Step By Step & App Für App – Heute: Drums

In der Tat: es gibt Smartphone-Apps, die simulieren Wählscheibentelefone. Wieso, weshalb und warum, das muss woanders geklärt werden – an dieser Stelle lautet das Thema: App in die Zukunft und nicht back to the past.

Teil vier unserer Serie über musikbezogene Smartphone-Anwendungen dreht sich rund um die Drums bzw. die entsprechenden Apps dafür. Klar: für’s bloße Erzeugen von Rhythmen muss sich niemand einer App widmen. Dazu braucht es, wenn’s drauf ankommt ja noch nicht einmal einen Kochtopf: Body-Drumming reicht vollkommen. Der Punkt ist vielmehr, dass die Apps mittlerweile so gut zu bedienen und in ihrer Ausführung derart präzise programmiert sind, dass sie einigermaßen locker als mobiles Schlagzeug-Studio-Plugin durchgehen. Nicht nur, dass die digitale Klangerzeugung auch bei Drum-Sounds mittlerweile auf einem Level angelangt ist, den zu toppen man sich eigentlich nur schwer vorstellen kann. Umfangreiche Zusatz-Funktionen ermöglichen so ziemlich alles: vom Loop-Export bis zum Becken-Klang-Import. Und das im Hosentaschenformat.

Drums für Draußen
Der Karaoke-Faktor beim Schlagzeugspielen ist ein Aspekt, der bei nicht wenigen Apps dieser Art im Vordergrund steht, im Rahmen dieses Tests aber keine Priorität hat. Stattdessen soll der Frage nachgegangen werden, ob die App möglicherweise den Proberaum ersetzten hilft – wenigstens in Teilen. Ob Sampler- und Sequencer-Optionen integriert sind. Ob „Aufnehmen“ nicht nur möglich, sondern auch gewollt ist und durch die Zurverfügungstellung entsprechender Schnittstellen oder Export-Formate unterstützt wird. Mit anderen Worten: Give The Drummer Some.

My Drums
Von Borce Trajkovski kommt nicht nur My Roulette, My Piano und My Guitar. Der auf musikalische Apps spezialisierte Programmierer hat sich auch My Drums ausgedacht. Strenggenommen handelt es sich hierbei allerdings nicht um einen Drum-App, sondern um einen auf Schlagzeug-Sounds spezialisierten Sampler. Was andererseits aber auch gehörige Vorteile bietet. So genannte Pads können eben nicht nur mit beliebigen Schlagzeug-Sounds oder Klangwelten befüllt bzw ausgestattet werden. Denkbar ist ebenso, die Pads nicht-percussive Instrumental-Stimmen, möglicherweise sogar eigene Sprachaufnahmen triggern zu lassen. Aufnahme und Export diverser Spuren gehören wie selbstverständlich zum Leistungsumfang. Allein das grafische Design lässt noch Wünsche zu.


Drum Kit
Der Golf GTI unter den Drums Apps kommt aus dem Hause CrimsonJet. Anders als My Drums haben die Macher hier das Schlagzeugspiel an sich in den Vordergrund gestellt, weswegen die Bedienoberfläche im Spiel-Modus zumindest optisch einem tatsächlichen Schlagzeug sehr viel näher kommt als Sampler-Pads. Wer dennoch das Verlangen hat, „Button“-Drums zu spielen, der kann mit Drum Kit auch das. Für den Erfolg von Drum Kit nicht unerheblich: Es ermöglicht das Play-Along zu allen Songs in der Mediathek, ist Multi-Touch fähig und kann Patterns und Rhythmen wieder verwendbar aufnehmen und abspeichern.


Drums Deluxe
Der Name ist Programm – zumindest, was die Grafik angeht. Designtechnisch schon ziemlich weit vorn, hat sich Entwickler Hans Fricker aber auch sonst nicht lumpen lassen. Bis zu 77 unterschiedliche Drum-Sounds stehen initial zur Verfügung. Wem das nicht reicht, kann selber nachladen. Play-Along-Modus und Aufnahme-Optionen sind ebenso selbstverständlich wie die Darstellung in beiden Landscape-Modi. Einziges offensichtliches Problem: vergleichsweise hohe Latenzzeiten, was der ryhthmischen Akkuratesse leider nicht zum Vorteil reicht.


Der Vergleich

Fazit
Nicht immer ist, was teuer ist, auch jeden Cent wert, den es kostet. Im Falle der Drum Apps allerdings, stimmt diese Rechnung auf den Cent genau. Die Idee von My Drums, das akustische Schlagzeug weitesgehend obsolet zu machen, indem man es durch programmierbare Drum Pads ersetzt, ist zwar nicht schlecht. Allerdings verliert die App genau deswegen gegenüber den anderen an Spielfreude und Unmittelbarkeit. Die erheblich optimierbare grafische Darstellung lässt sich auch mit dem 0-Cent-Preis kaum rechtfertigen. In dieser Hinsicht können die 79 und 99 Cents für Drums Deluxe und Drum Kit respektive als gut investiert gelten. Dennoch sprechen sowohl die nicht latenzfreie aber immerhin optimierte Performanz und die ein oder andere Funktions-Option mehr für den Klassiker aus dem Hause CrimsonJet. Tusch!

photo: Fotokannan

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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