Das Liebeskarussell auf dem Medienrummel – SIND veröffentlichen „Irgendwas Mit Liebe“

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Arne, Hannes und Ludwig haben gut lachen. Mathias und Max natürlich auch. Der Berliner Fünfer, der unter dem Namen SIND firmiert, veröffentlicht heute sein Debüt-Album. Was ihnen zu „Irgendwas Mit Liebe“ außer Kauft unser Album! noch einfällt, mit welchem Song Ludwig seine Dum-Skills unter Beweis stellt und warum Arne manchen Nachtmenschen nicht zu nahe kommen mag verraten sie im Interview.

JM: Ihr kommt gerade von einer kleinen Pre-Release-Tour – Hörer, Fans und alle, die es werden wollen, kannten Eure Songs ja noch gar nicht – wie hat das funktioniert?
LUDWIG: Also es gab in Nürnberg eine schöne Begebenheit, dass eine Person wirklich wegen uns da war.
HANNES: Hier in Berlin, bei Neufundland, waren’s auch mehrere.
LUDWIG: Naja, Berlin is ja klar – mit Heimvorteil.
HANNES: Ich mein ja auch Leute, die wir nicht kannten.
LUDWIG: Stimmt, in Berlin hat man das ganz krass gemerkt: „Alpina Weiss“ kannten alle aus’m Radio und haben auf einmal mitgesungen. Und wie gesagt: In Nürnberg gab’s eine Person, die alles kannte, was es von uns gerade so gibt: „Magie“ und „Alpina Weiss“. Und ansonsten haben wir ein gutes Gefühl gehabt. Das kam wirklich ganz gut an unser Programm dort, unser musikalisches.
HANNES: Aber es ist echt abgefahren, dass Leute jetzt teilweise mitsingen. Und schön.

JM: Zwei so minderjährige Mitsänger hab ich auch zu Haus.
ARNE: So muss das.

JM: Dann lasst uns doch jetzt zu Eurem Album kommen, das heute erscheint. „Irgendwas mit Liebe“ musste partout an Hitlers Geburtstag releast werden?
HANNES: Das ist nicht Hitlers Geburtstag. Das ist der meines Vaters.

JM: Äh?
HANNES: Nicht, wie Ihr denkt, jetzt. Die haben miteinander gar nichts zu tun.
ARNE: Naja – ein paar Leuten wollten wir schon ganz bewusst huldigen: Blümchen. Ingo Appelt. Die haben alle Geburtstag. Dass die Leute immer auf den blöden Adolf kommen…

JM: Echt jetzt?
ARNE: Echt jetzt. Side-Facts – verstehste? Und unser Album jetzt nun auch. Wir reihen uns da ganz ehrenvoll ein.
HANNES: Eigentlich hatte das ganz praktische Gründe. Zum Beispiel weil andere Termine nicht gingen.

JM: Der beste Grund überhaupt. Mal kurz zum Cover. Auch wenn’s gute Portraits gibt – ich find’s immer gut, wenn man sein Gesicht nicht auf’s Cover packt. Das ist also schon mal gelungen. Was habt Ihr sonst dazu zu sagen?
ARNE: Thematisch dreht sich das Album, dreht sich eigentlich jeder einzelne Song um Liebe.

JM: Da waren wir ja beim letzten Gespräch schon.
ARNE: Genau. Dann aber im nächsten Schritt und in Verbindung mit den Videos für„Alpina Weiss“ und „Irgendwas mit Liebe“ und so, äußern wir damit aber auch Kritik an die belanglose „Liebe in Zeiten der Follower“. Shout-Out an Max Richard Leßmann für diesen wunderbaren Albumtitel, den er dort gewählt hat. Und natürlich spielt es auch an auf die allzu bekannte Job-Beschreibung: Irgendwas mit Medien. Und schließt sich der Kreis. Medien, Liebe und wie sie zueinander stehen, das sind die Themen, mit denen wir uns unter anderem auch in unseren Texten und Videos auseinandersetzen. Und deswegen das Cover. Eine Ringschatulle, in der sich ein ziemlich kaltes Stück Metal befindet, ohne das fast keiner mehr kann.
LUDWIG: Uns war wichtig, dass wir mit dem Cover noch mal eine andere Bedeutungs-Ebene aufmachen und eben nicht nur uns selbst zeigen.
ARNE: Ein gutes Band-Pic ist auch viel anstrengender… Wie findest Du es denn?

JM: Äh – die Idee mit der Ringschatulle ist gut. Ansonsten finde ich, dass es einen nackten und aufgeräumten Eindruck vermittelt, der Eurer Musik eigentlich nicht so entspricht. Ist das Cover von Euch oder wer hat das gemacht?
LUDWIG: Das Cover haben wir zusammen mit den Mädels von Eyecandy gemacht, wie das gesamte Booklet auch. Ohne sie hätte es wahrscheinlich nur’n Selfie gegeben.

JM: Apropos Gastbeitrag – gibt es auf „Irgendwas mit Liebe“ einen?
LUDWIG: Einen. Von Zebo. Unserem Produzenten. Der hat bei „Danke Kim“ eine Gitarre eingespielt…
HANNES: …und bei „So Allein“ im Chor mit gesungen.
LUDWIG: Stimmt, bei „Alpina Weiss auch“.
HANNES: Aber so ein klassisches Feature gibt’s nicht.

JM: Dann sind das bei „Danke, Kim“ auch keine Streicher, oder?
HANNES: Nee – Gitarre und Synthie.

JM: Nach mehrmaligen Durchhören muss ich sagen, dass mir zwei Dinge ganz besonders aufgefallen sind: 1. Ihr macht Ostinato-Rock: Aus kurzen und prägnanten Motiven, die harmonisch passend durch den Quintenzirkel geschoben werden, bestehen so gut wie alle Eure Songs, und
2. Ihr habt eine starken Hang zu starken C-Teilen – ist Euch das auch schon mal aufgefallen?
HANNES: Ja.
LUDWIG: Das ist irgendwie so ein Automatismus.
HANNES: Immer. Gibt’s einen ohne eigentlich?
LUDWIG: Nee. Doch. „Danke, Kim“.

JM: Find ich gut. Du denkst, du kennst den Song, dann geht er noch mal neu los.
LUDWIG: Alte Schule halt.

JM: Ja, aber eben nicht nur ne Terz nach oben.
LUDWIG: Einen Halbton haben wir auch ausprobiert – habe ich aber am Schlagzeug nicht so gut hingekriegt….

JM: Eine der stärksten Nummern finde ich ist „Wir kommen irgendwann an“.
HANNES: Wirklich? – Da scheiden sich bei allen die Geister.

JM: Ich finde die gut. Aber auch, dass sie noch mehr als der Rest des Albums – speziell an den Stellen mit dem Background-Chor – „unterproduziert“ wirkt.
HANNES: Soll ja auch so.
LUDWIG: Das ganze Album ist unterproduziert.
HANNES: Eine ganz bewusste Entscheidung.
LUDWIG: Das hatten wir mit dem Produzenten, Zebo, vorher auch genau so abgesprochen. Der hat gesagt: Wir nehmen das, was Ihr habt und auch live umsetzen könnt. Kein Firlefanz. Deswegen auch keine externen Features oder Chöre.
HANNES: Ja, das war ne Grundsatz-Entscheidung. Klar, hätte man den Song auch mit nem richtigen Brett machen können. Wir haben aber nun mal nur zwei Gitarren und die müssen halt reichen. Live sowieso. Ganz selten haben wir mal was gedoppelt – aber ansonsten war klar, dass wir das entsprechend reduziert haben wollten. Songs, bei denen das nicht funktioniert hat, haben es nicht auf das Album geschafft. Und „Wir kommen irgendwann an“ ist der Song, mit dem alles anfängt. Der beschreibt, wie alles losging und was die Motivation für uns hinter SIND ist. Und genau so soll er sich auch anhören.

JM: Ein anderer sehr besonderer Song auf „Irgendwas mit Liebe“ ist „Wahre Helden“ – könnt Ihr nachvollziehen, warum der für mich raussticht?
LUDWIG: Sticht auch für uns raus.
ARNE: Ja, genau. Der Songs ist im Vergleich zu anderen auf dem Album sehr düster. Und es ist deswegen ein besonderer Song, weil es der erste Song war, den wir geschrieben haben …
LUDWIG: Direkt in der ersten Probe entstanden.
ARNE: … und den wollten wir schlicht und ergreifend damit ehren, indem wir ihn mit auf das Album packen. Im Albumverlauf sozusagen, rüttelt er einen noch mal kurz auf, schüttelt so ein bisschen wach…

JM: Auch rhythmisch – der groovt ja schon ganz anders als die geradeaus rockenden anderen Nummern.
LUDWIG: Das ist unsere Art zu zeigen, dass wir auch Skills haben.

JM: Anders als die ersten beiden Singles haben „Gold Teer und Tränen“, „Deine Ruinen“ oder auch „Mi Wifi es su Wifi“ bei mir ein bisschen gedauert. Die gingen nicht sofort rein. Aber auch nicht mehr raus, nachdem sie es mal rein geschafft hatten. Arne, wovon handelt „Deine Ruinen“?
ARNE: Boah, muss ich weit ausholen. Oder vielleicht auch nicht. Hmmh – keine Ahnung, wo ich da anfangen soll. Also: Ich habe lange Zeit und sehr viel im Nachtleben gearbeitet. Manchmal habe ich mich tatsächlich einfach auch nur rumgetrieben. Und dabei ist mir aufgefallen, dass man da irgendwie immer die gleichen Charaktere trifft. Man lernt sich kennen, geht feiern, verbringt schöne Stunden miteinander und ist voller Freude. Aber der nächste Schritt ist halt nicht drin, bewusst nicht, weil man ganz genau weiss, da erwarten einen nur Ruinen. Und hinter diese Fassade will man nicht schauen. Weil’s einen runterzieht und man Angst haben muss, dass man’s aus dem Strudel nach unten nicht wieder raus und nach oben schafft. Ich hab da bei Freunden und Freundinnen viel mitbekommen. Es fällt mir auch nicht ganz leicht, darüber zu sprechen, merkst Du jetzt ja auch. Also in kurz: Ich hab gern Spaß mit Dir, aber ich trau mich auf keinen Fall einen Schritt weiter, weil ich schon jetzt die Dämonen sehen kann, die da auf mich warten.

JM: Wie sieht das generell mit der Text-Arbeit aus – musst Du die erfolgreich an die Band verkaufen oder darfst Du machen, was Du willst?
ARNE: Beim Weihnachtssong wurde es ein wenig brenzlig.
HANNES: Haha.
ARNE: Aber der Fussball-Song, der wär fast durchgegangen. Im Ernst: Verkaufen und auch nur Überzeugungsarbeit leisten muss ich nicht. Die sagen schon, wenn ihnen was mehr oder auch weniger gefällt. Man spricht drüber und so. Aber auf komplette Ablehnung bin ich noch nicht gestoßen. Nach dem Motto: Wenn Du das singst, spiele ich keine Gitarre mehr.
HANNES: Dadurch, dass wir ja auch abseits der Band viel Zeit miteinander verbringen, kommen natürlich viele Einflüsse auch aus einer gemeinsamen Geschichte heraus. Insofern finden wir alle uns in diesen Texten meistens auch ziemlich gut wieder. Wenn, dann geht es vielleicht mal um ’nen Wort. Oder ein Komma.

JM: Danke für’s Interview.

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