Vietnam 2014 – Ein Tour Report von Mijk van Dijk – Teil 1/3

12_Hue Joakim Tri Minh Mijk

Der Berliner Mijk van Dijk gehört seit den frühen 90er Jahren zu den Urgesteinen der deutschen Techno- / Elektronikszene und war mit seinem Remix für DJ Hildegard’s aktuelle Single erst kürzlich unter den Joinmusic Favourites zu finden. Mit seinem Projekt Loopzone und dem Track „Les Enfants Du Paradise“ feierte Mijk schon 1990 den ersten Hit, schrieb zusammen mit Marcos Lopez unter dem Namen Marmion mit „Schöneberg“ Technogeschichte und eine unsterbliche Hymne der Bewegung, als Mijk’s Magic Marble Box landete er mit „The Wildlife“ in 1993 auf Superstition einen weiteren Volltreffer, blieb dem legendären Hamburger Imprint für eine volle Dekade eng verbunden und veröffentlichte dort insgesamt drei Alben, eine der ersten mit der Musiksoftware Ableton produzierten Mixcompilations und ungezählte 12“es. 

Unter dem Pseudonym Microglobe erschien 1994 auf MFS sein gefeiertes, weltumspannendes „Afreuropamericasiaustralica“-Album und auch 20 Jahre später findet sich dieser Name in seiner Radioshow „Music 4 The Microglobe“ auf BLN.FM, Cuebase.FM und XLTRAX in Kanada wieder sowie auf seiner Webseite www.microglobe.de , die als Main-Hub und Blog für alle Information rund um die van Dijk’schen Aktivitäten dient. Nicht zuletzt als Teil der Liquid Sky Berlin Posse und nach wie vor höchst umtriebiger Produzent auf vielen Labels steht Mijk Van Dijk mit seiner globalen Sicht-  und Denkweise sowie dank bester Verbindungen nach Asien seit jeher auch für Völkerverständigung und Interkulturalität und folgte im April diesen Jahres einer Einladung des Goethe-Instituts in Hanoi, Vietnam, um dort unter anderem am Hanoi SoundStuff Festival teilzunehmen.

Für Joinmusic hat Mijk Van Dijk die Eindrücke dieser Tour exklusiv in einem Tourbericht zusammengefasst.


 Vietnam 2014 Tour Report by Mijk van Dijk – Pt. 1 von 3


Der Strassenverkehr in Hanoi sieht lebensgefährlich aus. Punkt.

Wie ein Fischschwarm schlängelt sich die Lawine aus Mopeds, Rikschas, Kleinbussen und gelegentlich auch Luxuslimousinen durch die engen Strassen der Altstadt, jedes Fahrzeug weicht mal nach links und nach rechts und an den anderen vorbei. Und auch nachts sind rote Ampeln allenfalls beiläufige Empfehlungen zum Anhalten, die niemand beachtet.  Wie soll man da nur zu Fuß die Strasse überqueren?

„Wenn Du eine Lücke siehst, geh einfach los, langsam und bestimmt und ohne Zögern, dann passiert auch nichts!“ riet mir mein Promoter Tri Minh noch.

Und so marschierte ich also los, durch’s enge Gewirr der kleinen Gassen des Hoan Kiem District, wo in jeder Strasse etwas anderes verkauft wird: in einer Strasse nur Bambusstäbe, in der anderen nur Sonnenbrillen und in einer weiterem nur dieser köstliche dickflüssige vietnamesische Kaffee. Immer wieder angesprochen von den Rikschafahrern und Obstverkäuferinnen, die Ihr kleines Geschäft mit den Touristen suchen, jungen braungebrannten Backpackern auf Südostasien-Trip, blasshäutigen französischen Rentnergruppen und auch einigen Chinesen, Koreanern und Japanern.

Hier eine kleine, wenn auch nicht ganz so dramatische Hanoi Street Scene.

 

Hanoi by night

Hanoi hat sich verändert, in den mehr als 4 Jahren, in denen ich nicht mehr dort war.

Ende 2009 glich die grosse Stadt des vietnamesischen Nordens noch einem verarmten post-sozialistischen Entwicklungsland. Doch während auf dem Land immer noch bittere Armut herrscht, kostet Hanoi am süßen Topf des Lebens.

Facebook – 2009 noch blockiert – ist zur Selbstverständlichkeit geworden, Markenartikel – viele natürlich gefälscht – wohin man blickt. Die jungen Leute setzen sich kaum mit Politik auseinander, dafür stehen iPhone, schicker Motorroller und Fashion ganz groß auf der Wunschliste (also eigentlich fast wie bei uns). Zwar achtet die faktisch alleinregierende Kommunistische Partei Vietnams KPV nach wie vor genau darauf, nicht die Kontrolle zu verlieren, bleibt dabei anscheinend aber sehr pragmatisch. Doch die Schere zwischen Arm und Reich ist schon riesengross. Die Bentleys und Benze im Schwarm der Motorroller kosten aufgrund der hohen Einfuhrsteuern gleich mal das Doppelte wie in Europa. Wenn aber tatsächlich – wie mir kolportiert wurde – ein ganzes Drittel des vietnamesischen Bruttosozialprodukts in die Korruption fliesst, relativieren sich solch hohe Preise für Luxusartikel gleich wieder.

„Hier geht gerade alles, es ist wie Shanghai vor 15 Jahren!“ schreit mir ein tanzender Franzose nachts in einem schwitzigen Club zwischen feiernden Expats und Einheimischen ins Ohr, bevor er wieder ein Bündel 100 Dollar-Scheine in die Luft schmeisst – falsche jedoch…

Immer mehr Menschen aus dem Ausland zieht es dauerhaft nach Hanoi. Und auch viele Vietnamesen suchen und finden mittlerweile Freiräume, um ihren Traum eines selbstbestimmten  Lebens zu verwirklichen.

Einer von ihnen ist Tri Minh, Produzent, Liveact, DJ, Promoter, vielleicht der wichtigste Aktivposten der jungen vietnamesischen elektronischen Musikszene. Er produziert Ambient und Elektronik für Soundinstallationen, Film und Fernsehen, spielt und produziert aber ebenso treibenden Tribal Tech-House und seine Schwester ist eine der bekanntesten Pop-Diven des Landes. Und er veranstaltet seit mehreren Jahren das Hanoi Sound Stuff Festival, auf dem er einen bunten Mix elektronischer Musik präsentiert.

So trat auf dem diesjährigen Hanoi Sound Stuff Festival am ersten Tag mit NuWave Chansonnier Benjamon Schoos aus Belgien ein echter Crooner mit Pathos auf, danach drehte Mikachu aus England fucked-up broken downbeats, bevor NuDisco DJ und Tiger Sushi head honcho Joakim, das Publikum dieses bestuhlten Konzerts letztlich doch noch von den Sitzen riss und zum Tanzen brachte.

>>> to be continued …

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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