Sonne und Besucher strahlen um die Wette – Auf dem Dockville Festival 2015

Dockville

Es ist Freitagnachmittag, die Sonne scheint. Der Wetterbericht lässt verlauten, dass die Sonne bis Sonntag durchgängig scheinen soll, die Temperaturen steigen an bis auf 25 Grad. Es ist Dockville-Wochenende! Moment, was? Gutes Wetter und Dockville? Das kann ja fast nicht sein. So war es aber. Zur Freude aller Besucher!

Die strömten in Scharen ab Donnerstag so langsam auf das Camping- beziehungsweise am Freitag ab frühen Nachmittag auf das Festivalgelände. Dieses erstrahlte in altbekanntem Licht – drei „Hauptbühnen“ plus Nest, Butterland und Klüse für beatlastiges Abtanzen zu jeglicher Uhrzeit, ein Zelt voller kreativer Produkte (hier besonders erwähnenswert der „Lachsomat“: Foto mit Freunden im Automaten machen und von vier talentierten Künstlern nachzeichnen lassen) mit angeschlossenen Marktständen. Überall zudem Kunstobjekte und „Fressbuden“ und natürlich schöne, bunte, glückliche Menschen mit Jute- oder Turnbeutel, Glitzer, Statementshirt (Fat Amy), Flamingos auf Stöcken, aufgeblasenen Weißwürsten und faszinierend geschmückten Wischmopstielen. Es gab also viel zu tun und viel zu sehen.

Zum Beispiel Darwin Deez, Bear’s Den, den Isländer Ásgeir und Tom Odell auf dem Großschot, Die Vögel, Sylvan Esso und Son Lux beim Maschinenraum und FM Belfast und AnnenMayKantereit auf dem Vorschot. Die Musikmischung war vielfältig und der musikinteressierte Besucher mal wieder dazu geneigt, von einer Bühne zur nächsten zu rennen. Mit etwas mehr Ruhe konnte man leider lange nicht alles sehen, dafür aber alles genießen. Wie zum Beispiel die ausgelassene Tanz-Choreografie, die von Darwin Deez und seinen Mitmusikern dargeboten wurde und zu guter Laune und Schwung in den Hüften beim Publikum führte – und scheinbar auch blieb, denn das war an drei Tagen Festival wirklich beeindruckend: die Ausdauer und die Tanzfreude des Publikums. Etwas ruhiger ging es zwar bei Ásgeir zu, dafür aber mit genauso viel Herz und Gefühl. Das sind wohl auch die richtigen Stichworte für die Performance von Tom Odell. Mädchenherzen schmolzen dahin, der Song „Another Love“ wurde sehnlichst erwartet und dann auch mehr als gefühlvoll mitgesungen. Der junge Mann am Piano und das Publikum – sie schienen sich bestens zu verstehen.

Weniger Freude am Dahinschmelzen als mehr am Abtanzen hatte das Publikum bei Die Vögel und ihrem abwechslungsreichem Elektrosound und bei Sylvan Esso mit ihrem poppigen Dubstep. Abtanzen tat nicht nur das Publikum vorm Vorschot bei FM Belfast sondern vor allem auch dank der ungebremsten Abspack-Freude die Frontfrau Lóa. Konfetti, Klo- und Krepppapier flogen in hohen Bögen. Dann kam der Publikums- (Generations?)wechsel und eine riesige Menge bereitete sich mental schon einmal auf die Stimme von Henning vor. Henning heißt mit Nachnamen May und ist Sänger der Durchstarter Annenmaykantereit. Ein Raunen ging durchs Publikum als Henning anfing mit seiner wahnsinnigen Power-Röhre zu singen – die Jungs staunten vor Neid und bräuchte man noch eine Definition für „Anschmachten“, dann könnte sie wohl durch die Mädels im Publikum ausgedrückt werden. Natürlich gaben auch Christopher Annen und Severin Kantereit alles und auch der „Kindergartenfreund“ Ferdinand (Ferdi!) Schwarz an seiner Trompete, der zwischendurch auf die Bühne gebeten wurde. Und bevor die Lobhudelei ausartet, sei nur kurz erwähnt: die Texte! Die Texte bringen alles auf den Punkt. Wer nach dem Konzert noch nicht genug hatte, oder vielleicht wieder etwas runterkommen musste, der konnte vorm „Easy Kisi“-Wohnwagen zu Oldschool-Hip Hop den Abend ausklingen lassen und die Nacht einläuten.

Wer Samstag am frühen Morgen (13 Uhr) noch nicht bereit war für Musik, der konnte mit Poetry Slam einstiegen, denn dabei konnten die Lebensgeister perfekt geweckt werden. Danach gab es neue Gesichter wie die insgesamt sechs von Hælos und All We Are, bekanntere Gesichter wie die der Antilopen Gang, Rap-Gesichter von Zugezogen Maskulin bis Prinz Pi und ein von zwei blonden geflochtenen Zöpfen umrandetes Gesicht, das zu Romano gehört (ja, genau, der mit dem Pferd, tralla hoppsassa). Leider gab es am Samstag aber auch zwei Enttäuschungen. Wenn man das so hart sagen kann. Little Dragon lieferten zwar eine erst wilde Show ab, verließen die Bühne dann aber recht unspektakulär, fast klammheimlich. Wenig spektakulär waren leider auch die Ansagen von Sizarr aus Landau. „Habt Ihr noch Bock auf uns?“ hieß die Frage von der Bühne. Schade, eigentlich schon, aber bei solchen Ansagen vergeht einem ein wenig die Freude. Aber zum Glück nur ein wenig und auch nur für kurze Zeit, denn die Laune konnte man sich bei so viel allgemeiner Fröhlichkeit eigentlich nicht verderben lassen.  

Sonntag dann wieder das gleiche Spiel. Gutes Wetter, ein langsamer Start (dieses Mal sogar erst nach 14 Uhr) mit ein bisschen Poetry Slam und dann: professionelle Tanzeinweisungen von Dan Deacon und faszinierende Talente (in innovativen Kostümen) im Publikum, extravagante, enorm laute Klänge von Young Fathers, ruhigere, aber berauschende Synthiepop-Klänge bei Shura, und verträumte Klänge vom sympathischen José González für ein großartiges Finale. Und davor, durchaus erwähnenswert: Die Orsons. Man, war das eine Wahnsinns-Sause. Eine gute Zeit hatten hier auch die Kleinsten auf dem Dockville, die Kiddies vom Lütville, die bei den Orsons mit auf die Bühne durften und den Ventilator zum Überdrehen brachten.

Und so lautet das Fazit: Glückseligkeit! Denn wenn man eins auf dem Dockville bei Sonnenschein bekommt, dann gute Laune. Tolle Musik, tolle Menschen, viel zu sehen, viel zu hören. Punkt.

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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