerin in dem Text. Inwiefern?

Finna: Totalverweigerung gegen Normativität, sich anzupassen, Dinge zu tun, die Leute von mir erwarten zu tun. Zum Beispiel… eigentlich alles, was man hätte machen müssen, so, das habe ich nicht gemacht. Ich habe die Schule abgebrochen, ich habe eigentlich immer alles abgebrochen. Also für den Mainstream bin ich eigentlich eher so die Looserin. Aber dadurch, dass man sich ja auch selber weiterbilden kann und man vieles selber in die Hand nehmen kann, verweigert man sich vielleicht dem einen, dem Normativen, aber man holt sich dafür halt was anderes, was Schönes. Also ich habe etwas Negatives in was Positives verwandelt.

JM: Sind das auch die Ansichten, die Dich zur Musik gebracht haben? So von wegen, ich habe ein besonderes Denken und ich möchte daraus was machen und nicht diesen normalen Weg gehen und am Ende keine Ahnung… im Büro sitzen und mich nicht so ausdrücken können, wie ich es eigentlich wollen würde.

Finna: Hmm… Ja, ja, auch… Also, da ist auf jeden Fall ganz viel in mir drin, das ich Jahre lang immer nur heruntergeschluckt habe. Da ich mich echt fast nie getraut habe, zu sagen, wenn mich was stört. Und ich hatte echt immer das Gefühl, ich bin nicht gut genug, nicht cool genug. Wobei, das denke ich eigentlich immer noch. Aber es einfach trotzdem zu machen. Sich trotzdem dahinzustellen. Zu sagen, okay, ich bin zwar voll die Wurst, aber das ist vielleicht auch ok so.

JM: Aber das ist ja umso mutiger. Wie kam’s denn dann dazu, dass Du dann echt gesagt hast, okay, ich ziehe das durch, ich traue mich das jetzt?

Finna: Es hat auf jeden Fall auch viel Mut von außen gebraucht. Erstmal war die Wut irgendwann so groß, dass ich nicht mehr leise sein konnte und mir dachte, nö, ganz ehrlich, ich muss das jetzt alles einmal loswerden. All das, was mich so stört: auf Partys angegrabscht zu werden und immer wieder auf Äußeres runterreduziert zu werden. Und dann zu sagen, ich trage nur noch weite Klamotten, damit mir das nicht mehr passiert… Ne, ich dachte mir dann, das kann echt nicht die Lösung sein. Ich möchte das alles irgendwie verbinden und es sollte sich was von außen verändern. Und nicht von mir aus. Und ich versuche sozusagen zu der Veränderung beizutragen. Ein Versuch, einen Dialog aufzumachen. Ich will gar nicht irgendwen fertig machen… Das hört sich oft so an, wenn Themen mit Feminismus zusammengebracht werden dann heißt es, die meckern die ganze Zeit, das sind männerhassende Menschen, aber das bin ich nicht. Ich finde Männer super und andere Männer, die das supporten, was ich denke. Und die sagen, hey, ne, Gleichberechtigung ist schon ziemlich geil, mit denen bin ich auch auf jeden Fall total fresh. Und es gibt echt total viele Boys, die ich ganz super finde.

JM: Aber ich find’s trotzdem super, dass Du Dich das traust. Weil grade Frauen sind doch die, die dann sagen, hm, ne, dann schweige ich vielleicht lieber… Oder dann drehe ich mich halt um, wenn ich angegrabscht wurde und gehe weg.

Finna: Ja, ich glaube das ist auch echt so ein Hauptproblem von Frauen, dass sie gemocht werden wollen. Also, na klar, alle Menschen möchten irgendwie gemocht werden… und das ist ja auch eine berechtige Angst, nicht gemocht zu werden. Aber manchmal muss man seinen Mund halt aufmachen. Und dann muss man da auch mal drauf scheißen und ehrlich zu sich selbst sein. Das finde ich ist echt der erste Ansatz.

JM: Und wie bist Du überhaupt zur Musik gekommen? Also war das irgendwie ganz klassisch, dass du als Kind Blockflöte gespielt hast, oder so?

Finna: Nö, ich habe immer nur alle genervt einfach. Also wenn irgendwo Musik war, dann ist die kleine Finna immer dazwischen durchgehopst und hat so laut mitgesungen, wie es nur ging. Alle hätten sich am liebsten einfach nur Kopfhörer aufgesetzt. Aber hey, das ist ja auch ok. Und ich brauchte das immer so, als Blubberblase für mich selber so. Ich lass mit Musik jetzt mal richtig die Sau raus.

JM: Also hast Du schon immer quasi für Dich gesungen.

Finna: Ja, genau. Aber es war alles autodidaktisch. Meine Eltern hatten nie Kohle, um mir irgendwie Unterricht zu bezahlen oder so. Ich hatte halt immer voll Interesse daran, aber hat halt nicht so geklappt, die Möglichkeiten waren einfach nicht da. Und dann kann ich mich noch daran erinnern, dass ich mir meine erste Gitarre im Otto-Katalog bestellt habe für 30 Mark oder so. So eine richtige Ranzgitarre ohne irgendwelche Qualitäten. Hauptsache ich konnte damit was machen. Und dann kam das alles so… Und im Januar war dann die erste Anfrage von Rockcity, auch mal was alleine zu machen. Ich habe da mehrere Workshops mitgemacht und dachte, cool man, alles voll geil. Und auch irgendwie so, oh mein Gott, das kann man ja wirklich alles einfach machen. Weil vorher habe ich das so nie für mich in Erwägung gezogen. Weil ich Angst hatte, Angst vor dieser Unsicherheit. Und irgendwann wusste ich, ok, du musst Dir den Arsch aufreißen, aber dann geht das schon.

JM: Ich finde das auf jeden Fall absolut bewundernswert, wenn man auf die Bühne geht, und da was macht. Und ich finde, Singen ist das eine… also gut, die Stimme ist das erste, was versagen könnte, wenn man aufgeregt ist. Aber wenn Du jetzt sagst, dass Du Dir alles selbst beigebracht hast, dann finde ich das umso bewundernswerter, dass Du neben dem Gesang auch noch Instrumente spielst.

Finna: Ja, aber dafür sind das auch immer nur so 2, 3 Akkorde. Aber aus denen hole ich dann immer alles raus. Aber ja, das macht einfach enorm viel Spaß und der Spaß steht da auf jeden Fall im Fokus. Achso, aber ich hatte schon Gesangsunterricht. Da habe ich zumindest mal so eine Ausbildung angefangen, aber ja, die habe ich auch abgebrochen. Ne, das tat mir irgendwie nicht gut so.

JM: Aber gut, trotzdem bist Du ja dran geblieben.

Finna: Ja, also ich war auf so einer Musicalschule und das war für mich echt die Hölle, das hat mir nicht gut getan.

JM: Und wann wusstest Du, dass es Hip Hop sein soll? Wie bist Du auf diese Rap-Hip Hop-Schiene gekommen?

Finna: Eigentlich hat mich Hip Hop sehr lange echt gar nicht interessiert. Ich fand Hip Hop eigentlich immer ziemlich scheiße. Weil ich oft mit den Inhalten nichts anfangen konnte. Und dann dachte ich immer so, ne, ich muss mich doch jetzt hier nicht beschimpfen lassen. Ich muss mich jetzt auch nicht objektivieren lassen. Ich find’s einfach geil zu erzählen, was ich denke und fühle. Und dann waren da diese ganzen Zeckenrapper, also was da so um das TickTickBoom-Kollektiv herum passiert,  die haben mich dann maßgeblich wieder zurückgeholt. Die haben dafür gesorgt, dass ich mich überhaupt wieder mit Hip Hop auseinander setze. Weil soundmäßig fand ich das immer geil, aber ich konnte mit den Inhalten einfach nichts anfangen. Aber als ich dann gesehen habe, hey, das geht auch anders und man kann ja echt auch andere Inhalte einfügen, da dachte ich mir dann, ja, warum denn nicht. Da kam das dann so alles. Also Kobito, auf seinem Konzert war ich, und er war echt der Erste, der mich da wieder zurückgebracht hat. Das war auch noch immer das coolste Konzert meines Lebens, weil das einfach so eine krasse Energie war in diesem Raum. Das waren jetzt gar nicht so krass viele Leute oder so, aber alle haben irgendwie so das gleiche gefühlt. Und wenn man so weiß, da ist so eine Grundstimmung da so bestimmte Dinge scheiße zu finden und bestimmte Dinge auch total gut zu finden, so einen kleinen Raumkonsens zu haben quasi, das war einfach magisch. Und ich dachte nur so: bor krass, das will ich auf jeden Fall auch so! Egal wie viele oder wenig Leute da sind, aber einfach diese Energie, das will ich haben! Das finde ich total geil! Und dann hat er mich auch ziemlich darin bestärkt.

JM: Wie habt Ihr Euch denn überhaupt kennengelernt?

Finna: Auf dem Konzert da. Ich bin da hingekommen, weil eine Freundin mir die Karte geschenkt hat und ich kannte den vorher gar nicht. Und irgendwie hat er mich danach angequatscht, gefragt, ob wir nicht ein Bierchen trinken wollen. Und dann habe ich gesagt, ja, wieso denn nicht. Ich musste ihm dann auch sagen, wie cool ich das fand, natürlich. Und darüber kamen wir dann so ein bisschen ins Gespräch. Und ich meinte dann auch, hmm ja, ich würde das ja auch gerne machen, aber ich traue mich irgendwie nicht. Und ich kann auch nicht rappen und so. Und er meinte nur: hey, probier das doch einfach mal!

JM: Und dann hast Du’s gewagt.

Finna: Ja, dann habe ich das einfach mal gemacht.

JM: Und wie kam’s, dass Du dann auch noch das Klavier mit dazu genommen hast? Das sind ja dann teilweise auch richtig ruhige Songs. Ist das dann irgendwie Deine andere Seite, oder das femininere?

Finna: Also das ist auf jeden Fall vor allem im Moment auch ein sehr großer Teil von dem Ganzen. Ich sitze halt viel zu Hause und spiele dann Klavier und versuche dann die Stimmung einzufangen für mich und das geht mit dem Klavier manchmal sehr schnell und sehr einfach. Aber das mit den Beats ist eigentlich das Spannendere. Also auf Dauer möchte ich schon, dass das ein bisschen lauter wird.

JM: Und die ganze Beats, bastelst Du die selber, oder hast Du da jemanden, der Dich da noch unterstützt?

Finna: Also ich habe ganz viele Leute, die mich unterstützen, was erst mal total super ist. Mit LeijiONE habe ich ja „Musik ist Politik“ gemacht, wo er den Beat noch mal so geremixt hat, was total cool ist und was total geil geworden ist, wie ich finde. Der hat echt noch mal so ein bisschen Freshness eingehaucht. Und da werde ich wahrscheinlich schon noch mit ein paar anderen Leuten auch zusammenarbeiten. Die auch Beats machen, selber basteln… Ich zum Beispiel nutze Cubase und habe da meine Spuren, die ich dann alle einzeln einspiele und versuche dann daraus einen Beat zu kriegen. Aber ich brauche auf jeden Fall immer Leute, die mich irgendwie unterstützen. Dennoch ist das Grundgerüst immer von mir ganz alleine. Aber ich find’s immer cool, auch die Augen von Außenstehenden mal drauf zu haben, damit man nicht immer so in seiner eigenen Suppe schwimmt.

JM: Sind das denn selbst auch Musiker?

Finna: Jaja, die machen alle auch Musik. Alles auf jeden Fall gute Leute, die das auch professionell machen.

JOINMUSIC: Weil wir ja grade schon so ein wenig über den Hip Hop-Bereich sprachen und auch wie Du so dazu gekommen bist… ich weiß nicht, wie Du die Frage jetzt findest, aber glaubst Du, als Frau hast Du es schwerer in diesem Bereich?

Finna: Ach, für mich ist das ja auch irgendwie eine andere Zielgruppe. Also Leute, die Kollegah hören, die würden mich natürlich nicht anhören. Aber umgekehrt auch genauso. Und das finde ich auch nicht schlimm. Also ich find’s echt gut für mich, da so meine eigene Sparte zu machen und ich würde mich ja auch gar nicht nur klassisch im Hip Hop sehen. Dadurch, dass ich ja nicht nur rappe, sondern auch Bock auf Singen habe, habe ich natürlich auch Lust, das zu verbinden. Und dadurch ploppe ich ja irgendwie so in die Mitte. Und dann schauen wir mal, wo das so alles hinführt… Schauen wir mal, wie schwer das dann wird. Ich habe keine Ahnung, aber jetzt grade fühlt sich das total gut an.

JM: Hast Du denn auch vor, Dich mit Deiner Musik bewusst für Frauen oder eine bestimmte Szene einzusetzen? Dass Du sagst, ich möchte damit auch auf jeden Fall was bewegen?

Finna: Ne, jetzt nicht speziell für Frauen, aber ich möchte auf jeden Fall Mut machen. Ich möchte Leuten zeigen, die sich nie trauen, was zu sagen, und immer leise sind, dass es trotzdem total wichtig ist, die Gefühle auch mal rauszulassen. Und sich einen Tool dafür zu schaffen, es trotzdem zu sagen. Und sich trauen, einfach was zu machen. Das ist aber nicht speziell auf Frauen, oder Männer, oder was auch immer bezogen, das ist generell für Menschen, die einfach die gleichen Unsicherheiten in sich tragen wie ich auch.

JM: Also ist der Fokus auf jeden Fall dieses Mutmachende.

Finna: Ja, ich habe auf jeden Fall Lust, Mut zu machen, positive Gefühle nach außen zu tragen. Das kann aber auch mal sein, dass man traurig ist, und sich das dann in einem Song widerspiegelt. Also ich finde das manchmal total schön, mir tottraurige Musik anzuhören und das dann voll zu fühlen.

JM: Ja, für sowas ist Musik natürlich ein perfektes Tool. Um alle Gefühle auf eine bestimmte Weise noch mal stärker zu empfinden.

Finna: Aber ja, ich habe auf jeden Fall auch Lust, was mit der Musik zu verändern. Also ich finde die bestehenden Verhältnisse nicht geil. Und ich habe auf jeden Fall auch Lust, mich dagegen auszusprechen.

JM: Du hast ja grade schon den Song „Musik ist Politik“ angesprochen, der erscheint ja morgen auf der Split-Single. Bist Du aufgeregt?

Finna: Jaaa!

JM: Das ist ja eigentlich so Deine erste Veröffentlichung, oder?

Finna: Ja, ganz genau.

JM: Und auf der Single sind ja auch Image Ctrl. Wie kam das, dass Ihr zusammen auf der Single seid?

Finna: Ja, das hat Audiolith so eingefädelt. Die haben das vorgeschlagen und ich dachte nur, oh mein Gott, das ist so cool! Ich freue mich auf jeden Fall mega. Das ist echt einfach nur krass. Auf einer Vinyl drauf zu sein und so…

JM: Bist Du Vinyl-Fan?

Finna: Ich find’s auf jeden Fall extrem cool. Dadurch, dass das auch das einzige Medium ist, was extra für Musik gemacht worden ist, hat’s ja irgendwie echt noch mal eine ganz andere Bedeutung.

JM: Und kennst Du die Jungs von Image Ctrl denn auch? Die sind ja auch so ein kleines Mysterium irgendwie, oder?

Finna: Ja, also, ich höre auf jeden Fall deren Mucke. Und die spielen ja auch demnächst, da gehe ich dann natürlich auch aufs Konzert. Also, ja, man kennt sich auf jeden Fall.

JM: Und dann sitzt Du morgen da und verfolgst, wie die Leute auf Deine Platte reagieren?

Finna: Ja, ich bin morgen in Leipzig auf der Female Focus Party… da sind Esmaticx und Lady Lykez aus England. Und das wird glaube ich total geil. Und Esmaticx, Jennifer Gegenläufer und ich haben alle zusammen Release, was total geil ist. Und dann machen wir auf jeden Fall voll die Party morgen. Das ist echt geil, dass wir jetzt alle was raushauen und den Leuten zeigen können, was so geht. Und dann gucken wir mal, ob die Leute das auch feiern.

JM: Und hast Du dann auch noch größere Pläne, also sprich ein Album, oder eine EP, oder was ist so geplant?

Finna: Ja, genau, es soll jetzt erst einmal eine EP geben, da bastle ich jetzt grade an den jüngsten Songs, dass die alle so schön rund werden, dass ich die cool finde. Und dann gucken wir mal, wie der Zeitplan da aussieht, wann das dann alles so rauskommen könnte. Aber es soll auf jeden Fall nicht mehr so lange dauern.

JM: Also es steht noch nichts festes, aber es ist alles in der Mache?

Finna: Genau, ich arbeite jetzt grade an den ganzen Songs um die fertig zu kriegen und mich dann zu entscheiden, welche Songs draufkommen. Das ist auf jeden Fall eine schwierige Phase.

JM: Du gehst ja jetzt auch bald mit Frittenbude auf Tour, richtig?

Finna: Jaaaa!

JM: Und?

Finna: Ja, man, voll geil, ich freue mich mega. Die Jungs sind erst mal mega nett und ich habe jetzt schon zweimal für die Support gespielt und das war sooo cool, die haben so ein cooles Publikum. Ich habe mich echt jedes Mal total aufgefangen gefühlt und ich freue mich einfach mega.

JM: Ja, deren Konzerte sind ja auch immer eine absolute Party.

Finna: Ja, das sind genau diese Energieblasen, die ich auch meine.

JM: Und bereitest Du Dich in irgendeiner Weise auf die Tour vor? Oder sagst Du, ich bin eh momentan so viel unterwegs, man bleibt drin in dem Auftritts-Ding?

Finna: Also ich bereite auf jeden Fall was vor. Ich probe echt jeden Tag momentan. Wahrscheinlich werde ich mir in letzter Minute dann noch überlegen, ne, mache ich doch nicht. Alles umschmeißen. Ich kenne mich da sehr gut, ich denke immer, ich plane das alles vorher genau, und dann wird’s am Ende natürlich doch ganz anders. Und dann schmeiße ich noch einen Text rein, der vorher in der Bahn geschrieben wurde oder so. Aber ich mag das auch. Das darf gerne so sein, das ist mein Projekt.

JM: Das ist genau das Stichwort: denn, du bist ja Solo-Künstlerin, und sowas hat ja seine Vor- und Nachteile wahrscheinlich, oder? Also Du kannst alles frei entscheiden, aber am Ende stehst Du auch alleine auf der Bühne.

Finna: Ja, ganz genau. Und wenn’s dann scheiße ist, bin ich die Einzige, die das auffangen muss.

JM: Aber das ist ok, das nimmst Du in Kauf?

Finna: Jetzt grade ist das genau das Richtige, da alleine zu stehen. Weil, wie gesagt, es ist halt voll schwierig sich zu trauen. Und wenn da eine andere Person mit mir auf der Bühne steht, die ich auch total cool finde, dann muss ich voll aufpassen, dass ich mich da nicht kleinmache. Und jetzt im Moment muss ich mich da so aus meinem Ei pellen und gucken, was so abgeht. Und dann gucken wir mal, wie das so weitergeht. Ich versuche jetzt mich erst mal zu festigen und anzukommen und zu merken, ok, das geht, das ist cool und das macht Spaß. Und jetzt ist das sozusagen so eine Festigungsphase, dass ich sagen kann, ok, alles klar, jetzt geht’s los. Ich finde heraus, wer bin ich wirklich, was mache ich hier überhaupt. Und das alles so für mich auf die Rolle zu kriegen. Aber ich mag das auch, das alles noch nicht ganz so festzuzurren, sondern dass das im Moment noch frei bleibt für mich. Es soll halt echt nicht so sein: Schublade auf, Schublade zu, fertig. So soll’s bitte nicht sein.

JM: Aber das ist halt der Luxus daran, wenn man alleine unterwegs ist und dann aber trotzdem noch Leute um einen rum hat, die einem sagen, mach das besser nicht, oder mach das genauso.

Finna: Ja, ganz genau.

JOINMUSIC: Ich habe mir Deinen Song „Mudda“ angehört. Der ist schon autobiographisch, oder?

Finna: Ja, genau, aber alle meine Songs sind autobiographisch und beschreiben einen Teil von mir und sind aus einer bestimmten Situation heraus beschrieben. Und „Mudda“ war so ein kleiner Befreiungsschlag für mich. Mal zu zeigen, hey, es geht auch anders. Ich muss jetzt nicht die Hausfrau am Herd sein, diese klassische Rolle erfüllen. Es ist für mich absolut ok, wenn das einige Frauen wollen und das gut finden, aber für mich passt das halt nicht. Und ich habe für mich nach einer Mutterrolle gesucht, die mir gefällt. Und das ist dann der Song geworden.

JM: Also alle Songs sind irgendwie Themen, die Dir aus der Seele sprechen?

Finna: Ja, ganz genau. Da bin ich absolut egoistisch.

JM: Und diese Rolle, die Du Dir selbst so gesucht hast, ist das auch was, was Du Deiner Tochter mit auf den Weg geben möchtest?

Finna: Ja, auf jeden Fall! Mir ist das dann relativ egal, was sie später macht, und was sie toll findet, oder nicht toll findet, sie kann auch gerne, oder soll vielleicht auch, was ganz anderes machen als ich, aber die Hauptsache ist, dass sie dabei glücklich ist. Dass sie da ihren Weg geht und dass sie sich so auslebt, wie sie das für richtig hält.

JM: Was sind denn so die Sachen, die Du so neben Deiner Musik machst? Also klar, Du hast Deine Familie, aber gibt’s sonst noch Hobbies vielleicht?

Finna: Ja, ich koche gerne. Ganz klassisch vegan. Ich höre natürlich gerne Musik. Ich treffe mich gerne mit Leuten, hole mir da Input. Ich schreibe auch gerne mit anderen Leuten. Letztens erst habe ich mich einer getroffen, die hat grade für ihr neues Album geschrieben und brauchte Ideen. Und dann haben wir uns getroffen und dann habe ich mit ihr zusammen einen Text geschrieben. Weil’s einfach echt cool ist, sich auszutauschen. Grade, wenn man so in die gleiche Richtung denkt. Das finde ich immer total geil. Und dann leiste ich noch politische Arbeit. Das ist mir echt wichtig, zum Beispiel regelmäßig an den Messehallen vorbeizuschauen, und da in der Richtung was zu machen. Und die Zeit, die man hat, in was zu investieren, damit was vorangeht. Ich versuche da gerne, mich irgendwo einzubringen, wo ich helfen kann. Demos auch, klar. Ich finde das echt gut.

JM: Und Du interessierst Dich auch ein bisschen für Mode, oder?

Finna: Ja, auf jeden Fall, Second Hand auf jeden Fall. Ich stehe tatsächlich nicht so auf neugekaufte Sachen, das ist überhaupt nicht mein Ding. Außer, es klebt kein Blut dran. Aber generell bin ich nicht so die, die sich Sachen neu kauft. Ich mag gerne Kleidertauschparties, feministische Kleidertauschparties. Da haben wir so Flüsterparties draus gemacht und haben gesagt, ok, coole Leute dürfen’s coolen Leuten weitersagen. Und dann kamen echt immer viele Leute, total geil. Ich bin echt Fan davon, kein Geld für Klamotten auszugeben und trotzdem geil auszusehen.

JM: Und wenn Du auf der Bühne stehst, ist das so, dass Du Dir bewusst Gedanken darüber machst, was Du trägst und wie Du Dich dann fühlst?

Finna: Ja, auf der Bühne brauche ich auf jeden Fall Schmuck und ganz doll Schminke und das ist dann auch so ein bisschen meine Sicherheit. Dann habe ich so meinen kleinen Glitzerpanzer um mich rum. Und darin weiß ich dann auch, dass ich mich wohl fühle.

JM: Dein Projekt, so nenne ich es jetzt mal, also Finna ist ja so im vergangenen Jahr erst so richtig entstanden, und Du entwickelst Dich da grade ja so mega weiter, da ist ja echt richtig viel passiert. Was erhoffst Du Dir denn so für die nächsten Monate, die kommen? Was wünschst Du Dir denn, wie es weitergeht?

Finna: Ich hoffe auf jeden Fall, dass die EP voll gut wird, ich hoffe, mit anderen Leuten noch ganz viel zusammenzuarbeiten, Kollaborationen habe ich total Bock drauf. Ich werde mich auch noch mal mit anderen Produzenten treffen und gucken, dass es musikalisch auch noch ein bisschen weiter nach vorne geht. Also nach vorne im Sinne von lauter und tanzbarer vielleicht auch. Und genau, Fernsehen steht dann auch noch an. Viele kleine Sachen so.

JM: Fernsehen? Du als Moderatorin, oder was?

Finna: Eh, das kann ich noch gar nicht so genau sagen. Da ist auf jeden Fall eine Menge in Planung, in verschiedene Richtungen. Ich darf grade echt machen, was ich will. Und das wird akzeptiert. Ich habe grade einfach arschviel Glück. Es ist ja gar nicht mal so, dass ich sage, ich habe was gesucht und gefunden. Sondern ich habe einfach richtig viel Glück grade.

JM: Das ist doch schön, wenn das einer auch mal sagt und erkennt.

Finna: Ah und Bernadette La Hengst bringt im Oktober ihr Album raus und da bin ich auch mit drauf. Das hat echt auch viel Spaß gemacht, mit ihr zusammenzuarbeiten.

JM: Ja, nicht schlecht. Sag mal, was hast Du denn eigentlich vorher gemacht?

Finna: Ja, ich habe im Second Hand Laden gearbeitet. Das war auch ganz cool. Aber das ist jetzt zeitlich echt nicht mehr machbar. Das ist auch ein bisschen schade. Aber ich gehe da natürlich trotzdem noch hin ab und an.

JM: Und zurück zur Musik: einen Plattenvertrag hast Du nicht, oder?

Finna: Ne, habe ich nicht und ist grade auch echt ok für mich, das finde ich ganz gut. Weil ich dann jetzt grade so aus dem Bauch heraus entscheiden kann, wie das jetzt alles so werden soll. Und ich kann selbst entscheiden, wie sieht die EP am Ende aus, wie hört sich das an, und dann kann ich immer noch überlegen, zu welchem Label ich dann gehe. Interesse haben ja ein paar, aber ich mache das jetzt erst mal fertig und dann schauen wir mal. Irgendwas wird sich schon ergeben. Und ich bin natürlich kein Fan von so Knebelverträgen…

JM: Klar, aber wenn Du so erzählst, dann baust Du Dir ja scheinbar grade echt das mega Netzwerk auf, da werden sich ja sicherlich die Türen irgendwann öffnen. Und dann kann man ja immer noch gucken, was man daraus macht.

Finna: Ja, jetzt grade ist das echt viel netzwerken, bzw. einfach hammernette Leute kennenlernen. Und auch so innerhalb der Szene ist das echt super und da tut sich immer was. Und jetzt macht das alles so richtig viel Sinn. Und das ist so die perfekte Mischung aus Glück und Fleiß.

JM: Also alles perfekt?!

Finna: Ja, irgendwie schon.

JM: Schöner Abschluss. Vielen Dank für das Interview, Finna.

Finna: Ich danke Dir!   

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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