Spätes Debüt – The Temper Trap's The Temper Trap

Es ist fast schon obligatorisch, das erste Album mit dem Bandnamen zu schmücken. Quasi so sicher, wie das Amen bei der Taufe. Aber es kann ja nicht jeder an den Gott des Rock’n’Roll glauben. Und so will manch einer auch beim Debüt nicht auf einen aussagekräftigen Titel verzichten – verständlich. Dann allerdings das zweite Album selbst zu betiteln, was ist das? Sakrileg? In diesem Falle eher ein Statement: Wir sind angekommen!


The Temper Trap
The Temper Trap

 

Infectious / PIAS
18. Mai 2012

 

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Na, zugegeben, es gab vorher schon eine EP mit dem Namen The Temper Trap. Also vielleicht doch alles nur, um die Musikwissenschaftler des 22. Jahrhunderts zu verwirren? Man weiß es nicht. Egal!

The Temper Trap’s Sänger Dougy Mandagi hat in seinem Leben mit Sicherheit nur eine Gesangsstunde verpasst. Leider ausgerechnet die, in der ihm davon abgeraten wurde, seine Kopfstimme zu benutzen. Alles andere kann der Mann. Bei den vielen Referenzen, die der gebürtige Indonesier durchschimmern lässt – und die reichen von Dave Gahan bis zu Matthew Bellamy – zeigt er vor allem eine unverkennbare Stimme: seine eigene.

Von der wird das ganze Album dominiert. Und sie rettet Stücke, die bei der Vergabe der großen Melodien noch im Bett lagen. Davon gibt es einige. Die einen kommen als willkommene Abwechsung daher, andere als Füllmaterial. Davon später mehr…

Zunächst eröffnet Need Your Love mit einer schaumgefestigten Lebensfreude, die eigentlich nur als Titelstück eines Michael J. Fox College Movies besser aufgehoben wäre. Und mit einer Energie, die Sylvester Stallone beim Armdrücken helfen könnte, einen neuen Truck zu gewinnen. The Temper Trap will offensichtlich toppen, was ihr erstes Album Conditions schon an Preisen und Chartplazierungen abräumen konnte. Mit diesem Opener könnte das durchaus gelingen.

Mit dem Punkkracher London’s Burning wird dann ziemlich gewollt Teenie-Politik gemacht. Allerdings geht der Song ab und traut sich zu recht, dem ersten Track Paroli zu bieten. Er wird vor allem live eine ganz großartige Mitgröhlnummer abgeben. Nur was soll dieses elende Falsettieren? „Everything is nothing!“? Nothing would be everything in this particular case…

Bis zu der folgenden, wunderschönen Ballade Trembling Hands – klangverliebt und trotzdem intim – kann The Temper Trap ohne Probleme die Startenergie halten. Nur leider nicht weiter. Die Entscheidung, gleich noch eine weitere ruhige Nummer folgen zu lassen, ist schon grundsätzlich ein fragwürdige. Nach dem großspurigen Anfang des Album ist sie schlichtweg falsch. Sie wird nur durch die überragende Schönheit von The Sea Is Calling gerechtfertigt, das dadurch leider ein allzu verfrühtes Albumende zu verkünden scheint.

The Miracle wird mit Sicherheit ein paar Anhänger finden, hat aber mit seinem Drumcomputer und seinen Synthesizerflächen auf dieser Platte eigentlich nichts verloren. Und an dieser Stelle nichts zu suchen. Darüber kann auch das halbherzig Fahrt aufnehmende This Isn’t Happiness nicht hinweg trösten. Der Titel behält leider recht: It isn’t. Dann aber passiert das Unerwartete!

In Where Do We Go From Here? werden endlich rücksichtslos die Fönfrisuren ausgepackt! Ein – sagen wir mal – ausgesprochen mutiger Track. Richard Marx und Tom Jones im Duett. Der Song funktioniert wie ein Wecker, wie Haydns Paukenschlag, wie ein apfelschmalzbedeckter Schlachtruf! Genau das, was das Album an der Stelle braucht…

Auch wenn dann wieder etwas Ähnliches passiert, wie am Anfang, fahren die nun folgenden Songs Never Again, Dreams und Rabbit Hole die Energie nicht so an die Wand, wie zuvor. Beim wiederholten Hören gewinnen alle drei sogar durchaus an Tiefe!

Insgesamt fehlt es aber fast allen Tracks des Albums an so etwas wie Arrangement: Öfter mal ein Break, ein Wechsel im Groove oder im Sound. Mit einem Quäntchen weniger Klang- und Selbstverliebtheit, könnte The Temper Trap durchaus auf die obersten Chartplätze zielen.

Dazu trägt auch die gelunge Produktion durch Tony Hoffer bei, der seinen Lebenslauf mit so illustren Namen wie Beck, Air, The Fratellis, Goldfrapp und Depeche Mode schmücken kann. Toller Sound! Alles dreht sich um den großartigen Gesang Mandagis, bietet viel Raum für den jüngst ins Kader aufgenommenen Joseph Gree an den Keyboards und präsentiert sich im trendy Retrogewand. Nur beim Groove haperts zuweilen. Mut zum Schlagzeug, bitte!

Das eine oder andere Mäkelchen hin oder her, das Happy End wird dem ausdauernden Hörer nicht vorenthalten. In I’m Gonna Wait wird noch mal alles ausgepackt, was die 80er Welle zu bieten hat. Eine ganz tolle Hymne, mit bombastischen Hallräumen und sogar einem kleinen Gitarrensolo. Wenn Mandagi das Stück bei Festivals nicht aus einem Hubschrauber singt, dann gibt es keinen Gott! Riesenkiste!

Und da man so nicht ins Bett geschickt werden kann, folgt mit Leaving The Heartbreak Hotel noch ein Downer allererster Güte. Und Isaac sprach zu Elvis: No, I don’t wanna fall in love with you… Seufzen, Teddy schnappen, auf die Seite rollen und leise schluchzend einschlafen. Um dank Autorepeat von Need Your Love erneut Kaffeepulver in die Venen geblasen zu bekommen.

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Obwohl es heutzutage Usus ist, die erste Singleauskopplung an den Anfang eines Albums zu stellen, hätte sie in diesem Falle an anderer Stelle wesentlich bessere Dienste leisten können. Warum nicht bei der Songreihenfolge auch mal retro sein? Trotzdem bleibt The Temper Trap ein großartiges „Debüt“ mit kleinen Schwächen und sehr großen Stärken. Eingepackt in einen grandiosen Sound. Wenn das Indie ist, dann wird es bald auch keine 4 Major Labels mehr geben.

photos: verstärker

Gebürtiger Lübecker mit Wohnsitz in Hamburg. Zu jung für Schlager, zu alt für Jumpstyle. Dennoch zweifelhafter Musikgeschmack mit Hang zu Sprunghaftigkeit. Ergo: Schreiberling im Hauptfach Randbezirkige Musik.

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