„Meine Familie hasst das „Habits“-Video“ – Tove Lo im Interview

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„I Gotta Stay High – All The Time“ hört sich zunächst einmal nach Pete Doherty an. Weil es aber schon in der nächsten Zeile „To Keep You Off My Mind“ heißt, ist schnell klar, dass es hier nicht um Rauschmittel-, sondern um Liebes-Entzug geht. Tove Los „Habits“ ist nicht nur ein clever gewerkelter Pop-Song. Im dazugehörigen Video inszeniert sich die schwedische Sängerin und Songwriterin derart schonungslos als Liebeskummer-Opfer, dass einem ganz rührig wird ums Herz. Nicht nur deshalb hätte der Interviewer Tove Lo gerne auch unter vier Augen nach dem ein oder anderen befragt. So musste ihre letzte Frage an den Fragensteller unbeantwortet bleiben … 

JOINMUSIC: In einem Interview mit Popjustice hast Du neulich formuliert: “großartiger Song, aber er bewegt mich nicht“ – wenn er Dich nicht bewegt, was ist an diesem Song großartig?
Tove Lo: Naja, alles mögliche kann daran großartig sein: eine starke Melodie oder auch eine herausagende stimmliche Leistung. Und dennoch kann es sein, dass das letzte Quäntchen – was auch immer es am Ende ein mag – fehlt und ich dann eben keine  Gänsehaut kriege. 

JM: Gibt es Songs, die Du alles andere als großartig findest, und Dich trotzdem bewegen?
TL: Nee.

JM: Im Video zu „Habits“ präsentierst Du Dich auf eine Weise, die andere weibliche Popstars (Kylie Minogue, Madonna) nie zugelassen hätten – ein böses Mädchen, das zwischen Verwirrung, Angst und Tränen wechselt. Andererseits gibt es jede Menge Bilder von Dir, die Dich als klassischen Popstar zeigen: sexy, verführerisch, wunderschön – ist diese Bandbreite ein Marketing Kniff?
TL: „Marketing Kniff“… ein fürchterliches Wort. Glaubst Du nicht, dass ich alles das sein kann bzw. dass ich das bin? Jedenfalls gibt es für mein Image und wie ich mich der Welt gegenüber präsentiere keinen Masterplan. Im Gegenteil: Ich kann Dir versprechen, dass nichts, was ich mache oder jemals machen werden ein Marketing Kniff ist oder sein wird. Ich bin ich, was anderes kann und möchte ich nicht sein. Manchmal sexy, manchmal traurig und betrunken. Hehe.

JM: Was hält Deine Familie vom „Habits“ Video? 
TL: Sie hassen es und werden es nie wieder anschauen. Ich kann sie verstehen.

JM: Die Hemmingway-esque Direktheit von „Habits“ steht in starkem Kontrast zu dem traditionellerem „Out Of Mind“-Video-Clip, in dem Du nur in Unterwäsche durch die Gegend rennst. Warum noch mal?
TL: Naja – man sieht ja, dass ich aufwache und geradewegs in diese Welt reinmaschiere, die eigentlich mein Bewusstsein repräsentieren soll. Ich wollte, dass eine gewisse Natürlichkeit aber auch Verletzlichkeit rüberkommt. Ständige Kostümwechsel wären da unangebracht: Sie würden die Atmosphäre ruinieren. 

JM: Wenn Du für andere Leute schreibst – sind die Texte dann auch so schonunglos wie für Deine eigenen Songs?
TL: Auf keinen Fall. Die Songs müssen aus der Perspektive der jeweiligen Künstler sein und sollten unbedingt ihre Gefühle bzw. das, worüber sie singen wollen, reflektieren. 

JM:  Man kann Deine Tätowierungen nicht übersehen. Wofür steht das Cartoon-Mädchen auf Deiner linken Schulter?
TL: Sowohl das, als auch mein anderes Tattooo sind Teile von Bildern des Künstlers Mark Ryden – dessen Arbeit ich liebe. Außerdem überlege ich gerade, mir etwas auf meine Finger stechen zu lassen. Ich weiß nur noch nicht was.

JM: Was tut Tove, wenn sie nicht gerade mit Musik-Machen beschäftigt ist? Ich würde wetten wollen, dass Du nicht kochst.
TL: Hmm. Gute Frage. Platten-Kaufen macht mir Spaß. Und was das Kochen angeht: Die Wette würdest Du gewinnen. Ansonsten: Ich mache wirklich kaum etwas außer Musik. 

JM: Was hörst Du am liebsten beim Autofahren?
TL: Nun ja – ich kann gar kein Autofahren: Ich habe keinen Führerschein. Wenn ich aber sonst im Auto unterwegs bin, höre ich Zeugs wie The XX oder James Blake – Sachen, die mich abheben lassen.

JM: Sonst noch Fragen?  
TL: Was ist Dein dunkelstes Geheimnis?

JM: Äh …   


The interview as conducted in english:


JOINMUSIC: In an interview with popjustice you said – “this is a great song, but I’m not moved by it” – if you’re not moved, what’s supposed to the great thing about that song?
Tove Lo: It can be anything from a strong melody or a good vocal performance, but it might miss that last little thing (whatever it is) that gives me shivers. 

JM: Are there songs that you consider the opposite of great but which can still move you?
TL: Nope…

JM: The „Habits“ Video shows you in ways, for example Kylie Minogue or Madonna would’ve never presented themselves – behaving badly (as opposed to just posing sexy), confused, tear-drenched, afraid and sad – still there are plenty of pics showing you as a traditional pop-star: sexy, aloof, seductive and beautiful. Is that range a marketing stunt? Why show the world everything?
TL: „Marketing stunt“… awful word! Can’t I be all of that as me? There’s no thought out plan here on HOW to portray me, I promise you that nothing about me is or will ever be a “marketing stunt“. I’m just being me. Sexy from time to time – drunk and sad from time to time, haha.

JM: What does your family say seeing you in the „Habits“ Video?
TL: They hate it and will never watch it again haha. I understand them

JM: The Hemmingway-esque directness of „Habits“ stands in stark contrast to the more traditional „Out Of Mind“ clip with its multiple plot layers and a lot of implicit meanings – what’s that running around in just underwear thing about?
TL: Well you see that I wake up and go straight out of bed into this world that represents my mind. I wanted it to feel raw and vulnerable so walking around in alot of different outfits would ruin that vibe. 

JM: When you write for other people – are the lyrics part of it? – Are these lyrics as brutally honest as the ones for the songs you sing yourself?
TL: No, they have to be out of the artists perspective and should reflect their feelings and whatever they wanna sing about.

JM: One can’t overlook your tattoos – what’s that cartoon girl on your left shoulder all about? Thinking about getting more?
TL: Both my tattoos are parts of paintings done by Mark Ryden who I love. Im thinking about doing something on my fingers.. Just gotta figure out what I want. 

JM: What does Tove like to do, when she’s not writing or recording songs – except for the things you mention in your songs, like partying etc. Sports? Record Hunting? Stitching?
TL: Record hunting is fun. I don’t do much else than music haha. 

JM: I bet you don’t cook – do you?
TL: Nope, you’re right!

JM: What music do you like to listen to when you’re driving a car?
TL: Well I can’t drive… But when I’m riding a car I love to listen stuff like The xx, James Blake.. stuff that makes you wanna fly.  

JM: Any further questions?  
TL: What’s your darkest secret?  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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