Von Arne Banane bis latent-kredibel – SIND im Interview

sind

Dagobert live erleben zu dürfen, ist schon krass. Auf einem Konzert des eidgenössischen Neo-Schlager-Barden aber auch noch einer Offenbarung in Form einer (damals wegen Krankheit) schlagzeugerlosen Vorband gewahr werden zu dürfen, das passt auf fast keine Kuhhaut mehr. Nachdem es die Band mit dem (in Suchmaschinenzeiten wirklich jetzt mal!) unmöglichen Namen Sind dem Autoren entsprechend angetan hatte, verschwand sie zunächst von der medialen Bildfläche. Weg vom Fenster waren die fünf aber dennoch nicht. Neben den Aufnahmen zur inzwischen vergriffenen Debüt-EP vertrieben sich die ehemaligen Schulfreunde die Zeit mit diversen Warm-Up-Jobs und sammelten auch anderweitig mutmachende Erfahrungen in Sachen Profimusiker-Prekariat. Mit „Irgendwas mit Liebe“ steht nun ihr erster ordentlicher Langspieler in den Startlöchern. Zwischen auf die Plätze, fertig und los traf der Autor drei von fünf Sinds zum Interview. Wie sich zeigen sollten, waren die Interviewten mindestens genauso gut vorbereitet wie der Interviewer.

JM: Wehe, einer von Euch hat ein „Carpe Diem“-Tattoo?!
HANNES: Wir sind alle komplett untätowiert.

JM: Gut, dass wir das geklärt hätten. Dann mal zur Musik. Warum finden sich auf Eurem Album keine alten Songs wie zum Beispiel „Alles Geben“ oder „Unter deinem Balkon“?
ARNE: Das sind natürlich noch immer Songs, die uns am Herzen liegen. Aber man muss auch sagen: Wir haben uns an denen ein wenig satt gehört – was die Songs auf keinen schmälern soll. Aber als es dann ums Album ging, standen wir vor der Frage: Boah ey, sollen wir die jetzt noch mal aufnehmen? – Die waren ja, so wie wir sie einmal aufgenommen hatten, für sich fertig. Das mit einem neuen Produzenten noch mal durchzuexerzieren, das fanden wir auch blöd. Und da haben wir gesagt: Dann machen wir jetzt eben neue Songs. Das heißt natürlich nicht, dass die jetzt komplett aus dem Live-Programm gestrichen sind. Für’s erste werden die sich live ein wenig rar machen, aber wir werden die bestimmt ab und zu mal antesten. Wir wollten uns gern auf neue Sachen konzentrieren und weil man bei nem Album ja auch immer nur Platz für 11 Songs hat, will man da natürlich das Frische und Neue drauf haben und nicht die alten Kamellen.
HANNES: Und außerdem haben wir uns natürlich auch weiterentwickelt. Das Album ist sozusagen in einem Rutsch entstanden. Wohingegen z.B. „Unter Deinem Balkon“ schon über drei Jahre alt ist. Mit Aaron im Freudenhaus-Studio hatten wir sehr stark auf elektronische Elemente, Backgroundgesänge und Melodien gesetzt. Im Vergleich zu den Aufnahmen zum Album war das ein ganz anderer Themenschwerpunkt.

JM: Also Schlussstrich unter die Frühphase?
HANNES: Genau.

JM: Aber erhältlich sind die jetzt auch nicht mehr.
LUDWIG: Ja, das haben wir gemacht, weil wir uns auf „Deine Magie“ konzentrieren wollten. Aber wenn man uns kennt, könnte man die EP theoretisch noch kaufen…
ARNE: Ja, das war ganz bewusst im Sinne einer künstlichen Verknappung gedacht. Damit die irgendwann mal einen Sammlerwert hat.

JM: Verstehe. Aber selbst als die EP noch offiziell gab, waren die und ihr schwer zu finden: Mal gab’s nen Soundclound-Account, mal nicht. Dasselbe mit Spotify.
HANNES: Ne zeitlang hatten wir sogar zwei Spotify-Accounts. Aus Versehen hatten wir mal eine Proberaumaufnahme hochgeladen und in den zwei Wochen, in denen der Song in der New Music Friday Playlist war, haben wir 20.000 Streams generiert. Unsere ersten überhaupt. Mit einer Proberaumaufnahme!

JM: Wie das Schicksal so spielt. Apropos: Wie sind SIND eigentlich geworden?
HANNES: Max, Arne und ich waren auf einer Schule. Ludwig und Matze waren auf ner anderen Schule. Und waren jeweils schon extrem gut Freunde. Musik gemacht haben wir aus Spaß an der Freud. Die andern beiden auch. Und 2013 haben wir, Ludwig und ich, uns bei einem Konzert kennengelernt und die beiden Stränge zusammengeführt. Seitdem sind wir ein Gruppe. So war’s wirklich: Wir haben gejammt, hatten Ideen und dann hab ich gesagt: Ich hab da so ’nen Schlagzeuger getroffen, ich ruf den mal an. Und nach der ersten gemeinsamen Probe hatten wir vier Songs.

JM: Is ja doll. Und von Anfang war klar, dass es um deutsche Texte gehen würde?
ARNE: Ja, naja. Hinter englischen Texten kann man sich immer ganz gut verstecken. Und das wollten wir nicht. Also war klar, dass das bei uns deutsch sein würde. Da gab’s auch keine großen Diskussionen.
LUDWIG: Man hat ja eh nix verstanden…

JM: Und wie kam dann die Verbindung zu Dagobert?
HANNES: Der Pianist von Dagobert, der hat ne eigene Bar, die Kim-Bar – unsere Stammkneipe. Dadurch haben wir den kennengelernt. Erst wollten sie ’nen Gitarristen, dann ’nen Tourbassisten und so kam eines zum anderen.

JM: Um diese Dagobert-Konegge sowohl rund zu machen als auch abzuschließen: „Alpina Weiss“ ist ja nicht das erste Handy-Hochkant-Video. Vorher gab es mindestens noch Dagoberts „10 Jahre“ und Harrison’s „How can It be“.
LUDWIG: Ich hab mal nen Video von chinesischen Rappern gesehen, auch aus ihrem Studio, in Hochkant. Oder jetzt Selena Gomez – zeitgleich mit uns.

JM: Zeitgleich?
LUDWIG: Fast zeitgleich. Hat sie abgeguckt, die Alde.

JM: Die Alde. Also gebt Ihr zu, dass Ihr das Hochkant-Video nicht erfunden habt.
LUDWIG: Nee, unser Regisseur hat’s erfunden.

JM: Das ist gut.
ARNE: Also ich hab mir nie vorher so ein Hochkant-Video reingezogen. Und dann kamen wir irgendwie mit der Idee um die Ecke und haben gesagt, jo, lass machen. Hätten wir gewusst, was das für ein Aufwand bedeutet, hätten wir’s wahrscheinlich gelassen. Immer wieder Sachen vom Telefon oder dem Computer-Bildschirm abfilmen, tausendmal umdenken, warte mal: Aus welcher Perspektive zeigen wir das noch mal und was müsste dann auf dem Handy-Bildschirm unserer Video-Protagonistin zu sehen sein? Wem gehört das andere Telefon? Usw. Also sehr viel Arbeit, aber ich glaube es hat sich gelohnt.
LUDWIG: Also dass wir damit jetzt nicht das Rad neu erfunden haben, ist glaube ich allen klar. Aber das Besondere an unserem Hochkantvideo ist die Konsequenz, mit der es umgesetzt wurde. Also nicht einfach nur im Sinne eines Vertical Videos Dinge in diesem Format abfilmen, sondern das Format selber zum Gegenstand zu machen, auch um zu zeigen, was auf so einem Smartphone alles so passiert.

JM: Ich finde das tatsächlich auch sehr gelungen. Und habe ich mir einen versteckten Hinweis auf AB Syndrom nur eingebildet, oder tauchen die da wirklich drin auf? Kennt Ihr Euch?
ARNE: Nicht wirklich, Aber wir wollten halt jeden fragen, ob das ok ist, wenn die in dem Video mit auftauchen. Und deswegen hatte ich später mit deren Sänger gesprochen und beim letzten Schnitt sind die dann mit ins Video reingerutscht. Ich feier‘ die sowieso schon.

JM: Die sind ja auch gut. Aber zurück zu Euch: Jetzt macht Ihr hier schon auf Vertical-Video-Oscar, aber mit Social Media habt Ihr’s nicht so, oder?
ARNE: Wir sind jetzt nicht so die Social Media-Säue.

JM: Hat das auch was mit künstlicher Verknappung zu tun?
ARNE: Teils teils. Heutzutage geht es ja aber fast gar nicht mehr ohne. Aber wir erwischen uns dann immer wieder in Situationen, in denen es heißt: Also das müssten wir doch jetzt erstmal posten. Aber warte mal: Ist das überhaupt relevant? Nee. Also soll ich das jetzt posten? – Nee, weil das zu posten eigentlich voll gegen meine Vorstellung von dem läuft, was zu posten für Menschen tatsächlich relevant wäre, sein könnte. Man ist immer so ein bisschen in der Zwickmühle.
LUDWIG: Wir sind dafür zu verkopft. Social Media ist assoziativ und spontan und so sind wir einfach nicht. Eigentlich sind wir total langsame Stehengebliebene.

JM: Ihr wollt immer Essays veröffentlichen.
ALLE: Genau.
ARNE: Bei uns passiert ja auch viel. So drumherum und so. Wir hängen miteinander ab und irgendwas ist. Aber das dann zu teilen bedeutet, dass man eben nicht mehr dabei ist. Weil Du das Handy in der Hand hast, trittst Du halt aus diesem Moment raus. Und bist nicht mehr Teil des Ganzen.

JM: Dafür habe ich mehr als nur Verständnis.
LUDWIG: Am Ende glaube ich aber, dass wir das alles sehr pragmatisch handlen.
ARNE: Vielleicht ändert sich unsere Einstellung ja auch und wir wachsen dann da so rein, verlieren bestimmte Hemmungen. Man darf diese Schwelle da auch nicht unterschätzen. Künstler, die sich die ganze Zeit mit Leuten auf Insta oder sonst wo austauschen, die sind auf einem ganz anderen Level was die Kommunikation mit Fans angeht. Diese Schwelle will man erst mal überwunden haben. Oder Du machst es so wie zum Beispiel Bilderbuch. Die posten extrem wenig, da wird auch nicht geredet. Und das finde ich am Ende interessanter und spannender. Da entsteht eine gewisse Mystik.

JM: Die wohl schönste Formulierung in Eurem Promo-Text ist Eure Selbstbeschreibung als latent kredibel. Habt Ihr da für den Merchandise schon T-Shirts drucken lassen
HANNES: Nee, noch nicht.

JM: Dann wird’s aber Zeit.
LUDWIG: Wir suchen noch nach nem Spruch, den man dazu drucken kann.

JM: Ich finde latent credibel reicht.
HANNES: Das war lange Zeit unsere Art, unsere Musik zu beschreiben. Und das trifft’s noch immer ganz gut.

JM: Wenn Ihr Euch in der Schule kennengelernt habt, dann seid Ihr wahrscheinlich in den 1990er Jahren geboren.
HANNES: 90. Also 88. So um den Dreh.

JM: Ludwig ist ein ungewöhnlicher Name für die Zeit, oder?
LUDWIG: Kommt wieder.

JM: Du warst also einfach auch schon damals Deiner Zeit voraus…
LUDWIG: Ich sollte eigentlich erst Alexander heißen, aber dann saß bzw. lag meine Mutter zusammen mit ihrer schwangeren Freundin im Krankenhaus. Und als wir Kinder dann relativ gleichzeitig zur Welt kamen, war die Freundin meiner Mutter mit der Namensgebung einfach schneller: Die hatte ihr Kind Alexander genannt.

JM: Ja, das geht ja dann auch nicht mehr.
LUDWIG: Also hat sie sich spontan um entschieden. Ganz ehrlich: Ich hatte mit diesem Namen auch so meine Probleme. Aber auch nur kurz.

JM: Weil dann bist Du Schlagzeuger geworden.
ARNE: Du hattest Probleme mit Deinem Namen?
LUDWIG: Na, wenn Du so ’nen untypischen und unbekannten Namen hast, was erzählst Du denn dann?
ARNE: So lange Du nicht Adolf heißt, ist doch alles in Ordnung.
LUDWIG: Das sagst Du nur, weil Du meinen zweiten Namen nicht kennst.
ARNE: Als Arne hatte ich’s auch nicht einfach. Sechs Jahre lang war ich nur Arne Banane. Arne Banane rennt um die Fahne, rennt um das Gulliloch, doof ist er immer noch.

JM: Owei. Da spüre ich wirklich ein Trauma.
ARNE: Das hat mich auch lange verfolgt. Als meine Sollbruchstelle.
HANNES: Ich wollte mein Kind immer Arne nennen, bis ich Dich getroffen hab.

JM: Ludwig – Du spielst nicht zufällig auch auf nem Ludwig-Schlagzeug.
LUDWIG: Nicht bei uns.

JM: In einer anderen Band?
LUDWIG: Unter Umständen. Also ich hab schon mal auf nem Ludwig gespielt.
ARNE: Was’n das hier für’n Kenner?

JM: Na – ich bin doch auch verhinderter Mucker.
HANNES: Ach – Was hast Du gespielt?

JM: Klavier und Schlagzeug. Aua – (Interviewer haut aus Versehen mit seinem Ring auf den Tisch).
ARNE: Und ’nen Siegelring hat er auch noch.

JM: Der ist von meinem Opa. Deswegen heißt mein Kind Hermann. Aber die Namensdiskussion rollen wir jetzt nicht noch mal auf. Wie is’n das eigentlich als Vorband?
LUDWIG: Als Vorbild?

JM: Nee, so ähnlich, als Vorband. Als Warm-up Act. Ihr habt ja nun einige Erfahrungen sammeln können.
HANNES: Das ist sehr geil.

JM: Echt?
HANNES: Voll. Weil wir eine sehr soziale Truppe sind und mit den Haupt-Acts immer mächtig viel Spaß gehabt haben. Ich kann mich an keine besonders negative Sache erinnern. Mit Schmutzki war es lustig. Districts, Max Lessmann. Dagobert sowieso.
LUDWIG: Ich glaube wir haben einmal verkackt bei The Black Queen. Arne hatte vor unserem Set noch mal gefragt: Wie heißen die? Ah: The Black Queen. Alles klar. Und am Ende unserer Show ruft er dann ins Publikum: Viel Spaß noch mit The Black QueenS. Aber das war ja der Typ von Nine Inch Nails. Und die saßen sowieso nur im Backstage rum.
ARNE: Unsere Vorband-Einsätze waren aber auch für Haupt-Acts, die eigentlich gar nicht gepasst haben. Die nicht zu uns, und wir nicht zu denen.

JM: Aber es ging trotzdem gut oder hat man Euch beworfen?
ARNE: Am Ende ging’s gut. Und es war spaßig.

JM: Gut. Aber so Erfahrungen wie „kein soundcheck für den Warm-up act“ – das habt Ihr nicht erlebt, oder?
ARNE: Doch, gerade letztens ist uns das passiert.
HANNES: Aber dafür konnte die Band doch nichts.

JM: Weil Ihr zu spät wart?
HANNES: Nee – da haben wir in der Berghain-Kantine gespielt. Kein Backstage, 20 Minuten Soundcheck und das war dann ziemlich schwierig. Aber auch da musst Du durch.

JM: Wo Du Berghain-Kantine sagst – Ihr hattet ja auch Shows im Ritter Butzke und Kater Blau – was sagen die Uffta-Uffta-Druffies so zu Euch?
LUDWIG: Mega gut.

JM: Weil das dann für die so wie Zirkus ist?
LUDWIG: Ich glaube, wir waren da wie so eine willkommene Abwechslung. Nach 12 oder 16 Stunden raven mal rüber zu gehen und was ganz anderes zu hören, das war auch für die witzig. Also so wirkte es jedenfalls.

JM: Als Musik-Konsument, sind Raves und Techno-Parties was für Euch?
ARNE: Da sind wir alle sehr unterschiedlich. Ich zum Beispiel kann damit gar nichts anfangen. Mir kommt das alles immer so sehr abgeschlossen vor, jeder ist nur mit sich beschäftigt und tanzt für sich auf gewissen Substanzen. Ich kann mir so was mal 2 Stunden geben aber 10 Stunden in so nem Laden abzuhängen, das ist nicht meins.
HANNES: Aber so richtig Raver sind wir eigentlich alle nicht. Wenn, dann sitzen wir an der Bar und erzählen und schnacken. Wir sind jetzt öfter im Kater weil wir da berufsbedingt in der Nähe mitwirken. Aber eher so an der Bar hängen und Bierchen trinken – das ist eher unser Ding.

JM: Mensch – dann komm ich gleich nachher mit. In diesem Zusammenhang: Gefällt Euch Euer „Deine Magie“-Remix eigentlich?
HANNES: Guter Bogen.
ARNE: Den hat nen Kumpel von uns gemacht, der eigentlich ein richtig krasser Schlagzeuger ist, der jetzt aber unbedingt EDM-Mucke machen will.

JM: Als LGBTF.
ARNE: Richtig. Und der hat gefragt, ob er das machen kann. Und wir so: Na klar, sehr gerne. Nehmen wir mit. Tja, und das ist dann so’n Elektro-Ding geworden. Super deep, sehr mollig, wie ich finde.
LUDWIG: Es ist auch der einzige Song, mit dem das überhaupt irgendwie machbar war. Alles andere wär noch schwieriger geworden. Aber das scheint ja aktuell sowieso das Problem zu sein: Wenn Du deutschsprachige Mucke remixt, hört sich’s gleich an wie Robin Schulz. Es gab aber noch einen anderen Remix von Boss Bell, auch für „Deine Magie“ Auf Soundcloud.
ARNE: Stimmt, von Boss Bell. Der war eigentlich tatsächlich mal ganz geil.

JM: Wieso kann ich als jemand mit Insider-Kontakten zur Promo-Agentur und dergleichen außer „Deine Magie“, „Alpina Weiss“ und dem Titelsong noch nichts hören von Eurem neuen Album?
ARNE: Tja, das ist, äh, künstliche Verknappung.

JM: Ich verknapp meine Leser auch.
ARNE: Ja, also gibt einen Plan für den Album-Release in 2018. Und der ist am 20.04.2018. Bis dahin müssen wir aber noch ein bisschen medialen Staub aufwirbeln, auf uns aufmerksam machen, sonst wird das wieder nix.
LUDWIG: Naja – wir sind ja so gerade eben auch erst fertig geworden.

JM: Ich muss noch mal auf dem Promo-Text zurückkommen – dort lasst ihr Euch als verschworener Haufen beschreiben. Was genau ist es, das Euch außer der gemeinsamen Musik noch verbindet?
HANNES: Alles. Fußball gucken, Dart spielen, Bier trinken. Auch ohne die Band wären wir dieser verschworene Haufen.

JM: Da kann man Euch ja nur wünschen, dass Ihr nicht erfolgreich werdet – dann ist nämlich alles vorbei.
ARNE: Ach…
HANNES: Man darf ja auch nicht vergessen, dass das nicht nur wir fünf sind. Der Freundeskreis um uns herum besteht aus ca. 15, 16 Leuten. Das ist der eigentliche Kern. Und wenn wir erfolgreich werden, werden Teile von denen auch erfolgreich. So wird das laufen. Die gehören ja auch jetzt schon zum Band-Projekt: Soundmann, Lichtmann, Fahrer. Das passt.

JM: Dass Ihr mit Musik kein Geld mehr verdienen werdet, wisst Ihr ja. Versuchen tut Ihr’s aber trotzdem, oder?
HANNES. Ich habe das neulich in einem Interview mit Fritz schon ausgeführt. Klar wär das schön, mit unserer Band mal Geld zu verdienen. Aber das war ja nicht die Intention, die hinter der Gründung der Band stand. Und das hat sich nicht geändert. Wir machen das für ne schöne Zeit, für tolle Erfahrungen. Am Ende ist das ja auch das Einzige, was bleibt. Wenn das mit der Kohle dann auch noch kommt, umso besser.

JM: Keiner Eurer Songs hatte bisher nicht mit Liebe und/oder Artverwandtem zu tun. Wann ist damit zu rechnen?
HANNES: Songs ohne Liebe, oder wie?

JM: Songs mit profaneren Themen: Politik, Umwelt, gelbe Mützen.
ARNE: Politik und Umwelt?!
LUDWIG: Hast Du das neue Kettcar Album gehört?

JM: Ehrlich gesagt, bin ich damit noch nicht super-vertraut. Aber Message-Rock ist eh nicht meins.
HANNES: Also auf dem Album sind zwei Songs, die sich nicht um die Liebe drehen.
LUDWIG: Welche?
HANNES: „Danke Kim“??
LUDWIG: Aber da geht’s doch auch um eine bestimmte Vorliebe.
HANNES: Wenn Du das so runterbrichst, ist auch ein politischer Song ein Song über die Liebe oder Vorliebe zu einer bestimmten politischen Einstellung.
ARNE: Eigentlich war das ein Liebes-Song zu Kim Jong-Un.
Allgemeines Gelächter.
ARNE Ich hab ein Austauschjahr in Nordkorea gemacht und da kam mir das.
HANNES: Ja? – Danke!

JM: Austauschjahr in Nordkorea, das merke ich mir.
ARNE: Da hab ich auch so gut Gitarrespielen gelernt.

JM: Da gibt’s ja auch nichts anderes zu tun.
ARNE: Da gibt’s so ein Video von ein paar 4- oder 5-jährigen Kindern, die mit riesigen Gitarren in einem Stadion vor ungefähr 10.000 Leuten die heftigste Scheiße spielen und Kim Jong-Un hört sich das an.

JM: Danke für das Interview!

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