„Wir hatten Live-Termine noch bevor die Band stand.“ – All We Are im Interview

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Guro, Richard und Luis von All We Are sind das, was man ein waschechtes international-globalisiertes Trio nennen könnte: Die Norwegerin Guro, der Ire Richard und der Brasilianer Luis kamen im englischen Liverpool auf den gemeinsamen Band-Hund und machen seitdem, was man getrost als den wohl zeitlosesten Groove-Pop seit Steely Dans „Aja“ oder „Royal Scam“ bezeichnen darf. Ihr selbstbetiteltes Debüt-Album steht in den Veröffentlichungs-Startlöchern und erscheint am 30. Januar auf Domino Records. Während ihres kurzen Aufenthaltes in Deutschland hatte JOINMUSIC die Möglichkeit, mit zwei von drei All We Ares zu sprechen: Über Fade-Outs, ihr fantastisches Grafik-Konzept und was man auf einer Uni garantiert nicht lernt.  

JOINMUSIC: Also – Ihr seid echt nur für die Promotion hier? Keine Konzerte, kein Showcase, nichts?
RICHARD: Nein, nichts. Wir sind gerade angekommen und haben den Tag voll. Bis heute abend um neun sind wir den ganzen Tag mit Promo-Terminen durchgetaktet. Danach geht’s nach Paris, wo wir morgen das gleiche Programm haben.

JM: Auf Eurem Facebook Profil  ist von einer ausführlichen Tour Anfang 2015 die Rede – was außer Vorbereitung steht bis dahin an?
GURO: Kurz vor Weihnachten hatten wir einen Auftritt. Wir sind nach Irland gefahren und dort in einer TV-Sendung aufgetreten. Und für uns war das eine große Sache – unser erster Auftritt im Fernsehen. 
RICHARD: Auf jeden Fall ist es eine coole Sache. Die Sendung heißt „Other Voices“ und wird seit 13 Jahren immer zu Weihnachten ausgestrahlt. Die Künstler, die dort auftreten, sind durch die Bank gut. Und Domino hatte dieses Jahr jede Menge dort:  Wild Beasts, King Creosote und wir natürlich. Außerdem waren Jesse Ware und noch ein paar andere coole Typen da.
GURO: Damien Rice.
RICHARD: Genau, Damien Rice.
GURO: Und wir waren auf dem Eurosonic.

JM: Okay – das klingt übersichtlich. Darf ich fragen, was Ihr in der Zeit bis zur Tour genau macht? Jammen und an Neuem feilen?
GURO: Wir sehen zu, dass wir für die Tour alles fertig haben und gut vorbereitet sind. Damit wir so gut sind wie wir können. Und damit es so günstig wie möglich bleibt.
RICHARD: Du weißt doch: Es gibt immer was zu tun. Zum Beispiel arbeiten wir jetzt schon an den nächsten paar Veröffentlichungen wie der Single. Wir drehen Videos und versuchen ständig, unsere Live-Show zu optimieren. Du würdest Dich wundern, was es da alles zu tun gibt.

JM: Um jetzt endlich mal zu Eurem Debüt-Album als All We Are zu kommen: Von allen 10 Songs auf „All We Are“ hat nur einer ein Fade-Out („Something About You“) und das ist noch nicht einmal ein richtiger – die Musik wird langsam leiser, aber die Pucker-Geräusche bleiben – Ihr seid keine Freunde von Fade-Outs?
RICHARD: Nicht wirklich. 
GURO: Ich mag Fade-outs nicht.  

JM: Großartig – Ihr seid die erste Band, die ich treffe, die sagt: Diese beschissenen Fade-Outs sind doch Scheiße
GURO: Ich bleibe dabei, ich mag einfach keine Fade-Outs.
RICHARD: Es kommt halt drauf an: Manchmal gibt ein Fade-Out einem das Gefühl, dass die Party an einem anderen Ende des Universum noch weitergeht. Das Ding ist: Wir komponieren unsere Songs gerne mit einem Ende.
GURO: Wir mögen es, wenn es aufhört.

JM: Müsstet Ihr bei den Live-Interpretationen ja sowieso, oder nicht?
RICHARD: Korrekt. Ich meine, man könnte versuchen, aber …
GURO: Könnte interessant sein.

JM: Wo wir gerade beim Live-Spielen sind. Mich haben vor allem zwei Sachen beeindruckt. Erstens: Stimmt es, dass Ihr alles, was auf Eurem Album zu hören ist, live rekreieren könnt, zu dritt?
RICHARD: Ja.
GURO: Ja.

JM: Keine Drum-Machines?
RICHARD: Nein.
GURO: Nee, keine Drum-Machines.
RICHARD: Es ist schon so, dass wir alles auch live können wollen. Und Luis, unser Gitarrist, der heute nicht mit dabei sein konnte, ist derjenige von uns, der am besten weiß, wie man diesen vollen Klang hinkriegt – er spielt zum Beispiel durch und mit drei verschiedenen Gitarren-Verstärkern. Also haben wir schonmal ein Stereo-Image. Außerdem arbeiten wir viel mit Loops, die wir live erzeugen. Und das Loop-Signal wird durch den dritten Verstärker, der hinter mir steht, geleitet, so dass ich mein Spiel darauf aufbauen und damit verzahnen kann. Ja, wir versuchen es so organisch wie möglich zu halten. Zu Click-Tracks spielen wir nur ungern. Wir sind eher Fans vom organischen Fluss der Musik. Es gib ein paar Dinge auf der Platte, die ich gesamplet habe und auf einem SPDS gespeichert habe – irgendwelche Geräusche und sowas …

JM: … die Du dann live abrufen kannst.
RICHARD: Genau. Aber wir mögen keine Clicktracks.  

JM: Was ist mit den Handclaps?

GURO: Oh, ok. Hast Recht. Die sind nicht live. Aber die sind ja auch nur auf der Platte.

JM: Die zweite Sache, die mich umgehauen hat: Richard, Du spielst Schlagzeug im Stehen?
RICHARD: Ja.

JM: Das sieht man selten.
RICHARD: Naja, als wir mit der Band angefangen haben, hatten wir irgendwann eine Tour, aber eigentlich kein fertiges Bühnen-Set, geschweige denn Platz im Auto für einen Schlagzeuger. Also hab ich mir gedacht, dass ich einfach Schlagzeug spiele. Begonnen hat das alles sehr bescheiden: Mit einer Tom, einer Snare und einem Becken. Nach und nach wurde das dann langsam immer mehr. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie man im Sitzen spielt. Deswegen spiele ich ja auch im Stehen

JM: Also, Richard, Du bist zufällig hinterm Schlagzeug gelandet. Guro, spielst Du denn das Instrument, das Du gelernt hast?
GURO: Nein.

JM: Nein?
GURO: Nein. Wie Richard schon sagte: Wir hatten Live-Termine noch bevor die Band stand.

JM: Das ist seltsam.
GURO: Ja, das ist schon ein wenig seltsam. Aber wir – Luis, Rich und ich – waren beste Freunde und wir wollten zusammen bleiben und zusammen spielen. Weil wir aber drei Gitarristen waren, mussten wir uns Gedanken machen. Da Luis der mit Abstand beste Gitarrist war, konnte er bei seinem Instrument bleiben. Und dann meinte Richard: Ok, Ich spiele Schlagzeug. So kam ich zum Bass.
RICHARD: Das war das.
GURO: Und dann ist All We Are auf Tour gegangen. Zwei Wochen nach der Band-Gründung.  

JM: Was für ein Glück, dass Ihr nicht nur Def Leppards Schlagzeuger kanntet…
RICHARD: Hehe. Ich spiele ja mit nur einem Fuss …. Aber mal ernsthaft: es hat schon ein bisschen gedauert, bis wir uns daran gewöhnt hatten.
GURO: Es hat sich angefühlt, als wäre das Wasser,  in das wir geworfen wurden um schwimmen zu lernen, verdammt kalt war. Aber ich glaube, wir haben es ganz gut hingekriegt.

JM: Und ob Ihr das habt – Ich bin ja nicht hier, um Euch Honig ums Maul zu schmieren, aber „All We Are“ ist wohl eines der besten Alben des Jahres. Apropos: Habt Ihr das Tracklisting absichtlich wie auf einer klassischen Soul-Platte gestrickt; die erste Hälfte zum Tanzen, die zweite für den Kamelhaarteppich vor dem Kamin?
GURO: Ja – man kann sagen, dass das alles wohldurchdacht war.  
RICHARD: In der Tat. Es gibt diesen Stimmungswechsel ja wirklich. Und dass es den gibt, war volle Absicht.

JM: Ein anderer bemerkenswerter Aspekt des All We Are Sounds ist der Kopfstimmen-Gesang. Ganz besonders Deiner, Guro. Und weil zumindest in meiner Wahrnehmung das weibliche Falsetto sehr viel seltener vorkommt, habe ich mich gefragt, wie es mit Deinem war: Eine zufällige Entdeckung wie bei Barry Gibb?
GURO: Ich bin mit Joni Mitchell groß geworden und bin deswegen ein großer Fan ihres Gesangs. Ich bin aber auch mit Janis Joplin groß geworden. Vielleicht bin ich eine Mischung aus beiden

JM: Na, das erklärt so manches. Weiterhin beeindruckend fand ich die gelungenen Parallelen zwischen dem All We Are Klang und Eurer visuellen Erscheinung in Form von Grafiken, Videos und dergleichen mehr: Mit so wenig Input wie möglich kreiert Ihr eine Fülle und Reichhaltigkeit, die ihesgleichen sucht. Gleichzeitig vermitteln sowohl Euer Klang als auch die optische Ebene ein Gefühl der Aufgeräumtheit und Klarheit – inwieweit seid Ihr auf dieser Ebene involviert?
GURO: Die Gestaltung von Album und Single stammen von Leif Podhajsky. Mit ihm haben wir uns ein paar mal getroffen und darüber ausgetauscht, wie er die Songs sieht, was wir in der Musik und in uns als Band sehen. Auf dieser Grundlage hat er dann Entwürfe angefertigt, die zwischen ihm und uns hin- und hergeschickt wurden, bis wir das hatten, was wir jetzt haben und alle richtig richtig gut finden. Und das Cover selber, mit dem Mädel in all den verschiedenen Farben – jede dieser Farben steht für einen Song auf dem Album. Deswegen haben alle Singles auch spezifische Farben.  

JM: Wow.
GURO: Auf diese Weise sind sie alle miteinander verbunden. Und haben dennoch ihre eigene, individuelle Persönlichkeit.

JM: Ist Podhajsky auch für  Eure Videos verantwortlich gewesen?
RICHARD: Beim Video für „I Wear You“ hat er sehr eng mit der Regisseurin Kate Moross zusammengearbeitet. We mochten die Gestaltung so sehr, dass wir unbedingt sehen wollten, wie sie im Video als Bewegtbild wirkt und quasi zum Leben erweckt wird. Bei den anderen Videos gab es nur uns und die jeweiligen Regisseure, die sich was ausgedacht haben.

JM: Ich staune jedenfalls noch immer darüber, wie gut das zusammenpasst. Diese Gesamtkunstwerk-Erfahrung ist ja nicht die Regel. Aber zurück zur Musik: Warum ist „Go“ der einzige Song mit einem krummen Takt (7/4)?
RICHARD: Naja, es ist ja nicht unser Ansinnen, einfach nur komplizierte Musik oder so etwas zu machen. Es hat sich einfach natürlich entwickelt. Weil sich das Gitarrenriff nun mal für einen Siebener-Takt anbietet. Wir haben dabei nicht gedacht: „Oh, eigentlich könnten wir hier mal einen ungeraden Takt einbauen.“ Es ist einfach so passiert. Alles andere auf dem Album ist in 4/4.
GURO: Aber eine willkommene Abwechslung ist es. Zum Durchatmen.

JM: Die Möglichkeit, live alles so klingen zu lassen wie auf der Studio-Aufnahme (Handclaps außen vor) – ist das etwas, worüber Ihr beim Schreiben oder Aufnehmen nachdenkt?
GURO: Ja, schon. Besonders, als es ums Aufnehmen ging, war es uns wichtig, dass wir uns zusammen aufnehmen. Schlagzeug, Bass und Gitarre wurden alle zusammen in einem Raum aufgenommen. Und so spielen wir ja auch live. Wir wollten, dass man diesen Aspekt auf der Platte hört und fühlt. Wir haben auch keine Click-Tracks benutzt. Bei ein paar Songs gab es Drum-Machines, nach denen wir uns gerichtet haben. Bei den allermeisten Songs aber orientieren wir uns an dem Delay der Gitarre. Von daher war es uns schon wichtig, die Live-Versionen ins Studio nehmen zu können, dort an ihr zu arbeiten, um sie spatter in verbesserter Form wieder live zum Besten geben zu können.

JM: Auf einigen der Tracks hatte ich das Gefühl, dass Bläser ihnen guttun würden.
RICHARD: Darüber haben wir auch nachgedacht. Unmittelbar vor den Aufnahmen haben wir uns zusammengesetzt um zu überlegen, ob wir Bläser und Streicher hinzufügen sollten; ganz offensichtlich gibt es Leute auf dem Domino-Roster, die sehr wohl in der Lage gewesen wären, uns diesbezüclich unter die Arme zu greifen. Am Ende aber haben wir entschieden: Wir gehen jetzt ins Studio und schauen einfach, was passiert. Wenn wir das Gefühl haben, dass irgendetwas fehlt, können wir es immer noch hinzufügen. Wie sich dann aber rausstellte, war der Sound riechhaltig und voll genug. Außerdem ist es ja unser erstes Album und wir wollten, dass es vor allem nach uns klingt.
GURO: Das war auch sehr ehrlich. Wir wollten, dass es so rüberkommt: Das Sind Wir. Beim zweiten können wir dann darauf aufbauen.

JM: Den Sound pimpen, ja?
RICHARD & GURO: Ha-ha. Genau.

JM: Wie ich lesen konnte, habt Ihr Euch in Liverpool getroffen. Keiner von Euch ist aber Liverpooler. Wie kam es also dazu?
RICHARD: Wir sind dort alle zur Uni gegangen.

JM: Und für die Uni habt Ihr Euch wegen der Beatles entschieden?
RICHARD: Nun ja. Die Uni dort heißt LIPA. Sie genießt einen guten Ruf und jeder von uns wollte Musik mehr als alles andere machen. Also haben wir uns dort getroffen und uns ziemlich sofort angefreundet. Außerdem haben wir schon immer Musik zusammen gemacht. In anderen Formationen und Gruppierungen zwar, aber nach der Uni wussten wir, dass wir unbedingt zusammenbleiben wollten. Eine der Möglichkeiten das zu erreichen war die Gründung einer Band. Wir haben All We Are erst nach der Uni gegründet aber es war die Uni, an der wir uns überhaupt erst getroffen haben.

JM: Ihr seid also mit Eurem Studium durch?!
GURO: Ja.
RICHARD: Absolut, wir sind fertig.   
GURO: Wir haben sogar einen Abschluss. Whoo-Hoo.

JM: Und was genau seid Ihr jetzt?
GURO: Musiker?
RICHARD: Es ist schon komisch. Wir sind zwar zur Uni gegangen und haben unsere Abschlüsse gemacht, aber eigentlich …
GURO: … haben wir nur abgehangen.
RICHARD: Wir haben seitdem auch nie wieder über die Uni gesprochen. Wir haben All We Are gegründet und angefangen, uns mit der Szene in Liverpool auseinanderzusetzen, einer eigentlich ziemlich coolen Szene. Uns selber sehen wor vor allem als Liverpooler Band. Aber die Uni ist für uns kein Thema. Klar, sie war nützlich für einiges, was wir dort gelernt haben. Und schließlich haben wir uns dort kennengelernt.
GURO: Ich finde das irgendwie lustig; hätten wir nicht Musik, sondern etwas anderes studiert, würden die Leute dann immer noch danach fragen: Was hast Du studiert? – Ist das eine normale Frage? Was hast Du denn studiert?

JM: Philosophie und Musikwissenschaft.
RICHARD & GURO: Sehr schön.

JM: Naja – ich wünschte, ich ware für’s Musikstudium gut genug gewesen. Musikwissenschaften studieren die Leute, die ein Instrument nicht gut genug spielen.
GURO: Aber Philosophie klingt doch gut.

JM: Schon klar, aber es ist nicht so, dass ich davon leben könnte.
RICHARD: Ist richtig – aber mit Musik….
GURO: Wir haben immerhin Abschlüsse.  

JM: Haben wir ein Glück. Gibt es trotzdem irgendwas – egal ob praktisch oder theoretisch – das ihr von der Uni habt mitnehmen können?
RICHARD: Die Universität war für uns in erster Linie ein sehr kreativer und künstlerischer Ort. Was wir von dort haben mitnehmen können, war andere Leute zu treffen, inspiriert werden und unsere eigene Kunst weiterzuentwickeln. Allerdings hat man uns auch ziemlich uns selbst überlassen. Es gab nur eine Sache, die sie uns von Anfang an eingetrichtert haben: Erfolg im Sinne einer Karriere im Musikbusiness ist alles andere als einfach. Offensichtlich lieben wir, was wir tun, aber wir hart dafür arbeiten. Das ist definitv etwas, was wir von der Uni mitgenommen haben. Und sicher gab es auch den ein oder anderen praktischen Aspekt: Wir haben unser eigenes Demo aufgenommen. Wir haben an der Uni gelernt, wie man produziert. Den praktischen Aspekt gab es also in jedem Fall auch. Aber wie gesagt, eines war ihnen ganz besonder wichtig zu vermitteln: Das seine Karriere als Musiker kein Zuckerschlecken ist. Auch wenn sie uns sonst haben tun lassen, was auch immer wir wollten.
GURO: Ich kann mir vorstellen, dass es genau das ist, was sie Dich lehren wollen: Dass Du diszipliniert bist. Jeder kann drei Jahre einfach nur abhängen. Wenn Du aber was erreichen willst, musst Du aufstehen, üben, und nicht nur Dein Instrument so gut wie möglich beherrschen. Diese Lektion haben wir definitv gelernt.

JM: Abgesehen von der Musik – gibt es sonst etwas, das Euch fesselt?
GURO: Ich liebe es zu wandern und Berge zu besteigen. Und absolute Stille um mich herum zu haben.  

JM: Ist das Dein norwegisches Erbe?
GURO: Ich glaube schon. Das mag ich sehr gern. Und Snowboarding.  

JM: Wie sieht’s aus mit Schallplatten?
RICHARD: Ich hab die ein oder andere Scheibe. Aber was mich wirklich anfixt – auch wenn es sich wieder um ein Musik-verwandtes Thema handelt – ist Produktion. Ich habe großen Spaß daran zu produzieren. Insbesondere Hip Hop und R’n’B Beats. Und Louis steht vor allem auf Filme. Die waren übrigens eine wichtige Inspiration, als wir die Songs zum Album geschrieben haben. Wir haben die Filme auf Dächer oder Wände projeziert, während wir gespielt haben. Jeder von uns hat schon noch ein Steckenpferd.
GURO: Ja, das war wirklich stark, dass wir sogar die Fenster geschwärzt haben, damit der Raum so richtig dunkel war. Und dann haben wir die Filme auch auf und projiziert.
RICHARD: Einige wirklich seltsame Filme, höchst unüblich.  
GURO: Verrückt russische Streifen.
RICHARD: Da gab es diesen Sowjet-Film – Shadows of Our Forgotten Ancestors – künstlerisch sehr anspruchsvoll und auch sonst sehr vorwärtsgewandt. Ein echt starker Film
GURO: Da gab es doch auch die Marionetten-Filme aus Litauen.
RICHARD: Die waren aus Tschechien.  

JM: Sehr schön. Letzte Frage, die ich so ziemlich allen Musikern stelle, mit denen ich spreche: Habt Ihr eine Meinung zu Spotify & Co?
RICHARD: Jaja. Das ist schon eine interessante Sache und gerade jetzt scheint sie mal wieder eine größere Rolle zu spielen, mit Taylor Swift, die ihre Musik abgezogen hat und auch Thom Yorke, der da mit einigen Dingen nicht einverstanden schien. Auch wenn das alles andere als leicht zu akzeptieren ist – Wir leben in einer Welt, in der Musikpiraterie ziemlich leicht zu bewerkstelligen ist. Und klar ist auch, dass man mit Stremain gnicht gerade viel Geld verdienen kann. Aber es ist immerhin eine legale Möglichkeit, seine Musik an die Leute da draußen zu vermitteln. Wir sind froh, bei Spotify dabei zu sein. Besser als von jemandem illegal gerippt zu werden. Andereseits zeigt sich, dass der Vinyl-Verkauf zunimmt. Und ich glaube, dass Liebhaber von Musik ihre Musik sowohl bei Spotify streamen, als auch an anderer Stelle käuflich erwerben. Ich glaube nicht, dass sich das ausschließt. Und ich denke: Je mehr Leute unsere Musik hören, umso besser. Und eigentlich machen wir unsere Musik ja vor allem für uns selbst, finden e saber aucht gut mit Leuten in Kontakt zu kommen, die unsere Musik hören wollen – je mehr desto besser. Das ist also, worauf es hinausläuft.
GURO: Ich habe unser Album gerippt. Weil ich konnte.

JM: Danke für das Interview.


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JOINMUSIC: So – You’re just here for the promo activities? – No shows, no gigs, no nothing?
RICHARD: No – we just got here. And the day is so full. We’re working on promo stuff until nine at night and then we go to Paris to do the same thing there tomorrow.

JM: On Your Facebook profile you announced an extensive tour coming up in the beginning of the year – are you playing any gigs in between or do you spend all your time getting ready and prepare?
GURO: We played one gig just before Christmas. We went to Ireland and did this TV Performance. Which was quite big for us, our first TV Performance.
RICHARD: It’s a really cool thing, it’s called „Other Voices“ and they have it every Christmas and they’re in their 13th year now. And they got some great artist there. Domino had quite a lot of acts on: Wild Beasts were playing as well, King Creosote and ourselves. And then there was Jessie Ware playing and a couple of other cool acts.
GURO: Damien Rice.
RICHARD: Yeah, Damien Rice.
GURO: And we just did Eurosonic.

JM: Alright – that sounds like a bearable amount. May I ask, what you are doing in between? Just jamming around, preparing new Material?
GURO: We’re just getting ready, Preparing for the tour. And try to be as good as we can be. And trying to not make it as expensive as it should be.
RICHARD: There’s always something to do, you know. Like we prepare the next releases, the single, get the videos ready, we’re always trying to improve our live show and stuff. You’d be surprised but there’s always a lot to do.

JM: Now – to your debut album as All We Are – of all the ten songs on your album, there’s only one with a fade-out ending (“Something About You”) and that’s not even a real fade out because the music dies off slowly but these plucking noises remain – are you no fade out fans?
RICHARD: Not Really. 
GURO: I Don’t like fade-outs.

JM: Awesome, You’re the first band that I meet that goes f*** fade outs, they are shite.
GURO: I don’t like fade outs, I have to say.
RICHARD: It depends. Sometimes it’s kind of like if you fade out a tune it’s like the party keeps going somewhere else in the universe. But we just like to finish our tunes,
GURO: We just like when it stops.

JM: You have to, for the live versions anyway, don’t you?
RICHARD: Exactly. I mean, you could try but …
GURO: Could be interesting.

JM: Speaking of live performances. I was intrigued by at least two things. First of all: is it true that you are able to create what’s on the record live with just the three of you?
RICHARD: Jup.
GURO: Yeah.

JM: No drum machines?
RICHARD: No.
GURO: No drum machines
RICHARD: basically we like to create everything live. And Luis, our guitarist, who couldn’t be here today, in particular is really instrumental in creating this big sound – he plays through three guitar amps. So we have a stereo image. And also we build a lot of the guitar loops live. So the loop signal goes into a third amp, which is, then behind me so I can lock into that. So yeah, we like to keep everything as organic as possible. We don’t really like to play to click tracks we like the kind of natural even flow of the music as well. There are elements as well on the record that I’ve sampled and put into an SPDS, certain noises and stuff

JM: …that you can trigger live.
RICHARD: Yeah. But we don’t play to click.

JM: What about handclaps?

GURO: Oh – they’re not live. They’re only for the record.

JM: And you, Richard, play the drums standing?
RICHARD: Yeah.

JM: That’s rare.
RICHARD: Basically, when we first started the band, we had a tour booked and we didn’t really have a set ready and we didn’t have room in the car for a drummer so I just thought that I play the drums. It started up with a smaller set up, with just a tom, a snare and a crash. But then it gradually started to build – and yeah – I Actually don’t know how to play drums sitting down. So I just play standing up instead.

JM: So, Richard landed on the drums accidentally – do you, Guro, play the instrument you grew up with?
GURO: No.

JM: No?
GURO: No. As Richard said, we had a tour booked, before we haven had the band

JM: That’s weird.
GURO: Yeah. It’s a bit weird. But we – Louis, Rich and I – just were best friends and we wanted to stay together and we wanted to play together and we were three guitarists, so we had to find a way of doing it. And then Louis was just the best guitarist .So he could continue doing that. And then Richard said: Ok, I’ll play the drums. So I ended up on the bass.
RICHARD: That was that.
GURO: And then All We are went on tour, just after two weeks.

JM: You got lucky that you didn’t know Def Leppards drummer only.
RICHARD: Hehe. I play with one foot… But seriously, it took some time to get used to it.
GURO: We felt like we were thrown in very deep water in order to learn how to swim. But I think we did alright.

JM: Of course you did – I don’t want to flatter you, but you’re album is one of this year’s best. Speaking of it: Did you purposely arrange the track listing like an classic soul album, with the first half being for moving and dancing and the second half for the carpet in front of the fireplace?
GURO: Yes – it is very very thought through.
RICHARD: Yes. There’s definitely a change of mood. And that was very much on purpose.

JM: Another remarkable feature of the All We Are record is the falsetto singing. Especially yours, Guro. And since female falsettos in my perception are much rare, I was wondering is there a special influence or did it go like with Barry Gibb, who discovered his in the seventies kind of like accidentally
GURO: I grew up with a lot of Joni Mitchell. So I’m a big fan of the way she sings. But I also grew up with a lot of Janis Joplin, so I might be mixture of those two.

JM: Okay that explains a bit. What further amazed me were the parallels between your sound and your visual presentation like graphics, videos and such. You create enormous richness with as little input as possible. And at the same time, the sound and the optics have a feeling of tidiness and lucidity – how much are you involved in it – because it goes together exceptionally well?
GURO: The album art and the single art were done by an artist called Leif Podhajsky. And we sat down and had a couple of meetings with him explaining how he saw the songs and how we see the music and how we see ourselves as a band. And we gave him the record and he sat down and listened to all of the songs and took on board what we had chatted about and then started doing drafts and then it went back and forth and we ended up with what we have which we all really love- And the record itself, with the girl with different colours, all the different colours kind of represent each song So that’s why when we have the single they all are in specific colours.

JM: Wow.
GURO: So they are all linked and they all have their own personality but together they are this bonding of colours that is just together.

JM: Was Podhajsky also responsible for the videos that you shot?
Richard: The video for „I Wear You“ he worked very closely with the director for that video. We liked the artwork so much that we really wanted it to come to life.  So I think he worked quite closely with her in that respect. But with the other videos it was just ourselves and the director talking about it.

JM: I’m still amazed how well this goes and works together. It’s rare this sort of Gesamtwerk experience. Back to the music: Why is „Go“ the only song on the album with an awkward meter, a 7/4?
RICHARD: Well, we’re not out to make complicated music or something like that. But it was a really natural process. Because that riff just really lends itself to seven. We didn’t think: „Oh, You know what we should do is throw in a different time signature. It really happened quite naturally. Everything else on the album is in 4/4.
GURO: It’s a nice change though. It’s a nice little breather.

JM: The possibility of re creating all the sounds you hear on the record (except for the handclaps) – is that something you thought about while composing and recording?
GURO: Yeah. When it came to the recording we wanted record together. So all drums, bass and guitar is tracked together in the same room. And that’s how we play live. So we wanted that aspect to be heard and felt on the record. And we didn’t play to click either, We played to drum machines in some of the tracks, But a lot of the tracks are just played to the delay of the guitar so I think it was very important to us to be able to take the live performance into the studio and work on it in the studio and then take it back and bring it out live when it’s grown.

JM: On some of the tracks I had the feeling that some brass or something like that could’ve done something.
RICHARD: We did think about it. Before we went in to record we had meetings about should we get strings and obviously there are some pretty cool artists on domino that would have been able to help but we just decided: look, let’s just go in there, and see what happens and when we feel towards the end of the session that we need something extra, then we can get something in but as it turned out, it was quite a full sound and you know it’s our debut album as well so I think we just wanted it to be quite so synced and really just us, really just all we are.
GURO: It was really honest as well. I think we just wanted it to be like: This is us. And then for the second we can start building it up …

JM: …pimping it out …
RICHARD & GURO: Ha-ha. Yes.

JM: As I read you all met in Liverpool. Since nobody of you is from Liverpool – how did you meet up there?
RICHARD: We all went to University there.

JM: And you decided to go there because of the Beatles?
RICHARD: Well, there’s a university there called LIPA. It got a pretty good reputation and I guess we all wanted to do music instead of other stuff. And so we all ended up there and became friends pretty much straight away, And we always made music together. In different formats but it was actually after university finished that we decided we really wanted to just to stay together. One of the only ways of doing that was just forming the band. And just try to make it go with it. So it was actually after university that we started All We Are. But it was because of University that we met in Liverpool.

JM: So, You’re done with your studies.
GURO: Yes.
RICHARD: Yeah, we’re finished. 
GURO: We got a degree, whoo…

JM: And what are you now?
GURO: Musicians?
RICHARD: It’s funny, the reality is like we went to university and completed the degree but actually …
GURO: … we pissed around.
RICHARD: We’ve never really spoken about it really since. We started All We Are and we started getting involved in the scene there and it’s a really cool scene. And we really just consider ourselves as a Liverpool band. We actually never talk about university. I guess it was useful in that we learned a bit there. Obviously we met there as well.
GURO: It’s quite funny actually, if we had studied something else, not music, would people still ask: what did you study at university?  Is that like a normal question? What did you study?

JM: Philosophy and musicology.
RICHARD & GURO: Nice.

JM: Well I wish I would had been good enough to study music because musicology is for people who can’t play an instrument good enough.
GURO: But philosophy is pretty cool though.

JM: Yeah, but it’s not like something you can go and earn a living off.
RICHARD: No but with music.
(room fills with laughter)
GURO: We got degrees though.

JM: Lucky us. Is there anything though, be it practical or theoretical, that you took from your studies or was it really more like it’s alright, we got our degrees now?
RICHARD: Well I think in university it was a very creative place actually a very artistic place. What we got most out of that was just meeting other people, getting inspired, and developing our art. But you were kind of left to your own devices, really. But one if the things they made sure you knew was that making a career in music is actually quite difficult. Obviously we love it but you have to work extremely hard. And maybe that’s something we took from it. Obviously there was some practical stuff as well. We recorded our demo and our own stuff. We learned how to produce in university. So there are practical aspects, too. But one of the main things they made clear, was that making a career in music is tough -even if they pretty much let us do what we wanted to do.
GURO: I think that this is quite alright, that you just learn to be disciplined because everyone can piss around for three years doing nothing, but you actually have to get up, you have to practice, you have to learn to be as good as you can on your instrument. We definitely learned that you have to work really really hard to be able to succeed in it.

JM: Now that’s interesting. Besides the music – is there anything else that grabs your attention – cooking, collecting coins?
GURO: I love hiking. Walking up mountains. And being in absolute quietness.

JM: Is that the Norwegian heritage?
GURO: I think so. I really love that and snowboarding.

JM: What about record digging and collecting?
RICHARD: I have quite a few vinyls. But what I’m really into even though it’s music related, too, I’m into production I really enjoy producing. Especially making beats, hip hop and r’n’b stuff. Louis, who couldn’t be here today, is really into film. And that was a big influence on us when we were writing some of the tunes. We used to project films just onto the roof. Or on the walls. When we were playing, without the sounds, it’s like the visual thing would kind of influence us we all got our interests.
GURO: It was really nice that we used to black out the windows so the whole room was just really dark. And then projected the movies on us.
RICHARD: Some really kind of strange films, quite unusual ones.
GURO: Weird Russian flicks.
RICHARD: There was a Russian one called Shadows of our forgotten ancestors  – a really artistic and quite a forward thinking film from soviet Russia in the seventies and really striking visuals. Pretty cool.
GURO: There were also like really weird puppeteers-films from Lithuania.
RICHARD: They were Czech.

JM: Okay last question; I always ask musicians this, any opinion on Spotify and co?
Richard: Yeah. It’s interesting; its obviously coming to the forefront now with Taylor Swift taking her music of Thom Yorke as well had some issues. It’s tough to know, but at the end of the day we’re living in a world where it’s extremely easy to pirate music. And obviously there’s not a huge amount of money in streaming and stuff but at least it’s a valid way of getting your music out there. I think we’re happy enough to be on the service. It’s better that someone just ripping the tunes illegaly. But the reality is as well that vinyl sales are up. And I do believe that music lovers are going to stream music on Spotify and also buy music as well somewhere else. I don’t think it’s exclusive one or the other. And I just think the more people that hear your music the better. And we make Music really for ourselves but also like to connect with the people who want to listen to it and the more people that hear it the better. So I think that’s what it comes down to.
GURO: I ripped our own tunes. Just because I could.

JM: Thank you for the interview.

 

  

 

 

  

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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