„Sexy mit gutem Geschmack“ – Joel Sarakula im Interview

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Wie wir herausfinden durften, spielt Joel Sarakula nicht nur unglaublich gerne Piano und singt und tanzt dazu, er erzählt eindeutig auch ziemlich gerne. Unser Glück, denn somit konnten wir enorm viel über ihn und seine ganz besondere Musik erfahren. Wenn Euer Interesse nun geweckt ist, dann schaut am Dienstag, den 20.10., unbedingt in der Hasenschaukel in Hamburg vorbei, denn da könnt Ihr ihn live erleben. 

English version below. 

JOINMUSIC: Du sagtest ja grade schon vor dem Interview, dass Du heute schon eine Show gespielt hast… Und apropos gespielt, ich habe herausgefunden, dass Du Klavier und Gitarre spielst, dass Du singst und auch Percussions spielst. Wie hast Du denn all das gelernt?

Joel: Ich habe angefangen bei meinen Eltern im Haus Orgel zu spielen, also so eine kleine, billige Heimorgel. Ich habe mir dann Musik im Fernsehen angehört und versucht, die Melodien herauszuarbeiten. Und zu der Zeit war ich noch sehr jung, vielleicht so fünf, sechs Jahre alt. Und dann hatte ich auch Unterricht, eine klassische Ausbildung für ein paar Jahre, nicht wirklich lang. Und seit da an lernte ich immer viel von anderen Leuten. Wenn ich in Bands spielte und mir Musik anhörte. Und natürlich lerne ich eine Menge von den großartigen Musikern, die ich liebe. Und von denen lasse ich mich auch inspirieren.

JM: Und auf der Bühne spielst Du aber hauptsächlich Klavier?

Joel: Ja, genau, Klavier ist mein Hauptinstrument. Auf dem Album spiele ich alles etwas, aber live ist es dann hauptsächlich das Klavier. Ich könnte auch Gitarre spielen, aber es ist einfacher, einen guten Gitarristen zu finden, als einen guten Klavierspieler. Also logistisch macht das mehr Sinn, dass ich Klavier spiele. Und weil da ja auch echt schwierige Klavier-Parts sind, zum Beispiel in „Northern Soul“, da ist das schon sehr speziell. Und ich wäre echt enttäuscht, wenn das jemand anderes macht und nicht das richtige Gefühl dafür hat. Aber bei der Gitarre stehe ich da weniger unter Druck. Und ich mag es auch ein bisschen rumzutanzen. Und Spaß zu haben. Und das geht auf jeden Fall am Klavier.

JM: Also, es gibt da ja jetzt Dein neues Album „The Imposter“, richtig? Und das kommt im November raus. Gibt’s da irgendwie eine Verbindung zu Elvis Costello? Weil seine Band heißt ja „The Imposters“.

Joel: Ne, ich habe echt gar nicht daran gedacht, obwohl ich ein großer Fan bin. Das ist echt komisch. Irgendwann habe ich realisiert „Oh, The Imposters ist die Band von Elvis Costello“. Aber die eigentliche Band aus den 70ern heißt ja eigentlich The Attractions. Und das ist ja quasi noch die gleiche Besetzung mit Steve Nieve, Pete Thomas, derselbe Schlagzeuger, aber ein anderer Bassspieler. Also fast die gleiche Band, nur das sie jetzt The Imposters heißen. Aber was noch verrückter ist, ist, dass Steve Nieve ein Freund von mir ist, der Klavierspieler von The Imposters. Ich habe ihn letztes Jahr bei einem Songwriting Camp kennengelernt und wir blieben in Kontakt. Und er ist ein großartiger Musiker und ein echt cooler Typ. Also das macht es ja noch komischer. Aber das war gar nicht geplant. Der Name war eher inspiriert durch Filme aus den frühen 70er Jahren, konkret „The Conversation“, ein Gene Hackman Film, einer der ersten Francis Ford Coppola Filme. Ein Spionagefilm. Und er ist da so ein Überwachungstyp, der die Gespräche von anderen Leuten aufnimmt. Und dadurch ist das ganze Artwork und eigentlich alles von „The Conversation“ inspiriert. Und wir wollten das auch in der Musik wiedergeben, die ja auch so ein bisschen paranoid ist manchmal. Da geht’s um Deplatzierung, auch ein bisschen ums Vortäuschen und ein Blender zu sein. Und darum war das echt ein perfekter Titel. Die Schreibweise hat uns aber ein wenig Zeit gekostet. Also, „Imposter“ oder „Impostor“. Beides ist an sich korrekt und „Impostor“ ist historisch gesehen korrekter, aber das kulturelle Ding, auch, weil es da diesen Film vor ein paar Jahren gab, der „The Imposter“ heißt, deshalb ist diese Version gewöhnlicher. 

JM: Also keine Gefahr, dass Leute das falsch schreiben würden?

Joel: Ne, denke ich nicht.

JM: Ich hatte ja schon die Gelegenheit in das Album hineinzuhören und ich finde, dass es etwas anders klingt als das Album davor. Ich meine, das ist jetzt nicht überraschend, weil als Musiker möchte man ja nicht immer das gleiche machen, oder? Du weißt, was ich meine… Aber der Stil an sich finde ich hat sich etwas verändert.

Joel: Ja, man muss sich ja auch weiterentwickeln… Und das geht echt zurück bis zu meinen allerersten Prägungen als jemand, der schreiben und Musikmachen möchte. Und meine ersten Einflüsse waren hauptsächlich Jazzmusik als ich so sehr jung war, so acht, oder neun oder zehn vielleicht. Ich habe mir alte Jazzmusiker angehört aus den 40ern und 50ern, das war so das erste, was ich geliebt habe, damit konnte ich mich echt identifizieren. Und dann war ich zwölf und echt gar nichts aus den aktuellen Popcharts hat mich jemals beeinflusst oder interessiert. Wie ich schon sagte, es gab die Beatles und diese 60er, 70er Jahre-Musik. Und somit geht dieses Album wohl eher zu meinen ursprünglichsten musikalischen Prägungen zurück, also Jazz und diese 60er Jahre Soulmusik… The ZombiesSly Stone… Das war, was ich mir angehört habe. Und viele mehr. Und Garage Musik. Und ich habe mir auch Psychedelic Music angehört so als Teenager. Aber echt nichts aus den Charts. Die aktuellen Charts, da dachte ich immer, das ist echt Mist. Das hat mich echt nicht interessiert. Also irgendwie ist das so ein Kreis, der sich schließt, mit diesem Album. „Golden Age“ war ja mehr so 70er Jahre Musik, FM Radio, Fleetwood Mac so, alles etwas farbenfroher. Und das klang etwas jünger dann. Aber wie ich schon sagte, man muss seinen Stil ja auch ändern, und man muss wachsen. Und das ist ja nun nicht total drastisch.

JM: Ne, genau, es ist ja nicht komplett umgekrempelt, nur anders.

Joel: Genau, meine Stimme ist noch dieselbe… Ich denke, die Stimmung bei „The Imposter“ ist auf jeden Fall ein bisschen kühler. Ich denke, „The Golden Age“ ist irgendwie eine fröhlichere Platte. Ich versuche natürlich noch immer, schöne Dinge zu machen. Ich mache ja keine aggressive Musik oder irgendwas, das ich zu herbe finde. Ich mag es, schöne und bunte Dinge zu machen. Und ich denke bei „The Imposter“ ist die Farbe halt etwas heruntergedreht, das ist also eine kältere Farbe. Aber es reflektiert dennoch Kunst. Also vielleicht ist es ein bisschen zeitgenössischer als bei „The Golden Age“. Man muss sich halt ein bisschen mehr Mühe geben, das Album zu mögen, denke ich… Das ist nicht sofort ganz angenehm.

JM: Aber dennoch, ich mag es echt gerne. Ich denke, man muss es sich halt öfter anhören, aber grade das macht es ja auch interessanter.

Joel: Ja und am Ende machst Du Dein Album ja auch für Dich selbst. Du machst das ja nicht für andere Leute. Und die Leute, die sich damit auseinandersetzen, die werden es hoffentlich auch mögen und verstehen, was ich damit mache. Und auch, wenn sie es vielleicht ein paar Mal anhören müssen… und merken, dass sie sich damit etwas genauer auseinandersetzen müssen…

JM: Das macht es ja spannend. „Northern Soul“ ist ja die erste Single aus dem Album, richtig? Ich mag den Song echt gerne, der vermittelt eine tolle Stimmung. Was bedeutet Dir der Song denn?

Joel: „Northern Soul“ war eine Bewegung in den frühen 70er Jahren in England. In Nordengland gab es eine Menge Jugendlicher die vor Energie nur so brannten und das Wochenende dann tanzend in Clubs verbrachten. Und es gab auch diese Bewegung, dass DJs seltene amerikanische Platten importierten. Die klangen wie Motown-Platten, also so ein 60er Jahre Soul-Zeug. Aber das waren keine Motown-Alben, das waren mehr so Verstoßene, so B-Seiten und vergessene Künstler. Also gab es da diese riesige Jugendbewegung und die Leute hörten sich also diese Song an, die niemals wirklich Hits in Amerika waren. Aber die klangen sehr wohl nach 60er Jahre Soul. Und das war diese „Northern Soul“-Bewegung. Also klar, als ich den Song „Northern Soul“ schrieb machte ich mir auch darüber Gedanken und über den Stil… Aber die eigentlichen Texte… Also, das ist wie eine wahre Geschichte, nämlich, dass ich durch die kalten nordenglischen Straßen laufe und Leute beobachtete… Also das sind quasi journalistische Texte. Und das ist ja die Ich-Perspektive, also meine Beschreibung, was ich sehe. Und diese Klischees des Lebens in Nordengland. Also, jeder hat da ja irgendwie diese Klischees. Die erste Zeile ist ja „skinny legs out in the cold“. Und andere Engländer denken ja, so ist das, und das ist ja überhaupt nicht wahr, aber sie denken, dass je weiter man in den Norden von England kommt, desto kürzer werden die Röcke. Also je kälter es wird, desto kürzer werden die Röcke… Und das ist ja echt nur ein Stereotyp. Und man sagt auch, dass das eine etwas aggressivere und gewaltbereitere Kultur ist, und das ist ja auch nicht unbedingt wahr, aber naja, ein paar Wahrheiten gibt’s schon in den Klischees. Und somit ist die Geschichte quasi, dass ich durch ein nordenglisches Dorf laufe und meine Erfahrungen dort mache. Und das ist auch irgendwie ein Song mit einer Aufgabe.

JM: Aber Du lebst in London, richtig?

Joel: Ja, ich lebe in London und eigentlich komme ich ja aus Australien. Aber ich bin schon oft durch Nordengland getourt. Also ich spreche da schon aus Erfahrung, weißt Du. Und ich habe viele Freunde in Manchester, New Castle, Leeds und Liverpool. Meine Schwester lebt in Nottingham, das ist ja auch eher im Norden. Also ich kenne schon Leute überall dort. Aber ich mag es, dorthin zu fahren. Ihr Humor ist einfach wunderbar. Die Leute dort sind so witzig. Also, die Leute in Manchester, Leeds und Yorkshire, die sind echt so witzig. Und ich glaube, das braucht man auch, um zu überleben. Man kann sich das da ja schon als ein sehr tristes Dasein vorstellen, da im Norden. Es ist kalt, es gibt nicht viel zu erleben, es regnet, das Wetter ist schlecht. Das ist ja nicht wie London, wo es das tolle Nachtleben gibt und so. Also das kann schon ein sehr schwieriges Dasein sein, aber die Leute überleben aufgrund ihrer Witze und diesem super nordenglischen Humor. Und wir stellen uns da ja auch viele Fabriken vor in Nordengland, und dass es immer grau ist… so, wie das Ruhrgebiet in Deutschland. 

JM: Coole Geschichte und eine tolle Idee. Und der Song „European Skies“, ist das eine Art Hommage an Europa, weil Du ja nun hier lebst

Joel: Hier geht es mehr darum, als Englischer Künstler durch Europa zu touren. Also es geht darum, dass man aus einer englischsprachigen Welt kommt und man sich etwas heimatvertrieben fühlt in Europa. Ich war noch nie auf Ibiza, aber es ist so, als spiele man in diesem riesigen Club auf Ibiza und jeder tanzt bis zum Umfallen. Und es gibt da diese englischen DJs… Also es geht mehr darum, als in einer Rockband zu sein… Also es ist schon ein bisschen über mich, aber eigentlich auch nicht. Also da ist dieser junge englische DJ, und Du sprichst die Sprache nicht, aber jeder tanzt einfach trotzdem und da sind bunte Farben überall und es ist mitten im Sommer und alle gehen total ab, weil, keine Ahnung welche Pillen die genommen haben. Und das ist so die Stimmung des Songs. Und Du spielst hauptsächlich diese DJ-Produktionen. Also, Du drückst den Knopf und los geht’s. Man dreht die Platten. Und daran ist ja nichts falsch… und das ist so die Hintergrundgeschichte. Aber man kann ja immer noch seine eigene Interpretation haben. Ich sage das nur, weil diese beiden Songs, eher als die anderen Songs… Also die sind ein bisschen zweideutiger. Zum Beispiel „Children of a Higher Light“… Du kannst mich jetzt fragen, aber ich wüsste nicht, worum es da geht. 

JM: Da wir grade drüber reden… wie bekommst Du denn sonst die Ideen, um Songs zu schreiben?

Joel: Also in dem Fall war das auf jeden Fall so… also, ich habe da diesen Club-Gig gespielt, also, ich habe eher Cover gespielt und dieses DJ-Ding für Europa. Und ich fühlte mich irgendwie… also, da ist eine großartige Stimmung auf der Tanzfläche, aber ich fragte mich selbst „Was machst Du eigentlich hier?“ Ich sollte eher in einer Band spielen und meine eigene Musik machen. Aber es geht auch darum, unterwegs zu sein… die Sprache nicht zu sprechen. Und was das mit sich bringt. Und auch, davon gelangweilt und ermüdet zu werden. Und am Ende ist es so, dass Du jede Nacht denselben Song spielst und das auf einer zweimonatigen Tour durch Europa. Und das ist echt eine andere Erfahrung, ein DJ zu sein, oder eine Band auf Tour durch Europa. 

JM: In dem Infotext las ich, und das ist jetzt eine Übersetzung zurück ins Englische, aber der Text sagt, dass Du Dich auf „The Imposter“ als Betrüger, Spion und Geheimagent inszenierst.

Joel: Habe ich das geschrieben? Ne, das habe ich nicht geschrieben.

JM: Ne ne, das ist der deutsche Infotext und ich habe das jetzt nur übersetzt.

Joel: Ah… lass mich mal schauen… Ah, okay… also, ja, ein Spion und Geheimagent schon, mehr als ein Betrüger.

JM: Okay und was genau bedeutet das?

Joel: Hmm… Also, ich würde schon sagen, dass das eine Übertreibung ist… Ich bin auf jeden Fall kein Betrüger. Soweit ich weiß, habe ich noch nie etwas Kriminelles getan. Aber es ist schon so, dass man sich im Schatten bewegt. Also, so die Existenz eines Musikers… Man muss da echt eine Menge verschiedener Gesichter auflegen. Und ein „Imposter“ heißt ja, dass man vorgibt, jemand zu sein. Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie ein Spion, wenn ich in anderen Ländern bin, die halt nicht mein Zuhause sind. Und da legt man so eine Visage auf. Und dann nimmt man die Sprache auf und dann spreche ich ein bisschen Deutsch (Joel auf Deutsch, Anm. der Redaktion). Und dann bekommt man ja eine andere Figur. Und das ist ja so etwas wie ein Spion. Also auch ein bisschen der Lebensstil. Also, das man sich verändert, wenn man reist. Wenn man Konzerte in Frankreich oder Deutschland spielt… oder Skandinavien. Das ist schon irgendwie ein Spion-Leben. Aber ohne die kriminellen Machenschaften. Und dann der Text von „They can’t catch me“, da geht es auf jeden Fall darum. Also das wird schon thematisiert, in einigen der Songs. Diese Idee, dass man sich so verdrängt fühlt. Und weil ich das aufgenommen und geschrieben habe, als ich unterwegs war und als ich eine Weile in Berlin war. Und in Skandinavien. Und das war, als alles entstand. Und ich versuche mich, mit diesen ganzen Ländern zu verbinden. Es ist schön, Englisch zu sprechen, weil, wenn man keine andere Sprache spricht, dann läuft man wie in einer Blase. Und dann muss man sich da so hineinversetzen. Und wenn ich das nicht mache, mich nicht hineinversetze, dann klingt das auch nach nichts. Und das ist dieses Gefühl der Verdrängung und so in einer Blase zu sein in einer wirklich schönen Art und Weise. Und ich denke, diese Themen sind alle da. Dieses Spion-Ding und diese Heimlichtuerei und diese Deplatzierung.

JM: Ein interessanter Ansatz… Wurdest Du schon mal gefragt, ob Deine Musik für einen Film genutzt werden kann? Zum Beispiel in einem Spionagefilm oder Krimi?     

Joel: Das fände ich super, oh ja. Also ja, warum nicht. Meine Musik in einem Spionagefilm, das klingt großartig. Aber den Anruf bekam ich leider noch nicht. Also da ist ja auf jeden Fall dieses 60er Jahre Spionage-Jazz-Ding, ähnlich wie bei einem Filmsoundtrack, das in meinen Songs vorkommt. Vor allem bei „They can’t catch me“, „Children of a Higher Life“. 

JM: Vielleicht sind sie noch dabei, den richtigen Film zu machen.

Joel: Ja, genau, die sollen den richtigen Film machen und dann können sie sich melden. Oder ich schreibe direkt die Musik für den Film. Ich arbeite mit ein paar Leuten zusammen und wir spielen mit Songs rum und wir schauen da, ob nicht jemand Interesse hat, die fürs Fernsehen zu nutzen. Also TV Serien oder Film vor allem, das wäre perfekt. Und wenn das nicht funktioniert: Werbung. Und wenn das nicht funktioniert… Aber ja, ich denke meine Musik ist sehr visuell, filmisch. Und es gibt da verschiedene Stimmungen auf dem gesamten Album… So wie „Coralie“, „Happy Alone“, „Chelsea Gun“, das sind so verschiedene Stimmungen. Das sind so die wärmeren, kalifornisch-angehauchten, im 60er Jahre-Stil.  

JM: Du sagtest grade „ich könnte die Musik auch einfach schreiben“… Hast Du das vorher schon mal gemacht, oder wie fändest Du das wohl so?

Joel: Ja, also für so ein paar Kurzfilme habe ich das schon gemacht. Also so für verschiedene Dinge. Und ich arbeite mit einem Freund von mir zusammen. Er macht diese Webserie über einen australischen Musiker, der in Berlin lebt.

JM: Ach was?

Joel: Ja. Und ich schreibe dann die Filmmusik, also, ich helfe ihm, die Musik dafür zu machen. Vielleicht werden wir auch einige der Songs von „The Imposter“ nutzen, vielleicht aber auch neues Material. Das wissen wir jetzt noch nicht. Wir haben uns bisher nur darauf geeinigt, dass ich den Sound mache, also die Filmmusik für die Serie. Ich glaube, bisher gibt’s noch nicht einmal einen Titel dafür. Und ich habe keine Ahnung, wie der Zeitrahmen ist, aber ich denke, dass das nächstes Jahr kommt. Also, da kommen so kleine Sachen online, das ist cool.

JM: Auf jeden Fall.

Joel: Und ich denke, einige Songs von „The Imposter“ könnten da echt gut passen, weil ich die Hälfte ja in Berlin geschrieben habe. Und auch dort aufgenommen habe.

JM: Das stimmt, das könnte dann gut passen. Eine Frage, die mir grade einfiel: warum genau bist Du denn überhaupt von Australien nach Europa, bzw. nach Großbritannien gezogen?

Joel: Ja, das war so vor 10, 12 Jahren, als ich von Sydney hierher kam. Da war ich dann auf Tour. Und dann seit so fünf Jahren bin ich quasi permanent in England.

JM: Also ist es gut, in Europa zu sein? Von hier aus zu arbeiten, oder auch mal die Städte zu wechseln um zu arbeiten…?

Joel: Ja, hier ist’s echt größer natürlich. Und es gibt da diese Szene. So eine kleine Szene, zumindest in Deutschland, Frankreich und Skandinavien. Australien ist ja eine sehr kleine Population. Und da kann man diese Reisen so nicht machen. Und das ist echt ermüdend, zwischen Sydney und Europa hin und her zu reisen. Ich liebe Sydney noch immer, aber ich habe auch Familie in England, meine Schwester hat ihre Familie hier. Und meine Eltern sind inzwischen mehr als die Hälfte des Jahres in England. Also ist es so, als wäre meine Familie eh hier. Ich habe natürlich auch noch viele Freunde in Sydney, aber ich bin in London inzwischen echt total angekommen und eingetaucht. Und ich kann auch den Rest von Europa bereisen. Vor allem Deutschland. Hamburg, Berlin, das Ruhrgebiet. Wo auch immer die Leute meine Musik hören wollen, da kann man drüber reden und eine Bühne organisieren und ich bin glücklich, dort dann hinzukommen.

JM: Und wenn Du dann in Deutschland bist, dann fängst Du deutsche Sätze auf, oder warum sprichst Du auch ein bisschen Deutsch?

Joel: Ja, ich weiß nicht, ich habe da einfach immer was aufgenommen. Ich war hier manchmal einige Monate, habe aber nie hier gelebt, aber ich habe auch viele Freunde hier. Und so lerne ich von ihnen und wenn man hier ist. Und ich finde, es ist eine echt interessante Sprache.

JM: Auch ein bisschen harsch, oder?

Joel: Ne, harsch würde ich nicht sagen, einfach genau geradeheraus. Und auf gewisse Weise macht es das einfach zu lernen. Da weiß man, wo man ist. Nicht so wie beim Spanischen. Im Deutschen weiß man, wo das Wort anfängt und aufhört. Das ist nicht wie im Französischen, wo alle Worte ineinander übergehen. Das ist schwieriger zu lernen.

JM: Du hast mir schon von so vielen Dingen erzählt, die Dich für Deine Musik inspirieren, wie Jazzmusik und Soul, oder 60er Jahre Pop. Und dann auch diese „Northern Soul“-Bewegung, da wusstest Du ja sehr gut Bescheid. Also bist Du allgemein in Geschichte interessiert, so in kulturelle Sachen aus der Vergangenheit, oder?

Joel: Ja, ich interessiere mich definitiv für Kultur und solche Bewegungen. Und Film und Fernsehen. Und ja, ich interessiere mich für die Geschichte der Musik. Anders als damals, als ich ein Teenager war, jetzt interessiere ich mich auch für zeitgenössische Bands. Aber ich kann die Vergangenheit nicht vergessen. Ich versuche, Dinge zu machen, die traditionsreich sind. Aber die für ein zeitgenössisches Publikum aufgefrischt werden können. Ich möchte nicht, dass es so ganz „retro“ ist. Nicht, dass das nicht cool wäre, ich liebe das auch. Ich mag Bands wie Sharon Jones And The Dap Kings. Das ist wunderbar. Aber das ist auch sehr originalgetreu… Du weißt, was ich meine, oder? So klingt meine Musik nicht. Man erkennt schon, dass das eine moderne Platte ist. Ich fühle mich wohl, wenn ich einen Fuß auch in der heutigen Zeit habe. Weil ansonsten, wenn ich heute mit Kindern oder auch Erwachsenen sprechen würde, ich muss ja in der heutigen Zeit verstanden werden. Weil es verändern sich ja auch die Zeiten.

JM: Aber ich finde, das ist echt eine tolle Idee. Zu schauen, was in der Vergangenheit los war, aber das in die heutige Zeit zu überführen.

Joel: Wenn Leute meine Musik hören, die meine Einflüssen nicht kennen, dann kann ich ein Fenster öffnen, einen Durchgang um etwas über ältere Bands herauszufinden, und das ist doch ganz toll. Zum Beispiel meine beliebtesten Bands aller Zeiten, The Zombies, The Beach Boys, Todd Rundgren, wenn Leute die durch mich entdecken können, das wäre echt umwerfend.

JM: Da wir über die Vergangenheit reden… Auf Deinem letzten Album „The Golden Age“ da gab es den Song „Old Yellow Photographs“ und ich frage mich, ob Du Dich wohl auch für Fotografie interessierst? Und: das ist echt ein toller Song.

Joel: Danke. Ja, ich interessiere mich für Fotografie. Also, da geht es nicht wortwörtlich um Fotografie. Aber es gibt da ein paar Textzeilen, in denen es wortwörtlich um Fotos geht. Aber das sind dann mehr die witzigen Passagen… Ja, ich weiß nicht… Generell bin ich jedenfalls sehr an Fotografie interessiert. Polaroids, ich habe auch eine alte Polaroid Kamera und eine alte SLR aus den 70ern.

JM: Und da haben wir wieder diese Retrosache, oder?

Joel: Ja, das ist doch so ein tolles Geheimnis,  den Film zum Entwickeln zu bringen. Das ist so aufregend.

JM: Ja, da stimme ich Dir voll zu. Das ist nicht so, als würde man 1000 Fotos auf einer Digitalkamera machen, richtig?

Joel: Ja, man weiß nicht, was draus werden wird. Es kann ja auch sein, dass der Film irgendwie beschädigt war, vor allem bei den alten kann das passieren. Oder man lässt zu viel Licht rein. Das ist so aufregend. Und man denkt, keiner macht das mehr und darum würde das teurer sein, aber so ist das ja nicht. Ich finde es super, Fotos zu entwickeln. Und dann fragt man sich „was wird drauf sein und hat es funktioniert?“ Und das ist halt echter, das kann man anfassen.

JM: Das stimmt so, das ist ja echt komplett anders mit einer Digicam, bei der man die Fotos meistens nicht einmal ausdruckt.

Joel: Ja genau, oder man scannt so durch die ganzen Bilder auf dem Handy. Und wenn man sich dann für eins entscheiden will, dann muss man sich vorher hundert Stück anschauen. Ich habe auch meine Pressebilder und Flyer mit einer Kamera gemacht. Ich hoffe, das erkennt man. Ein Freund von mir, ein wunderbarer australischer Künstler, sein Name ist Edward Housden, er hat all die Fotos für „The Imposter“ gemacht und auch das Design. Und er hat das auch schon für „The Golden Age“ gemacht. Und er ist so der, mit dem ich hauptsächlich zusammenarbeite für sowas. Und das ist auf jeden Fall ein Foto von einer analogen Kamera. Das Cover für das Album, das mussten wir digital neu machen, weil wir das mit der analogen Kamera nicht hinbekamen. Und jetzt bin ich echt glücklich und er ist so talentiert. Und ich bin so froh, dass er mit mir zusammenarbeiten möchte. Und es ist so toll, dass man mit einer 35er Kamera auch in 2015 noch Fotos machen kann. Und das ist etwas echt Spezielles. Ich glaube, sowas würde auf einer Digitalkamera nie passieren. Man kann das photoshoppen und Grün hinzufügen, aber ja…

JM: Das ist einfach nicht das Gleiche! Ich habe gelesen, dass Du ein Songwriter bist, „der die Welt bereist, um seine Muse zu finden“. Hast Du sie gefunden?

Joel: Ich suche noch immer. Vielleicht ist sie ja hier irgendwo… unter der Couch… Aber irgendwie habe ich das Gefühl, sie nicht auf der Reeperbahn zu finden. Das denke ich nicht. Ich finde vielleicht einen anarchischen Punk, der nach Tequila riecht. 

JM: Okay, also Du suchst immer noch.

Joel: Ja, ich such immer noch. Aber das ist der Grund für mich, jeden Morgen aufzustehen und weiterzusuchen. Aufzuwachen, den Kaffee runterzuschütten, rauszugehen, mit dem Mikrophon und Kopfhörern…

JM: Ah, also wieder der Spion.

Joel: Ja. Da ist er wieder, der Spion, der nach seiner Muse sucht.

JM: Ach, ich verstehe, cool… Eine meiner letzten Fragen: es gibt drei Alben, die Du nur in Australien veröffentlicht hast. Hast Du mal drüber nachgedacht, die in Europa rauszubringen?

Joel: Uuh, diese Frage habe ich nicht erwartet. Du hast gute Recherche betrieben. Vielleicht etwas zu gut. Nein, ich scherze nur. Aber ja, die sind schon sehr alt jetzt. Eines Tages werde ich vielleicht zumindest ein paar Tracks von „Souvenirs“ und „City Heart“ veröffentlichen. Das waren sehr kleine Veröffentlichungen. Aber das, womit ich mich emotional noch identifizieren kann, das würde ich von den Alben nehmen und dann so ein „Best of“ meiner australischen Jahre machen. Und das dann online zur Verfügung stellen, so auf Spotify… Weil da gibt’s schon ein paar gute Stücke. Aber ich bin als Musiker natürlich auch ziemlich gewachsen bis „The Golden Age“. Aber wenn „The Imposter“ dann draußen ist und dann in einem Jahr oder so, dann werde ich vielleicht ein paar alte Songs veröffentlichen.

JM: Und die nochmal neu aufzunehmen, wäre das eine Option?

Joel: Oh, das klingt nach einer Menge Arbeit. Ich bin echt ziemlich faul. Zu faul für sowas. Ich kenne Leute, die nehmen ständig etwas auf, Freunde von mir, die nehmen andauernd neue Sachen auf und die veröffentlichen regelmäßig neue Sachen. Aber dafür habe ich einfach nicht die Zeit und die Geduld. Ich schreibe ein Album pro Jahr, das reicht. Also, ich schreibe 15 bis 20 Songs im Jahr, und die meisten produzieren wir dann und das ist genug. Und dann kann ich alle paar Jahre ein Album herausbringen.

JM: Das ist doch gut. Also, wenn Du keinen Druck verspürst, mehr Songs zu schreiben und Alben herauszubringen.

Joel: Ne, das ist total ok so. Diese 20 Songs, die kommen so oder so. Und es gibt da keinen Druck von außerhalb. Elevevate, die bringen „The Imposter“ raus. Aber die üben keinen Druck auf mich aus. Und ich mag es auch nicht, Druck auf mich selbst auszuüben. Ich schreibe 10 großartige Songs, und gut ist, dann veröffentliche ich ein Album. Und irgendwie passiert das einfach so, ganz natürlich. Und so kommt es, dass ich alle zwei Jahre ein Album veröffentliche. Ganz natürlich, ganz organisch. Ohne, dass ich dafür jeden Tag schreiben muss. Ich toure ja auch die ganze Zeit. Also das mag vielleicht faul klingen, aber mindestens die Hälfte des Jahres bin ich ja auch auf Tour. Es gab Zeiten, da habe ich 200 bis 250 Konzerte im Jahr gespielt. 

JM: Also schreibst Du nicht wirklich, wenn Du auf Tour bist?

Joel: Doch, doch. Aber es ist schwierig, genug Zeit zu finden, das ordentlich zu machen. Aber „The Imposter“ entstand so während der Tour. Im Dezember 2013 habe ich mit dem Album angefangen und das hat dann ungefähr ein Jahr gedauert, das fertig zu stellen. Es ging echt schnell, das fertig zu stellen… Also, ich habe in Skandinavien gespielt und dann hatte ich eine Woche frei, und so ging ich nach Berlin, weil da kannst Du einfach alles machen… Ein Freund von mir hat da ein Studio und er sagte nur „Du kannst das gerne umsonst nutzen wenn Du willst.“ Und ich dachte mir nur „Okay, wieso nicht?“ Und am Ende war das so „Augenblick mal… ich habe hier echt ein ganzes Album.“ Also das war echt so in ein paar Wochen im November, Dezember 2013, dass ich das echt fast fertig hatte. Und so sollte das auch sein, wenn man grade Bock drauf hat. Aber dann hatte ich nicht mehr so viel Bock und dann bin ich nach Australien und dann ging ich Schwimmen und war am Strand und dann wurde ich wieder faul… Und danach hat alles echt extrem lange gedauert. Also ein weiteres Jahr um es fertigzustellen. Und dann gab es da wieder neue Dinge, wie „Young Man’s Game“ und „When The Summer Ends“, die erst vor ein paar Monaten passierten. Und da gab es schon die Deadline. Aber ich habe es geschafft, alles schnell fertig zu machen. Aber ich denke schon, dass es Sinn macht, zu arbeiten, wenn man grade heiß drauf ist. Wenn man es nicht ist, dann stör Dich nicht dran. Wenn Du es nicht spürst, dann mach es auch nicht. Geh auf Tour, geh und genieße Dein Leben. Und das ist die Art, wie ich versuche zu leben. Aber der nächste Albumprozess, den Anfang, dann, wenn es sich gut anfühlt, wenn man schreibt und aufnimmt, dann sollte man sich zwei mehr Wochen nehmen, oder drei oder vier, und alles fertig machen. 

JM: Aber jetzt steht das Album ja kurz vor der Veröffentlichung – was sollen die Leute denn machen, wenn sie Dein Album hören?

Joel: Also ich wünsche mir, dass man das Album auflegt und dann… ja, dann fühlen sich die Leute warm und entspannt. Und haben eine gute Nacht mit dieser Platte. Das ist alles, was ich will. Die können auch sexy sein dabei, wenn sie wollen, eine Flasche Wein dazu trinken… Auch, wenn das vielleicht eher eine kältere Atmosphäre ist, dann ist das noch immer ein Album, das aus Liebe entstand und aus dem Willen heraus, Schönes zu schaffen. Und ich will, dass die Leute das realisieren und entspannen. Sie haben dann gute Oliven und guten französischen Rotwein und ja…

JM: Ja, das kann ich mir gut vorstellen.

Joel: Und sie sollen eine Party feiern. Also das Album ist für alle Partypeople da draußen. Ich möchte, dass Ihr das fühlt.

JM: Und die Leute, die heute Abend zur Show kommen, was sollen die machen?

Joel: Also wir spielen von 10 bis 10.30 Uhr abends, das ist also auf jeden Fall die Zeit, um bis zum Umfallen zu tanzen. Die sollen echt sexy sein. Also die Leute, die heute Abend kommen, die sollen sexy tanzen. Also, mit gutem Geschmack. Sexy mit gutem Geschmack, das ist es, was ich immer wollte.

JM: Das sollte möglich sein, ich meine, wir sind hier in Hamburg.

Joel: Richtig. Mensch, wir sind hier in Hamburg, auf der Reeperbahn. Com‘ on. Das wär‘ dann auch alles für mich. 

JM: Und auch für mich. Vielen Dank für dieses Interview, ich hatte echt eine Menge Spaß.

Joel: Ich danke Dir!

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JOINMUSIC: You already mentioned before this interview that you already played a show today… And I figured out you play the piano, the guitar, you sing, you do percussions, so how did you learn all these instruments?

Joel: I started playing organ in my parents‘ house, like this little cheap home organ. I used to listened to music on the TV and tried to work out the melodies. So when I was doing this I was really young, like five, six years old. Then I had some lessons like classical training for a few years, not that long. Since then I learnt a lot from other people. Like being in bands and listening to music. And learning from the great artists that I love. So I got inspired by them.

JM: And on stage you mainly play piano, right?

Joel: Yes, piano is more my main instrument. On the record I play a few of everything, but live it’s mainly the piano. Perhaps I could play guitar live instead, but it’s easier to find good guitarists than good piano players so logistically it makes more sense to play keys as there are some quite complex key parts, like „Northern Soul“. I’d be disappointed if someone else was doing this and not getting the right vibe. I guess I’d less picky about the guitar parts. And I like to dance around a bit. And have fun. And I can do this playing the keys.

JM: So there’s this new album, it’s called „The Imposter“, right? And it’s going to be released in November. Is it somehow connected to Elvis Costello, because his backing band is called “The Imposters”?

Joel: No, I really didn’t initially think of that. It’s really weird. Eventually I realized „oh, The Imposters is Elvis Costello’s backing band“. No, but the original backing band was „The Attractions“ in the 70s. And now it’s almost the same line-up with Steve Nieve, Pete Thomas, same drummer, but a different base player, so it’s almost the same band really but now they’re called The Imposters. But it gets even weirder because Steve Nieve is a friend of mine, the piano player from The Imposters. I met him on a songwriting camp last year and we stayed in contact. And obviously he’s an amazing musician and a really beautiful guy. But the title was really not planned that way. It was inspired by early 70s movies, particularly „The Conversation“, which is a Gene Hackman movie, one of the first Francis Ford Coppola movies. It’s like an espionage film. And he’s a surveillance operator recording people’s conversations. And so all the artwork, it all kind of is inspired by that, by „The Conversation“. We wanted to reflect this in the music, it’s a little bit paranoid sometimes. About displacement, a little bit about pretending and being an imposter. So it was really a perfect title. We were hung up for the spelling a little bit. Like „Impostor“ or „Imposter“. They’re both kind of correct and „Impostor“ is more historically correct but in terms of a cultural thing, „Imposter“ is used a little more. There was also a film a few years ago which was called „The Imposter“. 

JM: So there’s no risk people will write it in the wrong way.

Joel: No, no, I don’t think so. 

JM: Actually, I already had the chance to listen to the album and I think it’s a bit different than the one before. Well, that shouldn’t really be a surprise because of course as a musician you don’t always do the same thing, right? You know what I mean? But I think the style generally also changed a bit.

Joel: Yeah, you got to grow. This album is going back to almost my earliest influences as someone who wanted to write and make music. My earliest influences were jazz music essentially when I was very young, like eight, nine, ten years old. I was listening to old jazz musicians from the 40s and 50s, that was the first thing I really loved, it really connected with me. And then when I was twelve nothing from the pop charts of the day had ever influenced me or I was ever interested in that. Like I said there was The Beatles and this 60s and 70s music. So in a way this album is probably going back to more of my original influences, which was jazz and 60s kind of soul music… The Zombies… Sly Stone… These were the things I was listening to. And much more, like garage and psychedelic music… So it’s kind of a full circle record in a way. Whereas „The Golden Age“ was a bit more like the 70s, a bit more FM Radio, Fleetwood Mac, a bit more colorful. This sort of sounds younger. You’ve got to change your style, you’ve got to grow a little bit. And it’s not in a drastic way! 

JM: No, exactly, it’s not that you totally changed, it’s just different.

Joel: Yeah, my voice is the same… I think the mood with „The Imposter“ is a bit colder. So I think “The Golden Ages” is possibly a happier record. I’m still trying to do beautiful things. I’m not doing aggressive music or anything that I find too harsh. I like doing beautiful things and colorful things. And I think with „The Imposter“ I just turned down the color a little bit, it’s a little bit colder. Reflecting an art as well. So in a way it’s possibly more contemporary. You have to try harder to like the album I think… It’s Less instantly pleasing maybe.

JM: But still, I really liked it. Maybe it’s just that you have to listen to it more often, but that makes it more interesting then as well.

Joel: Yes, and in the end you kind of make your album for yourself. You don’t do it for other people. The people that get onto it, hopefully they really appreciate it and understand what I’m doing with it. And even if it takes them a couple of listening rounds… and they realize it’s something they need to dig into it a little bit more.

JM: Keeps it exciting. „Northern Soul“ is the first single from this album, right? I really like this song, it has a great mood. What does this song mean to you?

Joel: „Northern Soul“ was a movement in the early 70s in England. In Northern England you had like a lot of teenagers burning with energy and spent time on the weekend dancing in clubs. And there was also this movement where DJs would import rare American records. They sounded like Motown records, so this kind of 60s soul stuff. But they weren’t Motown records, they were like castoffs, like B-sides and forgotten artists. So it was this big youth movement that people were listening to songs that were never really hits in America. But sounded well like 60s soul songs. This was the „Northern Soul“ movement. So obviously, writing a song called „Northern Soul“, I was thinking about that a little bit and the style… But the actual lyrics are based on a true story me walking through cold Northern English streets where I was observing people… So these are kind of journalistic lyrics. It’s first person, so it’s my description of what I was seeing. These clichés of life in Northern England. Like everyone has these clichés. Like the first line „skinny legs out in the cold“. Other English people think this is how it’s like and it’s not even true, but they think that the further North in England you go, the skirts get higher. The colder it goes, the skirts get higher… And that’s just a stereotype. And they say it’s a slightly aggressive, fighty culture, and this is not necessarily true but there are always some true parts in a cliché. So the story is essentially walking through a Northern town and my experiences with that, it’s a quest song.

JM: But you live in London, right?    

Joel: I live in London. And I’m originally from Australia. But I’ve toured many times in the North. I speak with some experience you know. And I have a lot of friends in Manchester, New Castle, Leeds and Liverpool. My sister lives in Nottingham, which is kind of more in the North. So I know people in all these places. I really love going up there. The sense of humor is amazing. The people are so funny. The people from Manchester, Leeds and Yorkshire, they are so funny. I think you need that to survive. Sometimes it can seem like a really stuck existence living in the North; it’s cold, there’s not many distractions, there’s rain, the weather is crap. It’s not like London, where’s this fancy night life and so on. It can seem like a really hard existence, so people survive on their wits and this great Northern English sense of humor. And we think of factories in the North of England, it’s always grey… like the Ruhrgebiet here in Germany. 

JM: Great story, a really cool idea. And the song „European Skies“, is this kind of a tribute to Europe, because you’re living in Europe now?

Joel: It’s more about touring Europe as an English artist. It’s about being from an English speaking world being displaced in Europe. I’ve never been to Ibiza, but it’s like playing in a big club in Ibiza and they’re off their fucking tits. And there are some English DJs… It’s more about that than being in a rock band… So it’s kind of me but it’s not quite me. It’s this English Lad DJ, who doesn’t speak the language but everyone is dancing anyway and colors everywhere and you’re somewhere in the middle of summer and everyone’s coming off and whatever pills they were taking. That is sort of the vibe of that song. And you’re essentially playing productions, DJ productions. Like pressing a button and spinning records. There’s nothing wrong with that but yeah, that’s the back story. But you can still have your own interpretation. I’m only saying all of this because these two songs have a more definitive and personal back story. The other songs on „The Imposter“ are a bit more ambiguous, for example „Children of a Higher Light“… you could ask me what that one’s about but I wouldn’t be able to tell you.

JM: Talking about this… how do you usually come up with the ideas writing your songs?

Joel: „European Skies“ was definitively out of… I was playing club gigs, doing more covers and DJ things in Europe. And I felt a little bit like… well, there’s this great vibe on the dancefloor, but I was asking myself „What am I doing here?“ I’d rather be playing in a band, doing my own music. But that’s also about being on the road… not knowing the language. And getting bored of that, getting tired of it. And then you do end up playing the same song every night on a two months tour through Europe. It’s just a different experience you can have, being a DJ or a band on the road touring through Europe.

JM: The info text, and this is now the translation back to the English, but the info text says that on „The Imposter“ you act like a crook, spook and spy.

Joel: Did I write this? I didn’t write this.

JM: No, it was the German text and I tried to translate it.

Joel: Ah… Let me have a look… Ah, yeah, well, maybe more a spook and a spy than a crook.

JM: Okay and what exactly is meant by this?

Joel: Hmm… I’d say it’s an exaggeration maybe… I’m definitively not a crook. As far as I know I’ve never done anything criminal. But it is like sort of living in the shadows a little bit. The existence of being a musician… You need to put on a lot of different faces. Being an imposter is pretending. I do sometimes feel a bit of a spy when I’m in countries which are not really my home or my country. And then you pick up a language und dann ich spreche ein bisschen Deutsch. So you put on a different visage. This is a bit of a spy lifestyle, sort of changing as you go when you play a gig in France or gigs in Germany… or Scandinavia… You can read the lyrics of „They can’t catch me“ and that’s definitively playing about that. Those ideas of being displaced. I recorded and wrote it just on the road and when I was in Berlin for a while. And in Scandinavia. That’s where it all happened. It’s nice speaking English because sometimes if you don’t speak any other languages, you walk around in a bubble. So if I’m not really tuning in it to the language it just sounds like nothing. It can be this really beautiful bubble. So I think these themes are all there. The spy thing and the sneakiness, the displacement

JM: Really cool approach… Have you ever been asked whether your music can be used in a movie? Like in a spy movie or crime movie?

Joel: I’d love that, yes. Sure, why not! My music in a spy movie, that sounds great. But I haven’t got the call yet. There’s definitively this kind of 60s espionage, jazz kind of film soundtracky thing going on a little bit in these songs. Especially in „They can’t catch me“, „Children of a Higher Life“. 

JM: Maybe they’re still making the right movie.

Joel: Yes, they can make the right movie and then they can give me the call. Or I’d write the music for the film. I’m working with some people and we’re seeing if everyone has an interest to use them on TV. TV shows or film primary would be ideal. If that doesn’t work: advertisements. And if that doesn’t work… But yeah, I think they are quite visual, cinematic kind of songs. And there are quite some different moods going through the album… Like „Coralie“, „Happy Alone“, „Chelsea Gun“, they have quite different moods. They’re like the warmer, California kind of 60s style. 

JM: You just said „I could also write the music“… Did you do it before, or how do you really feel about it?

Joel: Well, I have written for some short movies before. For things that have been used for whatever. And I’m going to be working with a friend of mine. He’s making a webseries about an Australian musician living in Berlin.

JM: No, really?

Joel: Yes. And I’m going to be writing the score, sort of helping prepare the music for him. Maybe using some of the songs of „The Imposter“, maybe new material. We don’t know yet. And I’ve no idea about the time frame, but I think it’ll be next year. Little stuff coming up online, that’s cool. 

JM: Indeed.

Joel: I think some songs of „The Imposter“ might be really appropriate because I wrote half of the album when I was in Berlin. And recorded it there.

JM: Oh, yes, should fit then. One question that popped up in my mind: why did you actually come from Australia over here to Europe or the UK?

Joel: Yeah, it was ten, twelve years ago that I came from Sydney over here. When I first left I’ve been touring around. I’ve been in England a lot more permanently for five years now.

JM: So it’s good being in Europe? Working from here and what you said, switching cities for working…?

Joel: Yeah, it’s more it’s größer obviously. There’s a little bit of a scene going on. A small scene at least in Germany, France and Scandinavia. Australia is a small population. And you can’t make these trips. It’s tiring going between Sydney and Europe. I still love Sydney, but I have family in England as well, my sister has her family here. My parents spend nearly more than half a year in England these days. So it’s like my family is here anyway. Of course I have a lot of friends back in Sydney, but I feel a lot more in tune with London definitively these days. And it gives me the chance to visit the rest of Europe as well. Especially Germany. Hamburg, Berlin, the Ruhrgebiet. Wherever people want my music, we can negotiate the stage and I’m happy to go there.

JM: And when you come to Germany you pick up the German sentences, or why do you speak a little bit of German?

Joel: Yes, I don’t know, I’ve just picked it up. I’ve been here for some months sometimes, never quite living here, but I have a lot of friends here so just learning from them. And it’s an interesting language I think. 

JM: It’s a bit harsh, isn’t it?

Joel: No, I wouldn’t call it harsh, it’s just straight forward. In a way it makes it easy to learn. You know where you are. It’s not like Spanish. In German you know where the word starts and ends. It’s not like French where all the words are going into each other. It’s tougher to learn.

JM: You already told me so many things your music is inspired by, like the jazz music and soul music, 60s pop. But also for „Northern Soul“ for example you knew about this movement and stuff. So you’re really into history and yeah, cultural things from the past, aren’t you?

Joel: I’m definitely into culture and movements. And film and TV. Yeah and I’m into the history of music. And unlike when I was an early teenager, now that I’m older I’m actually into a lot of contemporary bands. But I can’t forget the past. I try to do things that are very steeped in history but which can at least be refashioned and reformed for a contemporary audience. I don’t want it to be completely retro. Not that that’s not cool, cause I love retro as well. I love bands like Sharon Jones and The Dap Kings. They’re amazing but so faithful and purist… My sound isn’t like that. You can tell that it’s a contemporary record. I feel comfortable having one foot in the present as well cause times have changed as well. 

JM: But I find it such a nice idea. Seeing what was going on in the past but then put it into the present.

Joel: If people hear my music who don’t know about my influences, and I could be a window or a gateway to find out something about the older bands, then I think that’s amazing. Like my all time favorite artist of all times is The Zombies, The Beach Boys, Todd Rundgren, if people can sort of discover them for listening to me then that would blow my mind. 

JM: Talking about history… On your last album, „The Golden Age“, there was this song „Old Yellow Photographs“ and I was wondering whether you’re also interested in photography? Plus I wanted to say it’s a beautiful song. 

Joel: Thank you. Yeah, I’m into photography. I mean it’s not literally about photographs. But there are a couple of lines in there which are literally about photographs. They are more kind of funny lines…. Well, I don’t know… Outside of that song I’m really interested in photographs. I’ve got an old polaroid camera and an old SLR from the 70s.

JM: And there again is this retro thing, right?

Joel: It’s such a great mystery to take a film to have it been developed. It’s so exciting.

JM: Yes, I really think so too. It’s not like doing 1000s of pictures on your digital camera, right?

Joel: Yes, you don’t know what will come out. The roll even might be spoiled, especially with old ones this could happen. Or you let too much light in. It’s so exciting. You think now no one does it anymore and you might think they’d charge more, but it’s not like this. I love processing photos and films. And be like „what will be on there, did it work?“ And it’s a bit real, you can touch it.

JM: So true, it’s totally different with a digital camera where you’d probably not even print it.

Joel: Yeah, or you just scan through your pictures on your phone. And if you want to choose one you have to choose one out of a hundred you took. I did my press pics and flyers, I was using film for this. I hope you can tell. A friend of mine, a wonderful Australian artist, his name is Edward Housden, he did all the photography for „The Imposter“ and the design. And he also did it for „The Golden Age“. So it’s definitively a film shoot. That said, the front cover was a digital shot because we never nailed it with a film camera. But it’s just nice  that you can develop a nice 35mm print even in 2015. I think this is something quite special. You could photoshop it and give it a bit of green, but yeah…

JM: It’s just not the same. I read that you’re a „songwriter who travels the world to find his muse“ – did you find her?

Joel: I’m still looking. Maybe she’s somewhere here. Below the couch… Somehow I have the feeling I’m not going to find it on the Reeperbahn. I don’t think so. I might find some anarchistic punks there who smell like Tequila. 

JM: Okay, so you’re still searching.

Joel: Still searching. Gives me a reason to kind of wake up every day and keep on looking for it. Wake up every day, pour the coffee on, get out there, get my microphone and headphones…

JM: Ah, so there’s the spy again.

Joel: Yes. There he is, the spy again, looking for his muse.

JM: I see, that’s cool… Well, one of my last questions: there are three albums you only released in Australia. Did you ever think about rereleasing them in Europe?

Joel: Uuh, I wasn’t expecting this question. You’ve done your research. Almost too much. No, just kidding. But yeah, they’re kind of old. One day I’m going to rerelease some tracks from „Souvenirs“ and from „City Heart“ at least. They were really small releases. But I’ll take what I still connect with emotionally from these albums and do like a „best of“ from my Australian years. And yeah, put them up online, Spotify… But I kind of grew as an artist from there to „The Golden Age“ quite a lot. Once „The Imposter“ is out there, maybe in about a year or something I’ll do this re-release of some of my old songs. 

JM: And re-recording them, would that be an option?

Joel: Oh, that sounds like a lot of work. You know, I’m a lazy guy. I’m too lazy for this stuff. I know people who are always recording, like friends of mine, they’re always recording new stuff and they’re constantly releasing. I just don’t have the time and the patience for that. I write an album a year and that’s it. I write like 15 or 20 songs a year, most of them get produced and that’s enough. And then every couple of years I release an album.

JM: It’s good. I mean, if you don’t feel the pressure to write more songs and release more albums.

Joel: It’s totally fine. These 20 songs, they’re going to come anyways. And there’s no external pressure. You know, Elevate is releasing „The Imposter“. And they’re not putting pressure on me. And I don’t like putting pressure on myself. If I write 10 great songs, then great, then I release an album. And that sort of seems to happen anyways, naturally. And then I release an album every two years. Very natural, very organic way of doing it. Rather than writing every day. And I tour all the time as well. So it might sound lazy, but at least half of the year I’m on tour. There were times when I were playing 200 to 250 gigs a year.

JM: So you’re not really writing when you’re on tour?

Joel: I am. But it’s difficult to have enough time to do it properly. But „The Imposter“ came during a tour. In December 2013 I started with the album and it took about a year to finish it. It came very quickly to finish it… Like I was playing in Scandinavia and then I had a week off, so I went to Berlin, because there you can do whatever… A friend of mine has a studio there and he was like „You can use it for free if you want“. And I was like „Okay, why not?“ And in the end I was like „Wait a minute, I actually have a whole album here”“ So it was really in a couple of weeks through November, December 2013 that it was almost finished. And this is how it should work when you’re hot. But then I got cold and then I left and then I went to Australia and I was swimming in the beach and got lazy again… And after that point everything took soo long to do it. So it really took another year to complete it. And then there were some new things that came along like „Young Man’s Game“ and „When The Summer Ends“ happened a few months ago. At this point I already had a deadline. But then I managed to do all this very quickly. But I think it makes sense to work when you’re hot. If you’re not, don’t bother about it. If you don’t feel it, don’t do it. Go on tour, go enjoy your life. And that’s the way I try to live. But with the next album process, at the beginning, when it feels good, I’ll take another two weeks of that process, or three or four weeks, ‚cause then it’s going to be finished.

JM: And now that the album is close to be released – what do you want the people to do when listening to it?

Joel: My desire is that they put this record on and they’re feeling warm and they’re relaxing. They can have a nice night to this record. That’s all I want. They can also get sexy if they want, have a nice bottle of wine… It’s an album born out of love and wanting to do beautiful things. And I want the people to pick up on that and be relaxed. They’ll have some nice olives there and some good French red wine and you know… 

JM: Well, I can definitively picture that.

Joel: And they should have a party. So it’s for all the party people out there. I just want you to feel that. 

JM: And the people coming tonight to your gig, what do you want them to do?

Joel: We’re playing from 10 to 10.30, that’s definitely the time to dance. They gotta get sexy. People coming tonight they should get really sexy… within the sphere of good taste. Sexy within reason, that’s all I ever wanted. 

JM: Should be possible, I mean, we’re in Hamburg.

Joel: Right, com‘ on, we’re in Hamburg, we’re on Reeperbahn. And that’s it for me.

JM: And that’s it for me. Thank you so much for the interview, I had a great time.

Joel: Thank you too! 

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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