„Wir sind eine Band. Aber wir sind keine Jam-Band.“ – Little Cub im Interview

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Trios sind wieder in. Kann man das so sagen? – Selbst wenn nicht: Dank ihres Debüt-Albums „Still Life“ werden Dominic Gore, Ady Acolatse und Duncan Tootill spätestens mit dessen Veröffentlichung gefragt sein. Lyrisch motivierter Groove-Pop mit reichlich Retro-Synthie und Future-Politics passt nicht einfach nur gut in die Zeit. Es ist die die einzig richtige Reaktion auf die Meta-Meaning-Exzesse schwangerer Pop-Diven und solcher, die es werden wollen. Grund genug, sich mit Ady und Dominic über das, was sie als Band ausmacht, warum ihnen Texte so wichtig sind und wieso Adys Mutter das „My Nature“-Video genauso wenig schauen kann, wie der Autor, zu unterhalten. 


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JOINMUSIC: Ihr wisst schon, dass es ein Mofa von Honda mit dem Namen Little Cub gibt, oder?
ADY ACOLATSE & DOMINIC GORE: Ha-ha.

JM: Weil Ihr aber keine Mods seid, müsst Ihr Euch also nach etwas anderem benannte haben?
AA: Naja – immerhin haben wir überhaupt einen Namen gefunden, der Band und Musik gut zusammenfasst. Denn eigentlich sind unsere Songs wie Momentaufnahmen aus unserem Leben, Dinge, die uns in unserem richtigen Leben beschäftigen, Beziehungen usw. Wir fanden die Idee gut, einen Namen zu haben, der eher freudig klingt und da ein bisschen Unbeschwertheit mit reinbringt.
DG: Es gibt ja aktuell diesen Trend, eine Band irgendwas in Kombination mit einem Tier zu nennen…. Ich jedenfalls mag dieses spielerische Element bei uns – auch, weil das mit dem Namen mitunter eine sehr künstliche Angelegenheit sein kann. Wie Ady schon sagte, einige der Themen, mit denen wir uns befassen, könnten als grässlich oder schlimm erscheinen. Und nur um das Absurde an dem, was wir machen, mit Humor zu nehmen zu nehmen – nicht im Sinne von Schenkelklopfern, sondern eher satirisch. Wir hätten uns ja auch The Downer Patrol oder Sad Kings nennen können. Aber Little Cub ist einfach ein bisschen spielerischer.

JM: Zu den schwierigen Themen komme ich später noch. Zunächst aber noch kurz zur Oberfläche. Das Cover-Design Eurer Singles hat mich total begeistert: Den Song-Text zum Cover gemacht.
AA: Die Texte so prominent auf dem Cover abgebildet zu haben, war uns enorm wichtig. Weil sie enorm wichtig sind für das, was wir als Band tun.

JM: Sehr guter Move. Geht wohl nur für’s Album nicht, weil Ihr die Typo auf Größe 4 oder 2 reduzieren müsstet…
AA & DG: Ha-ha

JM: Was Ihr Euch jetzt als Cover ausgesucht habt – also ich mag das Bild, aber das Motiv ist doch irgendwie schräg, oder?
DG: Sach mal.

JM: Wegen des Synthesizers.
AA & DG: Ha-ha.

JM: Dieses Detail bringt mich aus dem Konzept. Also wenn da schon ein Synthie rumsteht, dann sollten alle anderen ihre Instrumente doch auch präsentieren dürfen.
AA: Ha-ha. Wir spielen ja alle mehrere Instrumente. Aber was die Texte angeht – die sind auf den Innenseiten abgedruckt.
DG: Wir wollten ein Bild mit jeder Menge bedeutungstechnischer Ostereier. Das Offensichtlichste ist: Wir alle spielen Synthesizer.
AA: Wie im Film. In guten Filmen jedenfalls. Alles, was Du sehen kannst, hat eine sehr spezifische Bedeutung. Wenn Du Dir unser Cover genau anschaust, wirst Du viele kleine Dinge entdecken, die wir dort platziert haben, weil sie für uns als Band eine Bedeutung haben.
DG: Richtig – und alles wiederum ist auf die Texte bezogen.

JM: Ich mag die Vorstellung von vernetzter Bedeutung. Nach der herrschenden Definition macht das Euer Debüt zu einem Konzept-Album, richtig? – Weil wir gerade von Instrumenten sprachen – ich versuche gerade, mir Euren Proberaum vorzustellen: Habt Ihr überhaupt ein richtiges Schlagzeug-Set da stehen?
AA: Und ob. Live spielen wir ja auch zu viert: Schlagzeug, Bass, ich am Synthie und Dominic singt und spielt Gitarre. Manchmal spielt auch Duncan Synthie. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht – wir versuchen, unsere Musik so live wie möglich zu spielen. Wir sind eine Band.
DG: Ich glaube, wenn man uns noch nie live gesehen hat, könnte man den Eindruck haben: Oh, das sind ja nur ein paar Synthies und eine Drum-Machine. Uns aber ist es wichtig zu vermitteln: Genau das sind wir nicht.

JM: Wenn Ihr live spielt erlaubt Ihr Euch ein paar Experimente bei den Songs?
AA: Ja, na klar. Kennst Du das, wenn Du eine Band live siehst und die Musik nach noch mehr klingt, als Du sie von der Schallplatte kennst? – Das wollen wir auch erreichen.
DG: Ja, manchmal spielen wir mit dem Aufbau, manchmal ergehen wir uns an den Effekten. Aber der Schlüssel zu unserer Live-Performance ist, dass wir den Song vermitteln wollen. Wir sind keine Jam-Band.

JM: Dann mal direkt zu Eurem Debüt. Mir ist noch kein Album untergekommen, das keine Compilation war und derart viele unterschiedliche Snaredrum-Sounds präsentierte. Es ist fast so, als hättet Ihr für jeden einzelnen Song eine andere Snare benutzt.
AA: Naja – jeden Song haben wir anders aufgenommen. Also klingt auch die Snare auf jedem Song ein wenig anders.
DG: An allem, was mit Produktion und Aufnahmetechnik zu tun hat, sind wir interessiert und involviert. Deswegen schätzen wir es, wenn solche Detail auffallen.

JM: Vor ein paar Monaten sprach ich mit Oli Bayston von Boxed In…
AA & DG: Ey, Mann, das ist ein guter Freund von uns.

JM: …eigentlich war das schon vor ein paar Jahren. Auf jeden Fall sagte er, dass er sich für das erste Album ein Ziel gesetzt hatte: Nämlich das Album aus nur fünf unterschiedlichen Sounds zu machen. Ein total gegensätzlicher Entwurf.
AA: Das Ding ist ja, viele Song sind in der Entstehung viel reduzierter. Mit der Zeit haben wir dann immer mehr Elemente hinzugefügt, die sich zu Texturen verdichtet haben.
DG: Oli gehört zu unseren besten Freunden. Und er ist ein unglaublich guter Produzent. Aber stilistisch ist er tatsächlich eher an Reduktion interessiert. Wir haben eher eine Tendenz aus vielen unterschiedlichen kleinen Dingen das große Ganze zu formen.

JM: Aha. Handelt “Death Of a Football Manager” wirklich vom Tod eines Fussball-managers?
AA: Tut es.
DG: In mancher Hinsicht schon. IN dem Song geht es auf unterschiedliche Weise um Selbstmord. Das perfekte Thema für einen Morgen mit Cornflakes.

JM: In der Tat.
DG: Referenziert werden Ian Curtis, Alexander McQueen und der angesprochene Fussball-Manager. Und dann gibt’s da noch ein paar persönliches Gedanken zu diesem Thema. Also ja, es geht um eine wahre Begebenheit.

JM: Das Video zu “My Nature” hat mich extrem beeindruckt.
AA: Wir wollten unbedingt mit Bear Damen, den Regisseur des Videos, zusammenarbeiten. Wir sind große Fans seiner Arbeit. Wir haben ihn also angefragt und waren überglücklich, dass er einverstanden war und welche Gedanken er sich schon dazu gemacht hatte.

JM: Hattet Ihr denn irgendeinen Einfluss auf das, was gedreht wurde? Oder ist das alles auf seinem Mist gewachsen?
DG: Beides. Wir haben uns über Email ausgetauscht. Bei diesem speziellen Song war es uns wichtig, wie seine Reaktion ausfällt, wie er den Song wahrnimmt. Na klar haben wir über dieses und jenes gesprochen, aber künstlerisch hatte er die Hosen an. Manchmal ist es gut, bei Kollaborationen ganz nah und eng beieinander zu arbeiten. Manchmal ist es aber auch gut, von außen eine frische Perspektive auf das geliefert zu bekommen, was Du rüberbringen willst.

JM: Für das Video hat das auf jeden Fall funktioniert. Es ist so ein bisschen wie mit Eurem Bandnamen, der Euren sonstigen Themen die Schwere nimmt. Diese Gegensätze finde ich auch im Video: Ein großartiger Song mit erinnerungswürdigen Hooks – aber die Bilder dazu kann ich nur schwer sehen.
AA: Meiner Mutter ging’s genauso. Sehr interessant, wie unterschiedlich die Reaktionen darauf ausfallen. Einige sagen: Öh, das ist ja langweilig. Andere meinen: Ja, die Sprache gefällt mir und wieder andere meinen: irgendwie lustig, was ja auch eine Facette ist.
DG: Es ist schon ein ziemlich düsteres Video.

JM: Stimmt.
DG: Ich mag das.

JM: Ohne Frage. Ästhetisch ist das erstklassig. Aber jemandem für die Länge eines Musik-Videos bei seinen Krampfanfällen zuzusehen, ist auch was.
DG: Auch wieder wahr.

JM: Nocheinmal zu etwas anderem: Von nicht wenigen Eurer Songs habt Ihr Remixe anfertigen lassen. Oder?
AA: Oh ja.
DG: Naja, hier so und da mal. Oder meinst Du die “Loveless”-Dinger?

JM: Ja, die.
DG: Oh – das ist interessant. Die haben nämlich wir gemacht.

JM: Ach so.
AA: Ja genau – wir haben Dance-Edits unserer eigenen Songs angefertigt.

JM: Sehr gut.
DG: Wir wollten einfach mal ausprobieren, wie das ist, wenn man sich unseren Songs von einer anderen Perspektive aus nähert. Wir verbringen viel Zeit damit, die Musik anderer Leute zu mixen. Lustig, dass Du “Loveless” rausgesucht hast – es sind alles unterschiedliche Interpretationen ein und desselben Songs. Einige klingen so gar nicht nach dem Original. Andere variieren dagegen kaum.

JM: Wo wir gerade beim Remixen sind: In einem anderen Interview hattet Ihr erwähnt, dass Ihr gerne mit dem Produzenten und Schlagzeuger Leon Vynehall zusammenarbeiten wollt. Habt Ihr ihn schon erreicht?
AA: Guter Punkt. Hätten wir längst machen sollen. Haben wir noch nicht. Hast Du seine Nummer? Kannst Du uns connecten?

JM: Sorry. Ich kenne nur seine Musik. Aber ich sag’s ihm, wenn ich ihn treffe. Danke für das Interview.



english version



JOINMUSIC: Did you know there’s a Honda scooter named Little Cub?
DOMINIC GORE & ADY ACOLATSE: Ha-ha.

JM: But since you’re no mods you named yourself after something else.
AA: I mean, we still came up with a band name as sort of being a synthesis of our music. The music and the songs we write are typically a bit like snapshots of our lives, or real issues or relationships. Whereas we found the idea of having a band name which is completely different and bit more fun and light-hearted.
DC: There is a little trend of like calling your band something and then animal. I quite like the idea of having – because the name can be quite arbitrary sometimes – of having something playful. Because, just as Ady said, some of the topics we focus on could seem a little dire? And just to highlight the absurdity, the humorous aspect of what we do – not in a slapstick way though, but more in a satirical way. We could have named us The Downer Patrol or Sad Kings. But Little Cub is simply more playful.

JM: We’ll get to the drama later. One of the things that stuck me from the beginning was the design of your singles’ covers with the lyrics printed all over the sleeve.
AA: Having the lyrics on the cover was important for us. Because they are really important to what we do as a band.

JM: Good Move. I’m just guessing but continuing this style for your album would have meant to reduce the typo size to an unreadable extent…
AA & DC: Ha-ha.

JM: And as for the cover you have now picked I have to say I like the photography although the motive is really awkward – you know why?
DC: Go on.

JM: Because of the synthesizer.
AA & DC: Ha-ha.

JM: That’s the detail that throws me off. I mean – if there’s a synthesizer everyone else should have their instruments too.
AA: Ha-ha. We all play different instruments. But as for the lyrics – if you open the album up, we still have all the lyrics printed out inside.
DG: Basically what we wanted to do was having a picture with quite a lot of Easter eggs in it. The obvious one is: We all play synthesizers.
AA: Like in the movies. In good movies. All the objects you see have a specific meaning. And in the cover shot, if you look closely, there are lots of small object that we have placed in the image that have a lot of meaning for us as a band.
DG: Yeah – and it’s all related to the lyrics.

JM: I like the idea of interconnected meanings. By definition it makes your debut a concept album, right? Speaking of the instruments and stuff – I was wondering what your rehearsal room looks like – do you have a real drum set in there?
AA: Oh yeah. When we play live there’s actually four of us. We have live drums, a bass guitar, I play some synths, Dominic is singing and playing guitar und Duncan is playing a couple of synths as well. Even though it might not be obvious if you just listen to the record we’re trying to make our music as live as possible. We are a band.
DG: I think if you don’t know how we play live the perception might be oh that’s just some synths and a drum machine. And it was important for us to convey that we’re not.

JM: When you guys perform live do the lie version of your songs allow for experimentation?
AA: Yeah, definitely. You know how you go and see a band live and the songs are somehow more than you had heard them on the record? – That’s what we strive for when playing live.
DG: And I think yeah, sometimes we like to play around with the build-up, sometimes we get creative with some of the effects but the key to all of that is that we want to convey the songs. We’re not a jam band.

JM: Ok then let’s get into the album and the songs. I have never come across an album that was not a compilation and still featured that many different snare sounds. It seems like you’ve used a different snare sound for every single song.
DG: Yeah, I mean, every track we recorded a little differently. So it changes a bit for every song.
AA: We’re kind of into the production side of things. That’s why we appreciate you noticing this kind of detail.

JM: I talked to Oli Bayston from Boxed In a couple of months ago….
AA & DG: Oh, man, we’re good friends with him.

JM: …actually I think it was a year ago and he told me that for the first album the task he set for himself was to only have like five different sounds and then make a whole album just out of these sounds. Which is basically a totally different approach.
AA: I mean, lots of songs started out in a much-stripped back way. And then over time we added parts and let them develop into richer textures.
DG: Oli is one of our best friends and he’s actually an incredible producer. But stylistically he likes very simple textures in that sense. And I think our tendency is often toward things that are very detailed in a sense that we put lots of little intricate things together.

JM: So – is “The Death Of A Football Manager” really about the death of a football manager?
AA: It is.
DG: In some ways. The song has a lot of references to suicide which is the perfect topic to accompany your cornflakes in the morning.

JM: Yes.
DG: The references are to Ian Curtis and Alexander McQueen and the football manager in question. Those then lead to a more personal musing on the subject. So it is about a real event.

JM: I was very much impressed by the video for “My Nature”.
AA: We badly wanted to work with Bear Damen who directed it. We’re big fans of his work. So we reached out to him hoping he would give us a chance. And luckily he wanted to work with us and we were overjoyed and really happy with he came up with.

JM: Did you have any saying during the making of the video? Or was it all his?
DG: A bit of both. We talked about it via email. With this particular track we wanted it to be his reaction to how he conceived the song. Obviously there were things that we discussed but you know he kind of drove that thing artistically. Sometimes we like to work closely with an artist we’re doing something together. But sometimes it’s nice to kind of get a fresh perspective on what you’re trying to put across.

JM: It definitely worked for the video. Just as you mentioned that your band name was also chosen for its relative light-heartedness in comparison to some of the topics you deal with lyrically – the same sort of imbalance reigns over the video: It’s a rad song, with memorable hooks but at the same time I find it hard to watch the video.
AA: My mum felt the same way. And it’s quite interesting to see the different reactions to the video. Cause some people are like: Ok, that’s really tiring, some go: Oh I quite like the language and others find it quite funny which is also an aspect.
DG: Well, I mean, it’s a pretty dark video.

JM: Yes.
DG: I really like that.

JM: That’s out of question. Aesthetically the video is top-notch. But watching somebody having seizures for the lengths of a music video is quite something.
DG: True.

JM: Now to something else. You committed quite a number of remixes, didn’t you?
AA: Oh yeah.
DG: Well, a little bit. Do you mean the “Loveless” ones?

JM: Yeah.
DG: Oh, alright, interesting. Actually we did those remixes.

JM: Oh, I see.
AA: Yeah – we did our own dance edits of our songs.

JM: Nice one.
DG: Yea, so we just wanted to look at our songs in a slightly different way. Cause we spend a lot of time mixing other people’s music. So it’s interesting you say that since they all just represent different approaches to one song. Some of them are really nothing like the original. Some are just mere variations.

JM: Speaking of remixing. In an interview I read that you had heard Leon Vynehall was a drummer and that you would like to collaborate with him. Did you have a chance yet to reach out to him?
AA: That’s a very good point. We should be. No – do you have any contacts? Can you hook us up?

JM: I’m sorry. I know him by his music only. But I will tell him should we meet up. Thank you for the interview.

Foto: Holly Whitaker

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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