Step By Step & App für App – Heute: Musikerkennung

In der Tat: es gibt Smartphone-Apps, die simulieren Wählscheibentelefone. Wieso, weshalb und warum, das muss woanders geklärt werden – an dieser Stelle lautet das Thema: App in die Zukunft und nicht back to the past.

Im ersten Teil unserer Serie über musikbezogene Smartphone-Anwendungen wendet sich die App-Teilung Trend & Technik den sogenannten Musikerkennungs-Programmen zu. Sie helfen bei der Identifizierung von Titeln und Interpreten, können sogar in manchen Fällen darüber hinaus noch wesentliche Informationen liefern – alles via Telefon. Seit Jahren stehen sich die Erfinder des Dienstes, Shazam, und ein findiger amerikanischer Anbieter namens Soundhound an dieser Front so ziemlich allein auf weiter Flur gegenüber. Lediglich die Software der Hersteller von Music bzw Lyrics Id schien diese Zweisamkeit kurz zu stören.. Wie sich die beiden Branchen Prima Ballerinas unterscheiden und was vom dritten Rad am Fahrrad zu halten ist, wird im Folgenden erläutert.

Musikerkennung praktisch
Allein von der Handhabung ausgehend, funktionieren alle drei untersuchten Anwendungen im Großen und Ganzen ähnlich. Egal ob am Lagerfeuer, im Club, beim Radio-Hören, auf Konzerten oder der Straße – App aufrufen, Telefon in Richtung Klangquelle halten und auf die Rückmeldung vom Dienst hoffen, der die erklingenden Sounds mit Einträgen in den jeweiligen Datenbanken abgleicht und bei einem Match die gewünschten Informationen liefert. Daraus folgt, dass sich die Unterschiede vor allem in der Erkennungsgüte (Geschwindigkeit und Trefferquote), zusätzlich angebotenen Funktionen sowie preislich bemerkbar machen. Na dann!

Shazam
An der Erkennung von Musik hatten sich vor Shazam schon viele bemüht. Meistens allerdings als eine Art Abfallprodukt akademischer Elfenbeinturm-Forschung zum Thema Recommendation bzw. Musikempfehlung. Die Engländer waren 2002 die allerersten, die mit einem marktreifen Produkt überzeugen konnten. Und blieben erstaunlicherweise über viele Jahre unangefochtener Pionier. Erst als der letzte Handy-Hersteller sich von seinen Träumereien mit proprietären Systemen verabschiedete, bekam auch Shazam Konkurrenz. Shazam ist mit eingeschränktem Funktionsumfang als Gratis-App verfügbar – allerdings sind die Abfragen dann auf monatlich 5 limitiert. In der Premium-Variante Shazam encore wird außerdem das gleichteure Shazam Red angeboten – hier gehen 20% der Erlöses an AIDS-Projekt in Afrika.

 

Soundhound
Der amerikanische Anbieter Soundhound macht seinem Konkurrenten Shazam seit ca. 2006 das Leben schwer. Ursprünglich konzipiert als Sound2Sound, ging Soundhound von Anfang an über die Identifizierung von Tonträger-Produkten weit hinaus. Mit der Erkennung über gesungenen, gesummten oder auch gesprochenen Input sowie einer Text-Suche war der Funktionsumfang nicht nur ungleich größer, sondern auch genauer. Diese Soundhound-Standards waren es schließlich, die die Konkurrenz (Shazam) dazu zwangen, ihren Funktionsumfang auf Soundhound-Niveau zu bringen.

 

MusicID
MusicID vom Anbieter Gravity Mobile wird seit 2007 angeboten. Für die App gibt es keine Gratis-Variante – allerdings ist die Kauf-Version mit € 0,79 um ein Vielfaches günstiger als die Vollversionen der beiden Konkurrenten. Dafür überrascht MusicId mit einer Pay-per-Track Variante. Weil die aber pro erfolgreicher Identifikation teurer ist als das gesamte Programm, stellt sich hier automatisch die Frage nach deren Sinnfälligkeit.

 

Der Verleich
Grundlage für den Vergleich waren die Test-Ergebnisse für vier bei allen drei Anbietern getesteten Songs. Deutscher Pop von Alexander Knappe („Weil Ich Wieder zu Hause Bin“), holländischer Hip Hop mit Pete Philly („Encore une Fois“), amerikanische Elektronika von Omar S. („Nights Over Comption“) und schließlich Global-Rock in Form eine Bruce Springsteen Klassikers („Blinded By The Light“).

 

Fazit
Die Ergebnisse erstaunen: Während Soundhound und MusicID nur Bruce Springsteen erkannten und damit ihre Trefferquote auf das Niveau von 25 % brachten, vermeldete Shazam vier richtige Matches und kam damit auf eine 100%-ige Trefferquote. Möglich, dass das Repertoire mitverantwortlich für das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Soundhound und MusicID war; die 19 Sekunden, die MusicID für das Erkennen von „Blinded By The Light“ brauchte, legen nahe, dass das Repertoire nicht das einzige Problem zu sein scheint. Zumal die App statt Omar S. zu erkennen, einfach behauptete, der zur Debatte stehenden Track sei von einem gewissen DJ Feldmen und sein Trance-Rave-Hit „World Of Sound“.

Angesichts dieser klaren Ergebnisse können Zusatzfunktionen wie das von Soundhound angebotene „Query By Humming or Singing“ bei der Betrachtung außen vor bleiben. Mit seiner Trefferquote und Geschwindigkeit empfiehlt sich Shazam als weit überlegenere Technologie bei der Musikerkennung wie von selbst.

photo: JohnRambo PL

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